Beinahe wäre sie 1986 in den Schrottpressen einer Abwrackwerft in Hongkong gelandet, aber dann gelang es den Freunden der einst so schönen „Cap San Diego“ doch, den Hamburger Senat und private Spender dafür zu gewinnen, den Stückgutfrachter zu retten und als Museumsschiff nach Hamburg zu holen. Das Schiff war Anfang der 60er Jahre auf der Deutschen Werft in Hamburg gebaut worden und nahm am 30. März 1962 den Dienst für die traditionsreiche „Hamburg-Südamerikanische Dampfschifffahrtsgesellschaft“ auf.
Die elegante „Cap San Diego“ und ihre fünf Schwesterschiffe machten sich als „Weiße Schwäne des Südatlantiks“ einen Namen. Sie wurden von der "Hamburg-Süd" im Linienverkehr nach Mittel- und Südamerika eingesetzt. Das „Cabo San Diego“ an der Südspitze Argentiniens, hat der Frachter nie umrundet, dafür aber zahlreiche andere lateinamerikanische Häfen angelaufen. Das elegante Schiff und seine Inneneinrichtung hat der bekannte Hamburger Architekt Professor Cäsar Pinnau entworfen, der in der Nachkriegszeit aber wegen seiner vielen Arbeiten für die Naziherrscher, u. a. die Innengestaltung von Hitlers Reichskanzlei, umstritten war.
Die mit knapp 10 000 BRT vermessenen und 159 Meter lange „Cap San Diego“ wurde so konstruiert, dass sie im Liniendienst alle Arten von Stück- und Massengütern transportieren konnte. Bei einer Ausreise hatte das Schiff u. a. Traktoren, Arzneimittel, Stahl und Batterien geladen, auf der Rückreise u. a. Feigen und Fleisch. Auf anderen Reisen reichte das Güterspektrum von Rizinusöl bis zu Lammfellen. Eigenes Ladegeschirr und Kühleinrichtungen trugen zur vielseitigen Nutzung und zur zügigen Beladung auch in kleineren Häfen bei. Die Ladung der „Cap San Diego“ machte deutlich, dass Lateinamerika immer noch vor allem Fertigprodukte importierte und Agrarprodukte exportierte. Neben der Besatzung reisten auch jeweils bis zu zwölf Passagiere mit bis nach Rio oder Buenos Aires. Für sie stand sogar ein kleines Schwimmbecken zur Verfügung.
Mit der „Cap San Diego“ erreichte der klassische Frachterbau einen Höhepunkt. Bald darauf begann der Siegeszug der Containerschiffe, die sehr viel preiswerter und schneller als die Stückgutfrachter be- und entladen werden können. Die Liegezeiten der „Cap San Diego“ in Häfen konnte zwei Wochen dauern. 1981 wurde das Schiff als letzter „weißer Schwan“ von der „Hamburg Süd“ verkauft, es rechnete sich nicht mehr, die Schiffe im Liniendienst einzusetzen. Allein schon die 38 Besatzungsmitglieder waren der Reederei zu teuer. Neuere Schiffe kommen mit der Hälfte der Besatzung aus.
Wenn es so etwas wie eine Romantik der Seefahrt gegeben hat, so ist sie gewiss mit Schiffen wie der „Cap San Diego“ zu Ende gegangen. Eine Besichtigung des Schiffes an der Überseebrücke gibt einen Eindruck, wie Schönheit und Zweckmäßigkeit miteinander verbunden wurden. Es ist heute das weltweit größte fahrtüchtige Museumsfrachtschiff und unternimmt jeden Sommer Gästefahrten. Je nach Interesse können die Besucher, die das Schiff besichtigen, in den Maschinenraum und den Wellentunnel herumsteigen oder vom Palaverdeck einen Blick auf den Hafen werfen. Hier schnappte die Besatzung frische Luft, wenn die Wache vorbei war, und hier traf man sich zum Klönschnack, damals, als Schiffe noch mehr waren, als ein im Computer optimiertes Transportmittel für Container.

