Maria hat in der Heilsordnung der orthodoxen Kirchen die Titel „Gottesmutter“ und „Allheilige“. Professor Nikos Nissiotis, der der griechisch-orthodoxen Kirche angehört, hat in dem Sammelband „Was geht uns Maria an?“ (Gütersloh 1988, S. 88ff) geschrieben: „Durch die Geburt Christi kam der göttliche Logos als Ganzer zur Vereinigung mit dem Menschsein als Ganzem. Natürlich hat bei diesem Mysterium die überragende Macht Gottes den Vorrang, doch Maria macht dieses Mysterium möglich und wird zur Gottesmutter, da sie dieses einmalige und einzigartige paradoxe Ereignis Wirklichkeit werden lässt, dass ‚Gott im Fleisch‘ erscheint (1 Tim 3,16), und so die Vereinigung der beiden Naturen in einer Person an der beide in gleicher Weise teilhaben, sicherstellt.“
In der orthodoxen Theologie wird betont, dass die Mariologie nicht ohne den Heiligen Geist zu denken ist. Im Glaubensbekenntnis lesen wir: „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“. Nikos Nissiotis betont, dass ohne die Bezugnahme auf das Wirken des Heiligen Geistes die Rede von Maria ihr Hauptzentrum verliert. Wie in der katholischen Mariologie besteht auch in der orthodoxen Mariologie ein enger Zusammenhang zwischen der Mutterschaft Marias und der Entstehung der Kirche. Nikos Nissiotis erläutert dies so:
„Der Geist macht die Mutterschaft der Theotókos (Gottesmutter, d. Verf.) zur Mutterschaft der Ekklesía für alle Menschen. Die Beziehung zwischen dem Logos und Maria wird zur Gemeinschaft zwischen Gott und der Menschheit in der Kirche … Maria verhilft uns zum Verständnis und Zugang in die Wiedervereinigung der ganzen Menschheit zu einer allmenschlichen Familie durch ein spezifisches Wirken des Heiligen Geistes. Die persönliche Auserwählung wird durch das gemeinschaftliche Ereignis erfüllt. Zwischen der Verkündigung und Pfingsten besteht ein untrennbar organischer Zusammenhang.“
In diesem Zusammenhang fasst der Autor die Rolle der Gottesmutter bei der Gründung der Kirche so zusammen: „Als Urbild der Kirche und Mutter aller ihrer Glieder tritt Maria in allen biblischen Geschehnissen der neutestamentlichen Erzählung des Lebens Jesu auf und auch am Tag der geistgewirkten Gründung der Kirche.“
Shanti Verghese, die bei ihrer Heirat Mitglied der Orthodox Syrian Church of India wurde, hat in dem Buch „Orthodox Women Speak“ des Ökumenischen Rates der Kirchen (Genf 1999, S. 113ff.) dargestellt, wie sie das Verständnis von Maria in der Orthodoxie kennengelernt hat:
„Als ich tiefer in den orthodoxen Weg hineinwuchs, begann ich, noch stärker beeindruckt zu sein von dem Platz, den die Jungfrau Maria in unseren Gebeten und religiösen Bitten hat. Die Position, die der Mutter unseres Herrn gegeben wird, ist unmittelbar neben unserem Herrn. Wir haben viele Kirchen und Kathedralen, die ihren Namen tragen. Wir begehen die Fastenzeit in Erinnerung an sie und in den Zeiten, in denen wir fasten, wenden wir uns mit Fürbitten an sie. Die ganze Kirche, Geistliche und Laien in gleicher Weise, befolgen dies alles mit großer Andacht und Frömmigkeit. Die Position Marias als Gottesmutter wird fraglos akzeptiert. Aber ich verstehe nicht, wie die Kirche, die der Frau Maria so viel Achtung und Ehrfurcht entgegenbringt, nicht gewillt ist, der Hälfte ihrer Mitglieder, nur weil sie Frauen sind, irgendeinen Platz oder eine Position in ihrer Geistlichkeit und ihrer Arbeit einzuräumen. Wir sollten nicht vergessen, dass es Frauen waren, die auf dem Kalvarienberg am Kreuz ausharrten, während die Männer davonliefen. Den Frauen erschien Christus am ersten Ostertag. Auch waren sie es, denen er den Auftrag gab, die Botschaft von seiner Auferstehung zu verbreiten.“
Mit diesen Themen hat sich auch Elisabeth Behr-Sigel beschäftigt. Sie gehörte zu den bekanntesten feministischen Theologinnen in den orthodoxen Kirchen und war zugleich eine Brückenbauerin zu den anderen christlichen Konfessionen. Sie hat sich einen großen Teil ihres Lebens mit der Rolle der Frauen in den orthodoxen Kirchen und den Möglichkeiten beschäftigt, eine gleichberechtigte Gemeinschaft von Frauen und Männern in diesen Kirchen zu schaffen. Dazu gehörte für sie die Ordination von Frauen zu Priesterinnen. Sie hat dafür einen nicht-konfrontativen Argumentationsstil gepflegt und so auch Gehör in konservativeren Kreisen der orthodoxen Kirchen gefunden, wenn auch oft keine Zustimmung.
Will man die kirchlichen und theologischen Auffassungen von Elisabeth Behr-Sigel verstehen, muss man sich wenigstens kurz mit ihrem Lebensweg beschäftigen. Sie wurde 1907 in Straßburg geboren, damals ein Teil des Deutschen Reiches und seit dem Ende des Ersten Weltkrieg ein Teil Frankreichs. Sie hatte einen lutherischen Vater und eine jüdische Mutter. Sie entwickelte früh ein Interesse an theologischen Fragen und war die erste Frau, die ein Theologiestudium an der Universität Straßburg abschloss. An dieser Universität lernte sie russische Studenten kennen, die in Straßburg im Exil lebten. Sie entschloss sich, orthodoxe Christin zu werden, ohne ihre Bindungen an die evangelische Kirche aufzugeben.
Elisabeth Behr-Sigel beschäftigte sich intensiv mit den frühchristlichen Kirchenvätern und versuchte, ihre theologischen Aussagen neu zu interpretieren. Sie schrieb in einem ihrer Bücher: „Den Kirchenvätern treu zu sein, bedeutet, ihre kreative Inspiration wieder zu entdecken und dies den heutigen Menschen zu verkünden.“ Dabei gelte es, diese Kirchenväter in ihrer Zeit zu verstehen. In der Tradition der Kirchenväter hat sich Elisabeth Behr-Sigel intensiv mit der göttlichen Trinität beschäftigt. In dieser Trinität zeige sich das Paradox der absoluten Einheit der drei Personen und gleichzeitig die absolute Verschiedenheit jeder dieser Personen. Die Kirche ist der Ort, so Elisabeth Behr-Sigel, wo ein Mensch die Gemeinschaft mit Gott und mit anderen Menschen erfahren kann. Dabei wird die Vielfalt in jedem Menschen ebenso erfahren wie die Vielfalt Gottes. Dabei sind Frauen und Männer gleichermaßen Priester in der Schöpfung Gottes und erfahren dies intensiv in der Eucharistie. Sie schrieb: „Die eucharistische Versammlung ist eine Versammlung von Priestern, die Gott in Christus dienen.“ Diese gemeinsame Priesterschaft gibt allen, die getauft sind,
Männern wie Frauen, die Verantwortung, ihr ganzes Leben lang Zeugen Christi zu sein.
Dies kann wirklich nur eine knappe Zusammenfassung einer in der orthodoxen Kirchengeschichte und theologischen Tradition verwurzelten Theologie sein. Aber es wird hoffentlich trotzdem deutlich, wie die feministische Theologin unter Aufnahme orthodoxer Glaubensüberzeugungen argumentiert, dass bei der Priesterschaft die Frage Mann oder Frau keine Rolle spielen sollte. Die Vielfalt der Gläubigen kann nicht auf die Genderthematik reduziert werden, um Frauen das Priesteramt zu verweigern.
Auf diesem Hintergrund gelte es, die Rolle Marias in der Heiligen Schrift und dann auch in der orthodoxen Religiosität wahrzunehmen. Elisabeth Behr-Sigel schrieb dazu in ihrem Buch „The Ministry of Women in the Church“:
„Die Kirche verkündet, dass Gott Fleisch wurde durch eine Frau und die Kirche gibt Maria den Namen Theotokos, Gottesmutter. Gott hat Maria nicht wie ein passives Instrument genutzt. Er besaß die göttliche Kühnheit, die Verwirklichung seines liebenden Plans in die Hand ihres Einverständnisses zu legen, ihrer freien Zustimmung aus ihrem Glauben heraus. Maria wirkte durch ihren Körper mit am Heil der Welt. Sie wirkte mit ihren Körper aufgrund ihres persönlichen Glaubens und ihres Gehorsams mit … Die Menge rief, als Jesus vorüberging, ‚selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, an denen du gesogen hast‘. Er antwortete, ohne die Rolle seiner Mutter zu vermindern, aber um die spirituelle Dimension der Mutterschaft zu unterstreichen: ‚Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren‘ (Lukas 11,28). Sie sollten es bewahren, wie Maria es getan hatte (Lukas 2,19).“ Mit Maria werden alle Frauen geehrt, war Elisabeth Behr-Sigel überzeugt. „Maria ist ‚die Mutter des wahren Lebens‘ und der ‚Archetypus einer erfüllten Menschlichkeit“.
Am Beispiel von Maria und anderer Frauen im Neuen Testament hat Elisabeth Behr-Sigel gezeigt, dass Jesus die traditionellen Genderrollen seiner Zeit infrage stellte und Frauen gegenüber großen Respekt und Liebe zeigte. Frauen haben Jesus von seiner Geburt bis zu seiner Kreuzigung begleitet, und er hat persönliche Beziehungen zu diesen Frauen aufgebaut. Das hat, schreibt Elisabeth Behr-Sigel, seine Jünger immer wieder überrascht: „Wahrzunehmen, dass das Licht Christi die patriarchale Lebensweise umgestaltet hat, kann nicht bedeuten, dass die Kirche diese Lebensweise perpetuieren sollte.“
Auf der Grundlage von Jesu Wertschätzung der Frauen und ihres Verständnisses der göttlichen Trinität hat sich die feministische Theologin hartnäckig für eine Ordination von Frauen zum Priesteramt eingesetzt und wollte sich nicht mit einem weiblichen Diakonat zufriedengeben. Sie selbst hat eine orthodoxe Gemeinde in Paris geleitet und pastoral begleitet. Elisabeth Behr-Sigel starb 2005. Sie hat besonders in Europa und Nordamerika großen Einfluss auf das Denken und den Glauben orthodoxer Frauen gehabt.
„Gott wurde einer von uns. Und eben nicht in Ruhm und Ehre, sondern in Schwachheit, Hilflosigkeit und Heimatlosigkeit, verletzlich und scheinbar besiegt, verachtet von all denen, die nur an Stärke und irdische Größe glauben. In der ersten Nacht, als Gott Mensch wurde, als der Lebende Gott selbst im Fleisch unter uns auf der Erde zu leben begann, war Er selbst ein Heimatloser, ein Mensch ohne Obdach.“ So hat Metropolit Anthonij von Surosch die Umstände beschrieben, unter denen Jesus geboren wurde. In einer Predigt sagte er weiter: „Er wurde ganz einer von uns aus Liebe, aus Verständnis, aus Verzeihung und Mitgefühl. Er empfindet auch mit denen, die, weil sie Sünder sind, verstoßen wurden.“
Die Sündenthematik hat der Metropolit in einer anderen Predigt in das Zentrum gestellt: „Wenn wir der Menschwerdung Christi gedenken, dann bedeutet dies für uns Freude: Der Heiligen Jungfrau, der Gottesgebärerin, ist ein Kind geboren worden. Dabei vergessen wir jedoch, dass Er dazu geboren wurde, um uns von der Macht der Sünde zu erlösen und dass Er dafür mit Seinem Leben bezahlt hat.“
Das Sündenthema nahm er noch einmal auf: „Es gibt eine alte Weihnachtsikone, auf der der Heiland nicht in einer Krippe liegend dargestellt ist, sondern auf einem Opfertisch. Denn Er wurde dazu geboren, um für uns zu sterben, um sein Leben für uns hinzugeben, damit wir am Ewigen Leben teilhaben können … am wahrhaft Göttlichen Leben. Mit welcher Dankbarkeit, aber auch mit welch einem Bewusstsein für unsere tiefe Verantwortung sollten wir deshalb dieses Weihnachtsfest begehen.“
in Russland wird am 6. und 7. Januar Weihnachten gefeiert. Auch verschiedene andere orthodoxe Kirchen folgen bei der Festlegung des Weihnachtstermin dem julianischen Kalender, den Julius Cäsar vor mehr als 2.000 Jahren einführte. Die anderen Kirchen orientieren sich am gregorianischen Kalender, den Papst Gregor XIII. im 16. Jahrhundert einführte. Er wurde von den europäischen Ländern und vielen anderen Ländern auf der Welt übernommen. Die orthodoxen Kirchen, die sich nicht am julianischen Kalender orientieren, feiern Weihnachten am 24. und 25. Dezember.
Dem Fest geht in Russland eine 40tägige Fastenzeit voraus. Eine 14tägige Fastenzeit geht dem Fest „Mariä Entschlafung“ voraus, das – nach unserem Kalender – am 28. August gefeiert wird. Es ähnelt dem „Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel“ der römisch-katholischen Kirche. Während auf katholischen Gemälden die Darstellung der triumphalen leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel vorherrschend ist, wird auf orthodoxen Ikonen das Sterbebett Marias dargestellt. Sie wird von den Aposteln umgeben. Nach der Aufnahme Jesu in den Himmel war Maria nach orthodoxem Verständnis für Jünger und Apostel wie eine Mutter, die sich nun, vor ihrer Entschlafung, um sie versammelt haben. Dahinter steht Christus, der die Seele seiner Mutter empfängt.
Diese Darstellungen machen unterschiedliche theologische Akzente deutlich. In der römisch-katholischen Kirche wird in einem Dogma betont, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wird. In den orthodoxen Kirchen gibt es ein solches Dogma nicht, auch wenn der Glaube an die leibliche Auferstehung Marias auch in diesen Kirchen eine Tradition hat. In dem einzigen mariologische Dogma der orthodoxen Kirchen wird die Gottesmutterschaft Marias betont.
In der theologischen Lehre der orthodoxen Kirchen ist Maria sehr viel stärker im liturgischen Leben als in dogmatischen Festlegungen verankert. Die Kirche wird als Ort der Glaubenserfahrung verstanden. Es wird betont, dass Jesus das Haupt der Kirche ist, Maria die Mutter der Kirche. In den orthodoxen Kirchen werden mehrere Marienfeste gefeiert und dies besonders in der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Dort gibt es im Laufe des Kirchenjahres an 33 Tagen Marienfeste.
In allen orthodoxen Kirchen wird Maria an zentralen Plätzen auf Ikonen dargestellt, fast immer gemeinsam mit Christus. Bei vielen Ikonostasen, also Bilderwänden, die Altarraum und übrigen Kirchenraum trennen, werden rechts und links der königlichen Tür Maria und Christus dargestellt. Sie repräsentieren auch die beiden Geschlechter, die sich zum Gottesdienst versammelt haben.
Im 7. Jahrhundert entstand der orthodoxe Marienhymnus Akathistos, der weltweit erste Marienhymnus. Er wurde das erste Mal im Jahr 625 in Konstantinopel gesungen. Darin wird die Verehrung für die Gottesgebärerin Maria zum Ausdruck gebracht, also ihre Bezogenheit auf Christus. Der Marienhymnus hat eine Einleitung und 24 Strophen. Es werden vor allem die Inkarnation Christi und die Rolle Marias als Gottesmutter gepriesen.
An einer zentralen Stelle wird gebetet:
„Da überschattete die Kraft des Allerhöchsten die Unvermählte, und ihren mütterlichen Schoß ließ sie einen würdigen Nährboden werden allen, die Erlösung ernten wollen, indem sie also singen:
Halleluja, Halleluja, Halleluja!
Da Maria Gott empfangen, eilte sie zu Elisabeth. Deren Ungeborenes erkannte sogleich ihren liebenden Gruß und freute sich ihrer Freude, als sänge es der Mutter Gottes.“
Da auf dieser Website häufiger auf das Verhältnis der Kirchen zum Judentum eingegangen wird, soll hier zumindest kurz auf das Verständnis der orthodoxen Kirchen von ihren jüdischen Wurzeln eingegangen werden. Der griechisch-orthodoxe Theologe Georges Vlantis schreibt hierzu:
„Die Kirche wird aus dem Judentum geboren und sie glaubt, dass Jesus Christus ein Jude ist, der von Juden abstammt … Das Bekenntnis zu Jesus als den Christus stellt freilich einen Punkt wesentlicher Differenzierung der Kirchen vom Judentum dar, aber die Kirche hat nicht kritiklos das hebräische Erbe weggeworfen. Sie wollte dieses Erbe in ihren Denken und Ethos aufnehmen. Das ‚Geht nicht weg von Jerusalem‘ (Apg 4,1) ist ein theologischer Auftrag. Paulus, Jude aus Tarsos, profunder Griechisch-Kenner und römischer Bürger, der Apostel der Nationen, hat eine imposante theologische und pastorale Öffnung zur heidnischen Welt veranlasst und gleichzeitig eine Theologie entwickelt, die auf der Wahrheit der Tradition Israels besteht, wie dies z.B. deutlich in seinem Römerbrief (bes. im 11. Kapitel) sichtbar wird.“
Die Orthodoxen erinnern daran, dass die Kirche in den ersten Jahrhunderten die Beibehaltung des Ersten Testaments gegen Widerstände verteidigt hat. Georges Vlantis hebt hervor: „Ihr liturgisches Leben, von Anfang an bis zur byzantinischen Zeit und weiterhin bis zu unseren Tagen war und bleibt tief in der Bibel verwurzelt, vor allem im Alten Testament, das bis heute eine besondere Stellung im liturgischen Leben der Orthodoxen Kirche hat.“
Das hat allerdings nicht verhindert, bedauert der griechisch-orthodoxe Theologe, dass sich im Verlauf der orthodoxen Kirchengeschichte extrem antijüdische Thesen verbreitet wurden. Auch sei es zu einer kollektiven Verurteilung der Juden gekommen, die angeblich Jesus gekreuzigt hätten.
Inzwischen betonen orthodoxe Kirchenvertreter die jüdischen Wurzeln und Verbindungen der Kirchen. Der griechisch-orthodoxe Metropolit Staikos hat 2001 in einem Vortrag über das Verhältnis der orthodoxen Kirchen zum Judentum festgestellt:
„Orthodoxer Glaube ist biblischer Glaube, denn er ist von der Schöpfung bis zur Erlösung biblisch gedacht. Und dieser biblische Glaube kommt immer wieder vor, sei es beim Anlegen der liturgischen Gewänder oder bei vielen Ritusformen, die einen jüdischen Ursprung haben, z.B. bei der Trauung oder beim orthodoxen Gottesdienstraum, der wie Salomons Tempel auch heute in der Regel nach Osten ausgerichtet ist und als Symbol der Hoffnung und des Lebens gilt. Durch seine Dreigliederung hat der orthodoxe Kirchenraum Kennzeichen des alttestamentlichen Tempels bewahrt.“
Es besteht eine tiefer Verbindung im Glauben: „Der Heilige Geist ist es, der durch die Profeten gesprochen hat, durch die Profeten des Alten Testaments. Es ist also derselbe Heilige Geist, der die zwei Epochen des Alten und des Neuen Testaments in der großen einen Heilsgeschichte verbindet …“
In den letzten Jahrzehnten hat es wiederholt Dialoggespräche zwischen Orthodoxen und Juden gegeben, die auf eine Initiative des Ökumenischen Patriarchats zurückgegangen sind. Dazu noch einmal Georges Vlantis: „Es geht um einen Dialog, dessen Basis der gegenseitig Respekt ist. Er schöpft aus der gemeinsamen biblischen Wurzeln und besteht auf dem Auffinden von Kooperationsmöglichkeiten für die Durchsetzung des Friedens, der Gerechtigkeit und der Solidarität zwischen den Völkern.“
Auf der Website des Erzbistums Münchenn finden Sie den vollständigen Beitrag von Georges Vlantes "Über das Verhältnis zwischen Orthodoxer Kirche und Judentum"
Zum Weiterlesen:
Die Weihnachtsgeschichte - Fakten, Legenden und tiefere Bedeutung
Viele haben sich im Weihnachtsgottesdienst schon gefragt, ob die Geschichten von der Geburt und Kindheit Jesu Legenden sind, vielleicht sogar Märchen. In diesem Buch wird fundiert und anschaulich dargestellt, was heute über das damalige Geschehen bekannt. Es wird deutlich, dass viele legendarische Texte die Glaubensüberzeugungen der Jesusbewegung zum Ausdruck bringen und auch heute noch eine religiöse Orientierung bieten. Ausführlich wird das damalige Leben in Palästina unter der Herrschaft des römischen Imperiums dargestellt. Es hatte überraschende Ähnlichkeiten mit heutigen Imperien. Der Autor stellt außerdem ausführlich dar, was es bedeutet, dass Jesus, seine Familie und die meisten Menschen, die in den ersten Kapiteln der Evangelien Juden waren.
Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier.
