Die Reise der „Germania“ nach Brasilien stand unter einem ungünstigen Stern. Zwar verließ das Schiff am 9. Mai 1824 wie vorgesehen den Hamburger Hafen, aber dann lag es mehr als drei Wochen vor Glückstadt und wartete auf günstige Winde. Als die „Germania“ endlich die Elbe hinuntersegelte, hatte sich das Unheil bereits zusammengebraut und es gab Fälle von Gehorsamsverweigerung.
Die „Germania“ war eines der ersten deutschen Schiffe, die mit Auswanderern nach Brasilien aufbrachen, nachdem das Land sich 1822 für unabhängig von Portugal erklärt hatte. In Lissabon wollte man die Selbstständigkeit der größten Kolonie nicht anerkennen und beobachtete misstrauisch, dass der Kaiser des neuen Landes versuchte, Soldaten in Europa für den Aufbau einer Armee zu rekrutieren. Auch der portugiesische Geschäftsträger in Hamburg hatte den Auftrag zu verhindern, dass die Schiffe nach Brasilien mit angeworbenen Soldaten gefüllt wurden. Der Hamburger Rat musste vorsichtig agieren, wollte er die lukrativen Handelsbeziehungen mit Portugal nicht gefährden und auch nicht die zu Brasilien.
Deshalb bemühte sich Anton von Schäffer möglichst diskret, im Auftrag der brasilianischen Regierung von Hamburg aus Rekruten anzuwerben, wobei ihm entgegenkam, dass Deutschland zu dieser Zeit unter einer Hungersnot litt. Der Hamburger Polizeisenator Abendroth wurde rasch auf Schäffer aufmerksam – und sah die Chance, im Gefängnis einsitzende Straftäter sowie „eine Menge Vagabonden und müssigen Volks“ auf Nimmerwiedersehen auf die Reise nach Brasilien zu schicken. Schäffer war nicht wählerisch bei der Rekrutierung zukünftiger Soldaten und setzte auch 24 Strafgefangene auf die Passagierliste der „Germania“. Ihnen und anderen Auswanderern wurde verheimlicht, dass die Reise nach Brasilien direkt in die Kasernen von Rio führen sollte. Während der langen Liegezeit vor Glückstadt sprach sich das auf dem überfüllten Schiff herum und es gab Pläne, das Schiff in Brand zu setzen und an Land zu flüchten.
Aus diesen Plänen wurde nichts, aber einen Monat später wagten acht Männer unter Führung des ehemaligen Hamburger Strafgefangenen Johann Carl Rasch den Aufstand, der allerdings scheiterte. Sie wurden gefangengenommen und vor ein Gericht der Schiffsführung gestellt. Von diesem Prozess gibt es ein Protokoll, aber es ist unklar, ob die Geständnisse unter Folter erzwungen wurden und ob das Protokoll den tatsächlichen Prozessverlauf wiedergibt. Die Angeklagten wurden für schuldig befunden und erst einmal gefesselt in einer Kammer des Schiffes untergebracht. Während eines Sturmes konnten sie sich befreien, aber wurden rasch erneut gefesselt. Die Schiffsleitung ließ die Meuterer daraufhin erschießen und über Bord werfen.
In Hamburg waren Rat und vor allem Polizeisenator bemüht, die Angelegenheit möglichst diskret zu behandeln. Der Schiffsleitung wurde attestiert, in Notwehr gehandelt zu haben. Schiffe mit angeworbenen Soldaten brachen nun von dem dänisch regierten Altona aus Richtung Brasilien in See. Dagegen protestierte der portugiesische Geschäftsträger prompt, aber Hamburg war davon nun nicht direkt betroffen. Wieder einmal bewährte sich die Strategie des Hamburger Rates, umstrittene Geschäfte diskret zu betreiben und dabei den Reedern und Kaufleuten hohe Gewinne zu ermöglichen.
