
„Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm“, heißt es in einer berühmten Ballade in Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“. Und auch viele Christinnen und Christen leben gern angenehm und im Wohlstand und Reichtum. Aber da gibt es die beunruhigenden Texte in der Bibel, die die Reichen zur Umkehr und zum Teilen mit den Armen auffordern. Gewiss, etwas Wohlstand scheint nicht den Weg ins Himmelreich zu verbauen. Aber mit einem großen Reichtum inmitten einer Welt mit viel Armut und Elend muss man da nicht um sein Seelenheil fürchten und betrübt dem Kamel nachschauen, das es gerade noch schafft, durchs Nadelöhr zu gehen?
Viele reiche Christinnen und Christen haben seit dem Mittelalter große Geldsummen für wohltätige Zwecke gestiftet, um hier auf der Erde den eigenen Reichtum zu genießen und gleichzeitig gute Aussichten auf eine Aufnahme in den Himmel zu besitzen. Solche Stifter gibt es weiterhin und auch Reiche, die bewusst anständig mit ihren Beschäftigten und Kunden umgehen sowie kräftig spenden.
Manche Reiche sehen sich durch Prediger bestärkt, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten fortzuführen, die häufig einen hohen Preis für Mitmenschen und die Natur haben. Aber das ist längst nicht mehr so leicht durchschaubar wie früher. Wer sein Kapital der Fondsgesellschaft „BlackRock“ anvertraut, dessen Geld wird Teil eines verwalteten Vermögens von etwa 14 Billionen Dollar. Wer behält da noch den Überblick, welche ökologischen und sozialen „Nebenwirkungen“ von den wirtschaftlichen Aktivitäten ausgehen, die „BlackRock“ mit den eingesammelten Billionen finanziert - und wer will das so genau wissen?
In den letzten Jahrzehnten wurde ein „Wohlstandsevangelium“ in vielen Ländern der Welt verbreitet. Es beruht auf einem selektiven Lesen der Bibel, das den Wohlhabenden und Reichen die Botschaft vermittelt, dass dieser Reichtum Ausdruck der Gnade Gottes ist. Keine Überraschung also, dass sich viele Reiche von diesem „Wohlstandsevangelium“ angesprochen fühlen. Dieses „Evangelium“ passt ganz ideal zur vorherrschenden Globalisierung und zu ihren „Gewinnern“.

Das „Wohlstandsevangelium“ hat seinen Ursprung in den USA, wo es in den 1950er Jahren formuliert wurde und mit dem Wirtschaftsboom der Nachkriegsjahrzehnte einen großen Aufschwung nahm. Es entstand in Pfingstkirchen, hat aber bald auch evangelikale und ökumenisch orientierte Kirchen erreicht. Das "Wohlstandsevangelium" wurde und wird unter anderem von US-Fernsehpredigern verbreitet, die ihrerseits durch ihre Religionskonzerne zu großem Reichtum kamen und kommen. Sie generierten auch dadurch viele Spenden, dass sie die US-Gläubigen zur Unterstützung ihre globale Evangelisationsarbeit aufforderten.
Auch in etwa einem Viertel der US-Megakirchen wird das "Wohlstandsevangelium" gepredigt. Die Prediger dieser Theologie kontrollieren auch eigene theologische Ausbildungsstätten, in denen Theologen ausgebildet werden, die später das "Wohlstandsevangelium" verbreiten.
Bemerkenswert ist, dass das "Wohlstandsevangelium" wie erwähnt in Pfingstkirchen entstanden ist, die traditionell eher auf ein Leben in Gottes Reich im Jenseits orientiert sind, auf das die Gläubigen in dieser Welt hin leben sollen. Das neue "Evangelium" betont hingegen, dass Gläubige anstreben sollen, schon in dieser Welt reich und gesund zu werden. Der koreanische Theologe Young Hoon Lee, leitender Pastor der Pfingstkirche "Yoido Full Gospel Church", hat die Ausgangslage so beschrieben. "Die Pfingstler lehnten die Gesellschaft ab, weil sie glaubten, dass sie korrupt, niederträchtig, feindselig und hoffnungslos verloren sei, während die Gesellschaft die Pfingstler ablehnte, weil sie glaubte, sie seien krankhaft fanatisch, selbstgerecht, in dogmatischen Fragen im Irrtum und emotional instabil."
Aber nicht nur die Pfingstbewegung und ihre Theologie hat sich verändert, sondern auch die Kirchen, die einen europäischen Ursprung haben. Beide sind vielfältiger geworden, seit sich Christinnen und Christen in anderen Teilen der Welt von einer europäischen und nordamerikanischen Bevormundung befreit haben. Die koreanische Version des "Wohlstandsevangeliums", über die noch zu sprechen ist, und die lateinamerikanische Befreiungstheologie sind Beispiele dafür. Eine Konvergenz zwischen ihnen ist aber nicht zu erkennen. Zwischen dem unkritischen Verhältnis der Wohlstandstheologen zur neoliberalen Globalisierung und den vehementen Angriffen von Befreiungstheologen auf eben diese Globalisierung liegen Welten, um nur ein Beispiel zu nennen.
Aber beide Bewegungen stellen unbequeme Fragen an die hiesigen Kirchen und ihre Theologien. Schon deshalb lohnt es, sich näher mit dem "Wohlstandsevangelium" zu beschäftigen. Mit dem costarikanischen Theologen Arturo Piedra, der sich intensiv mit dem "Wohlstandsevangelium" und neuen religiösen Bewegungen beschäftigt hat, ist festzustellen: "Heute, im Kontrast zu früheren Zeiten, müssen die Dissidenten anerkannt und wertgeschätzt werden als Teil des Volkes Gottes, auch wenn das nach sich zieht, leidenschaftlich über die Grundlagen ihrer biblischen und theologischen Annahmen zu diskutieren."
Das "Wohlstandsevangelium" ist nicht zufällig in den USA entstanden. Es knüpft an den "amerikanischen Traum" an, der allen ein Leben mit Erfolg und Reichtum verheißt. Dabei besteht ein oft uneingeschränktes Vertrauen in den freien Markt und seine Fähigkeit, dem Gemeinwohl zu dienen. Jeder könne den Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen. Das "Wohlstandsevangelium" bietet die passende religiöse Botschaft, dass mit dem Glauben an Gott dieser Aufstieg gelingen kann. Es zeige sich dann, dass Reichtum ein Ergebnis des Glaubens an Gott ist und Gottes Wohlwollen für diesen Menschen bedeutet.
Es ist zu beachten, dass die kirchliche "Landschaft" in den USA sich stark von der Situation der hiesigen Kirchen unterscheidet. Die US-Kirchen und Parakirchen sind vollständig auf Kollekten, Spenden und andere Zuwendungen der Gläubigen angewiesen. Eine Folge ist, dass es einen oft hart ausgetragenen Wettbewerb um möglichst viele Spender und möglichst hohe Spenden gibt. In diesem Konkurrenzkampf haben die Verfechter des "Wohlstandsevangeliums" ein zumindest auf den ersten Blick attraktives Angebot, nämlich Wohlstand und Reichtum schon im irdischen Leben sowie Gesundheit und Heilung.
Allerdings ist die Konkurrenz unter den Predigern dieses "Evangeliums" groß und die Kosten für die Produktion und Verbreitung von evangelistischen Fernsehsendungen sind beträchtlich. Deshalb greifen manche dieser Prediger zu radikalen Botschaften und zweifelhaften Methoden der Spendenwerbung, die auf viel Kritik stoßen.
Die Geschichte der Prediger des "Wohlstandsevangeliums" ist von vielen Skandalen begleitet. Das gilt besonders für die Fernsehprediger unter ihnen wie Jim Bakker, der 1988 wegen Betrugs zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden ist. 2007 versuchte der republikanische Senator Charles Grassley, die Finanzpraktiken der "Wohlstandsprediger" einer kritischen Untersuchung zu unterziehen. Er scheiterte, weil die Prediger seine Anfragen nur ungenügend beantworteten und der Staat wegen des US-amerikanischen Verständnisses von Religionsfreiheit nur wenig tun konnte.
Es besteht die Gefahr, die ganze Bewegung des "Wohlstandsevangeliums" mit ihren radikalsten Vertreterinnen und Vertretern gleichzusetzen. Als Gloria Hagin, die Frau des bekannten Pfingstpredigers Kenneth E. Hagin, verkündete, Gott wolle, dass die Kirche schließlich in den Besitz allen Geldes auf der Welt kommen würde, schien eine Grenze des rationalen Diskurses erreicht zu sein. Aber es gibt Prediger und Anhänger des "Wohlstandsevangeliums", die deutlich weniger extreme Positionen vertreten.
Trotzdem ist es erforderlich, davor zu warnen, welch radikale Auffassungen gerade bekannte Vertreter dieses "Evangeliums" vertreten und verbreiten. Die Theologie des "Wohlstandsevangeliums" wird vor allem von "starken Männern" (und wenigen "starken Frauen") geformt, die die religiösen Massenmedien beherrschen und oft auch große Megachurches-Hallen füllen.
Zu den prominentesten Vertretern des "Wohlstandsevangeliums" gehört Creflo Dollar (er heißt wirklich so, und der Name ist hier Programm). Der schwarze Prediger steht an der Spitze der "World Changes Church International", deren Fernsehprogramme in vielen Ländern der Welt zu sehen sind. Creflo Dollar lässt sich in seinem Rolls Royce zu seinen Gottesdiensten chauffieren und hat auch ansonsten einen aufwendigen Lebensstil. Er betrachtet sich selbst als Beweis dafür, dass seine Versprechen von Wohlstand und Reichtum zur Realität werden können. Er versichert den Gläubigen, sie könnten wie von einer Bank "vom Königreich Gottes finanzielle Reserven abheben".
Hier ein Beispiel der Spendenwerbung von Creflo Dollar: „Gib Gott etwas, aus dem er etwas machen kann. Was du säst, wirst du ernten. Säst du 10 Dollar, bekommst Du 100 zurück. Säst du 100, bekommst du 1.000 Dollar zurück.“ Für die Spenden gibt es laut Creflo Dollar sogar eine Erfolgsgarantie, denn für Gebete, die mit Spenden bekräftigt werden, gelte, dass Gott „keine andere Wahl hat, als unsere Gebete zu erhören“.
Einer der anderen bekannten Fernsehprediger, die das "Wohlstandsevangelium" verkünden, Benny Hinn, hat sich 2019 von dieser Lehre distanziert. "Der Heilige Geist hat die Nase voll davon", soll er gesagt haben. Nachdem er Abschied von dieser Lehre genommen hatte, betonte er: "Ich korrigiere meine eigene Theologie und ihr sollt das alle wissen, weil ich die Bibel nicht mehr mit denselben Augen sehe wie vor 20 Jahren." Er werde den Gläubigen nie mehr sagen, spende 1.000 Dollar oder einen beliebigen Beitrag." Das sei eine Beleidigung des Heiligen Geistes.
Diese Umkehr hatte auch einen familiären Hintergrund. Sein Neffe Costi Hinn hatte seinen Onkel zwei Jahre lang auf dessen Reisen als persönlicher Assistent begleitet. Er war entsetzt, wie Gelder, die Gläubige für "arme Länder" gespendet hatten, für das Luxusleben des Predigers und seiner Familie zweckentfremdet wurden. Allein der Privatjet des Predigers soll Betriebskosten von 36 Millionen Dollar im Jahr verursacht haben. Hinzu kamen Übernachtungen in Luxushotels, Designerkleidung, Sportwagen etc. Costi Hinn erinnerte sich später so an seine Kindheit: "In der Hinn-Familie aufzuwachsen, war wie eine Kombination aus Königsfamilie und Mafia: Wir lebten einen verschwenderischen Lebensstil, waren zu Loyalität gezwungen und unsere Version des Evangeliums war das große Geschäft."
Costi Hinn veröffentlichte nach der Tätigkeit für seinen Onkel ein Buch über seine Erfahrungen, dem er diesen Titel gab: "God, Greed and the (Prosperity)Gospel: How Truth overwhelms a Life Build on Lies" ("Gott, Gier und das (Wohlstands-)Evangelium: Wie die Wahrheit ein auf Lügen aufgebautes Leben überwältigt").
Nach der Darstellung von Benny Hinn war dieses Buch der letzte Anstoß für ihn, sich vom "Wohlstandsevangelium" und dem damit verbundenen Lebensstil loszusagen. Er betont nun, dass derjenige, der nicht aus Liebe zu Jesus spende, dies gleich ganz lassen solle.
Zu den bekanntesten Predigern des "Wohlstandsevangeliums" gehört Kenneth Copeland, dessen Aufstieg und dessen Botschaft hier exemplarisch dargestellt werden sollen. Er wurde 1936 in Lubbock/Texas geboren und erlangte zunächst eine gewisse Bekanntheit als Sänger einer Band. Im Anschluss an den Militärdienst arbeitete er als Pilot. Nach der Heirat wandten seine Frau Gloria und er sich dem Christentum zu. Kenneth Copeland nahm 1966 eine Stellung als Chauffeur und Pilot bei dem Fernsehprediger Oral Roberts an und studierte daneben an dessen christlicher Universität Theologie.
1967 gründeten Kenneth und Gloria Copeland die "Kenneth Copeland Evangelistic Association", inzwischen "Kenneth Copeland Ministries". Die Organisation verfügt auch über ein deutschsprachiges Internet-Angebot. Die weltweite Zentrale befindet sich auf einem weitläufigen Gelände am Eagle Mountain Lake in Texas, zu dem auch ein früherer Militärflughafen gehört. Dort sind auch die Flugzeuge Copelands stationiert.
Zunächst wurden von Kenneth Copeland religiöse Radioprogramme verbreitet, dann zusätzlich Fernsehprogramme. Inzwischen verfügt Kenneth Copeland über einen eigenen Fernsehkanal. Systematisch wurde die globale Präsenz mit Medien und Missionspredigten Kenneth Copelands in Ländern wie Nigeria und Kanada ausgebaut. Für solche Aktivitäten lassen sich in den USA gut Spenden generieren. Die Unternehmen Kenneth Copelands haben mittlerweile etwa 500 Beschäftigte. Eine ganze Reihe von Verwandten des Predigers sind an den Programmen und an der Leitung der Unternehmens beteiligt.
Kenneth Copeland ist ein führender Vertreter der Charismatischen Bewegung in den USA und ein Pionier bei der Formulierung des "Wohlstandsevangeliums". Er verkündet, dass die Kraft zur Erlangung von Wohlstand direkt von Gott kommt und dass Jesus ein reicher Mann war. Wohlstand zeige Gottes Liebe, während Armut und Krankheit Zeichen des fehlenden Vertrauens in Gott seien. Wer für die Organisation von Kenneth Copeland spende, dem werde Gott dies hundertfach vergelten.
Kenneth Copeland hat in seinem Buch "The Laws of Prosperity" an den Bund Gottes mit Abraham erinnert. Wie andere Prediger des "Wohlstandsevangeliums" wird dieser Bund in 1. Mose 12 einseitig ausgelegt: "Weil Gottes Bund begründet wurde und Wohlstand eine Bestimmung in diesem Bund ist, musst du erkennen, dass der Wohlstand dir jetzt zusteht."
Die Höhe des Vermögens von Kenneth Copeland ist nicht bekannt, sie wird auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätzt. 2015 sammelte er Spenden, um sich einen Businessjet zu kaufen. Nur bei Reisen im eigenen "Gulfstream V"- Jet könne er zurückgezogen beten und sich auf seinen nächsten Einsatz vorbereiten. Den Preis des Jets verschwieg der Prediger beharrlich. Nachdem der Jet gekauft war, jubelte Kenneth Copeland auf seiner Website: "Ehre sei Gott! Die Gulfstream ist in unseren Händen."
Kenneth Copeland ist nicht der einzige Prediger des "Wohlstandsevangeliums" mit einem eigenen Jet. Der schon erwähnte Creflo Dollar sammelte 2015 die Summe von 65 Millionen Dollar, um einen Jet zu kaufen. Für die Anhänger von Copeland und Dollar ist der Besitz und Betrieb eines eigenen Jets kein Problem, sondern gilt als Beweis dafür, dass sie von Gott gesegnet sind. Solcher Luxus zeige auch, dass die Versprechen der Prediger sich erfüllt hätten und dass es gläubigen Christen möglich sei, schon auf Erden reich zu werden.
Kenneth Copeland ist ein auch in evangelikalen Kreisen umstrittener Prediger. Das liegt nicht nur an seinem extravaganten Lebemsstil, sondern zum Beispiel auch daran, dass er COVID-19 zu einer "harmlosen Grippe" erklärte. Später, als diese Behauptung absolut nicht mehr haltbar war, vollzog er in einer im Fernsehen übertragenen Predigt eine "Urteilsvollstreckung" gegen den COVID-Virus und erklärte daraufhin den Virus als für immer zerstört.
Es kann nicht überraschen, dass viele evangelikale und konservative Christen ihren Glauben durch solche Aktionen diskreditiert sehen. Die "Southern Baptist Convention", die größte protestantische Kirche in den USA, hat das "Wohlstandsevangelium" und deren Verfechter in einem Beschluss ihrer Jahreskonferenz im Juni 2022 deutlich kritisiert. Es würden Menschen ausgebeutet und bei ausbleibender Genesung beschuldigt, sie hätten keinen ausreichenden Glauben, um von Gott geheilt zu werden. Die Baptisten warnten in ihrem Beschluss vor den falschen Lehren der falschen Propheten des "Wohlstandsevangeliums".
Kenneth Copeland gehört zu den langjährigen Unterstützern von Donald Trump. Bereits 2016 empfahl er seinen Fernsehzuschauern, Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen ihre Stimme zu geben. Wenn sie das nicht täten, wären sie des Mordes schuldig, wobei er offenkundig Bezug nahm auf die liberale Haltung der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton beim Thema Abtreibungen. Von Trump erwartete Kenneth Copeland - wie sich zeigte zu Recht -, dass er konservative Richter ernennen und eine "religiöse Kehrtwende" einleiten würde.
Das "Lifeway"-Forschungsinstitut betreibt Forschungsarbeiten zur Unterstützung der Kirchen in den USA, u.a. werden Befragungen durchgeführt. Im August 2023 wurden die Befragungsergebnisse zum Glauben an das "Wohlstandsevangelium" in den USA veröffentlicht. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse trägt den Titel "Prosperity gospel beliefs on the rise among churchgoers".
52% der befragten Gottesdienstbesucher sagten, dass ihnen in ihrer Kirche gesagt würde, dass Gott sie segnen würde, wenn sie mehr Geld geben würden für Kirchen und wohltätige Organisationen. Darunter waren überdurchschnittlich viele afroamerikanische Gläubige. 2017 waren es erst 38% gewesen. 76% gaben an, dass sie glauben, dass Gott will, dass sie finanziell erfolgreich sein werden. Das glauben besonders junge Menschen und Menschen mit einer relativ geringen Bildung. 45% der Befragen gaben an, dass sie etwas für Gott tun müssen, damit sie einen finanziellen Segen von ihm erhalten.
Scott McConnell, einer der beteiligten Wissenschaftler, sagte beim Vergleich mit früheren Befragungsergebnissen: "In den letzten fünf Jahren geben sehr viel mehr Gottesdienstbesucher die Lehren des Wohlstandsevangeliums wieder, einschließlich dem häretischen Glauben, dass materieller Segen bei Gott verdient wird."
An dieser Stelle soll ein bedenklicher Effekt der Hinwendung zum "Wohlstandsevangelium" erwähnt werden. Die Psychologie-Abteilung der Universität Toronto hat 2018 die Ergebnisse einer Untersuchung zum "Wohlstandsevangelium" veröffentlicht. Die Wissenschaftler zeigten einem Teil der Befragten einen Videoclip mit einem Auszug aus einer Predigt des kanadischen Predigers Joel Osteen mit Botschaften des "Wohlstandsevangeliums", den anderen Befragten einen Clip dieses Predigers ohne solche Botschaften.
Die anschließende Befragung hatte ein eindeutiges Ergebnis: Wer nach dem Ansehen des Videos mit der Botschaft des "Wohlstandsevangeliums" glaubte, dass Gott will, dass die Gläubigen reich sind, entwickelt wahrscheinlicher als andere einen übertriebenen und unrealistischen Optimismus im Leben und geht größere finanzielle Risken ein. Damit steigt natürlich auch die Gefahr des finanziellen Scheiterns. Auf der Website der Universität von Toronto ist eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie unter dem Titel "Exposure to ‘prosperity gospel’ can lead to unrealistic optimism and risky financial behaviour" veröffentlicht worden.
Auch vielen Arme erscheint das „Wohlstandsevangelium“ überzeugend. Ihnen wird zugesagt, dass auch sie bald reich oder zumindest wohlhabend sein werden, wenn sie nur fest genug glauben - und spenden. Arturo Piedra, der an einer theologischen Universität in Costa Rica unterrichtet, hat 2005 in der Zeitschrift „Reformed World“ ausführlich die theologischen Grundlagen und den Einfluss des „Wohlstandsevangeliums“ in den Kirchen analysiert und festgestellt, dass die Tatsache, dass „die Wohlstandstheologie unter den Armen eine große Anziehungskraft besitzt, schlaglichtartig die Krise der traditionellen Theologie sichtbar machen kann“.
Besonders groß ist der Einfluss der Anhänger des „Wohlstandsevangeliums“ in Brasilien. Der inzwischen abgewählte brasilianische Präsident Bolsonaro vertritt dieses „Evangelium“. Die brasilianische Politikerin Monica Francisco, die einer sozial engagierten evangelikalen Gemeinde angehört, lehnt die politische Instrumentalisierung des „Wohlstandsevangeliums“ durch Bolsonaro und dieses „Evangelium“ selbst ab:
„Der Wunsch, sozial aufzusteigen, der Misere zu entfliehen, das greifen die auf mit ihrem Wohlstandsevangelium, das perfekt zum kapitalistischen System passt. Es geht nicht um Nächstenliebe, nicht darum, das Leben der Gemeinschaft im Hier und Jetzt zu verbessern oder gegen soziale Ungerechtigkeit zu kämpfen, sondern um den persönlichen, auch finanziellen Erfolg. Je mehr man besitzt, je mehr man verdient, umso höher steht man in der Gunst Gottes.“
Je hoffnungsloser die eigene Situation ist, desto mehr verfangen zum Beispiel die Botschaften des brasilianischen Reichtums-Predigers Edir Maceo: „Bettler, Verelendete, Hochverschuldete wurden reich! Sie leben jetzt in Wohlstand!“ Zumindest er selbst und seine engsten Berater sind reich geworden und das ist richtig so für Edir Maceo, verkündet er doch: „Wer ein üppig reiches Leben führt, genießt die Segnungen des Herrn.“ Und er fügte hinzu: "Der Allmächtige will nicht, dass wir in Armut leiden, Wohlstand ist eine Gabe Gottes, und durch die Macht des Glaubens erreicht man ihn."
Der brasilianische Theologe Luis Bedin Fontana hat in der Zeitschrift "Leben jetzt" der Steyler Mission 2023 kritisiert, dass evangelikale Kirchen in Lateinamerika das "Wohlstandsevangelium" verbreiten: "Dahinter steht die Überzeugung: Je mehr man gibt, desto mehr bekommt man von Gott zurück." Der Autor, der an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt unterrichtet, kritisierte: "Ihre Agenda ist neoliberal, teils antidemokratisch, abgekoppelt von den Menschenrechten, unter anderem mit populistischen und faschistischen Tendenzen." Diese Kirchen würden in Brasilien den Politiker Jair Bolsonaro unterstützen. Außerdem bestünden starke Verbindungen zwischen diesen Kirchen und finanzstarken Unternehmen und Institutionen, "deren klares Ziel die Macht ist, wirtschaftlich und politisch."
2021 hat der Politikwissenschaftler und Theologe Johannes Ludwig in der "Herder Korrespondenz" einen Beitrag zu Populismus und Evangelikalismus in Brasilien veröffentlicht. Darin erklärt er den Erfolg der Prediger des "Wohlstandsevangeliuns" so:
"Der Gegensatz zu der befreiungstheologischen Option für die Armen könnte größer kaum sein. An der persönlichen Situation seien nicht etwa gesellschaftliche Missstände schuld, sondern der Mangel an eigenem Glauben, so die Devise. Der Aufstieg evangelikaler Gruppen ist nicht zuletzt auch ein Zeichen der gesellschaftlichen Resignation. Viele Brasilianer und Brasilianerinnen sind müde geworden, gegen Missstände aufzubegehren, während sich die Ungleichheit nur weiter verschärft. Brutale Gewalt, Drogenkriminalität und Prostitution gehören noch immer und in zunehmendem Maße zum Alltag. Inmitten dieser Umstände wird das evangelikale Wohlstandsevangelium oftmals als Ausweg zur Überwindung der gefühlten Ohnmacht verstanden ... Mein Schicksal habe ich selbst in der Hand."
Johannes Ludwig weist auch darauf hin, dass die evangelikalen Gemeinden den Gläubigen zudem so etwas wie einen Sicherungsmechanismus im Krankheitsfall anbieten. Wer regelmäßig seinen Zehnten zahlt, kann sich bei Krankheit auf die materielle und immaterielle Unterstützung der Gemeinde verlassen. Das ist gerade den Armen angesichts des desolaten oder fehlenden staatlichen Sozialsystems wichtig.

Pastor Chris Oyakhilome gehört zu den bekanntesten und finanziell erfolgreichsten Predigern des "Wohlstandsevangeliums" in Nigeria, dem Land mit der größten Bevölkerung in Afrika und mit gewaltigen Unterschieden zwischen Arm und Reich. Der Pfingstprediger verkündet: "Jede Gabe ist eine Bekundung unseres Glaubens an Gott und sein Wort." Gern verwendet er das Bild vom Samen und der zu erwartenden Ernte. Wer finanziellen Erfolg haben oder gesund werden wolle, der müsse in den Samen investieren, also spenden. Wie in der Natur aus dem Samen eine große Pflanze wächst, so könne der Gläubige sich darauf verlassen, dass aus dem Samen, den er in Form einer Spende sät, auf wunderbare Weise eine große Ernte zu erwarten sei.
Als Chris Oyakhilome seine Organisation "Christ Embassy" 1990 gründete, entstand zunächst eine kleine Kirche. Aber inzwischen nutzt de Prediger auch systematisch die modernen elektronischen Medien. Auf Facebook hat er zwei Millionen Follower und ist auch im Fernsehen mit Predigten und Wunderheilungen präsent.
Chris Oyakhilome ist keine Ausnahme. Gwakisa Mwaipopo, Pfarrer der lutherischen Azania Front-Gemeinde in Daressalam/Tansania, hat 2018 über die wachsende Popularität von Kirchen, die Wohlstand und Gesundheit versprechen, in einem Beitrag zum Thema "Wohlstandevangelium" geschrieben:
"Die neuen Kirchen sind eher kommerzielle Einrichtungen als Einrichtungen des Glaubens, der Schwerpunkt ihrer Unterweisung liegt auf der Aufforderung, Geld zu spenden. Es wird gelehrt, man könne durch Spenden Gott dazu bringen, dem Geber Heilung oder Reichtum zu verschaffen. Demzufolge werden Gebete nicht erhört, wenn sie nicht mit Spenden des Betenden und Bittenden einhergehen. Man erzählt den Menschen, dass gegebenes Geld 'Wunder hervordrängt'. Einige der neuen Kirchen benutzen Objekte wie Öl, Wasser, Salz oder Tücher als Hilfsmittel der Erlösung oder der Wunderheilung. Sie werden nicht kostenlos eingesetzt, sondern erst auf eine Geldspende hin. Nach Ansicht dieser neuen Kirchen kann ein armer Mensch keine Heilung empfangen."
Der lutherische Theologe schrieb zum sozialen Hintergründen des Erfolges der neuen Kirchen: "Viele Menschen ziehen mit hohen Erwartungen für ihr Leben in die Stadt, und etliche der Leiter der verschiedenen neuen Kirchen nutzen diese Situation, um den Menschen das Evangelium des Wohlstands zu predigen. Sie reden ihnen ein, dass sie durch wundersame Wege zum Erfolg kommen können. Weil viele Gläubige schnell Erfolg haben oder reich werden wollen, folgen sie diesen Predigern, ohne nachzudenken. Wenn sie feststellen, dass ihre Probleme jedoch nicht aufhören und ihre Erwartungen nicht erfüllt werden, kehren sie zu ihren ursprünglichen Kirchen zurück."
"Jesus war arm, damit wir reich werden", verkündet Uakuatua Kambazimbi, pfingstkirchlicher Pastor in Gaberone/Botswana. Der afrikanische Vertreter des "Wohlstandsevangeliums" ist außerdem überzeugt: "Es ist Gottes Wille, das wir erfolgreich sind." Er versteht Wohlstand nicht rein materiell, sondern betont die Verbindung von spirituellem und materiellem Wohlbefinden. Wie andere Pfingstprediger in Afrika weist er auf die verschiedenen Dimensionen von Wohlbefinden hin, so gute familiäre Beziehungen und soziale Bindungen. Aber viele afrikanische Pastoren, die vom "Wohlstandsevangelium" geprägt sind, betonen immer wieder die materielle Dimension des Wohlbefindens. So ist von einem südafrikanischen Pastor überliefert, dass er in einem Gottesdienst verkündete: "Gott will, dass du ein neues Auto fährst."
"Was mittlerweile als Wohlstandsevangelium bekannt ist, steht vor allem in Verbindung mit der gegenwärtigen pentekostalen Lehre ... Heute predigen auch viele andere Kirchen Variationen des materiellen Wohlstands, besonders in nicht-westlichen Kontexten wie Afrika. Es gibt darin Überlegungen, die den Fokus auf harte Arbeit und Selbstverbesserung legen, aber im Großen und Ganzen fördert das Wohlstandevangelium einen Materialismus statt eine Fruchtbarkeit, wie sie in Psalm 1 beschrieben wird als das Los derer, die nach dem Ratschlag des Herrn wandeln."
Das schreibt J. Kwabena Asamoah-Gyadu, Theologieprofessor in Legon/Ghana, in dem Beitrag "The prosperity gospel and the challenge to mission in our time" auf der Website des evangelikalen "Lausanne Movement". Er führt weiter aus: "Das Wohlstandsevangelium lehrt schlicht, dass die Gläubigen in Jesus Christus ... von Gott in diesem Leben gewisse spirituelle und physische Segnungen als ihr Recht beanspruchen können ... Diese Lehre hat junge Leute in Afrika veranlasst, ihre Beschäftigung voreilig aufzugeben, um ihr eigenes Business zu starten. Junge Pastoren haben sich (von ihren bisherigen Aufgaben, d. Verfasser) getrennt, um eine eigene Gemeinde zu gründen. Einige waren erfolgreich, aber die Zahl der Opfer ist auch ziemlich hoch gewesen."
Der evangelikale Autor schreibt weiter: "Was evangelikalen Christen Sorge bereitet, ist besonders die Betonung von materiellen Dinge in diesem Evangelium als primären Indikatoren für ein gläubiges Christsein. Diese Botschaft, die gegenwärtig in Kirchen und durch Mediendienste verbreitet wird, bietet Anlass zur Sorge wegen ihrer Hermeneutik der Beweisführung aus biblischen Texten - es wird eine Position zu Themen bezogen und danach nach Bibelstellen gesucht, um diese Position zu rechtfertigen, ohne deren Kontext zu beachten. Das führt zu einer Vernachlässigung grundlegender christlicher Themen wie einer soliden Theologie des Kreuzes."
Am Beispiel von Aussagen des ghanaischen Pfingstpredigers David O. Oyedepo weist J. Kwabena Asamoah-Gyadu auf eine andere Gefahr hin. Dieser Pfingstprediger verkündet zu Recht, dass Wohlstand nichts bringt, wenn man krank ist. Aber er fügt dann hinzu: "Es gibt einen Ort, wo du einen Platz bei Gott findest und nie krank wirst. Es gibt ein Reich, in das du gelangen kannst, wo du nicht länger krank und unterdrückt bist. Es ist ein Reich, in dem die heilige Natur in deinem Inneren so stark mit Leben gefüllt wird, dass du immun wirst gegen Krankheit und Leiden."
Problematisch sei es nicht, so J. Kwabena Asamoah-Gyadu, die Bibel dafür einzusetzen, Menschen im Glauben an Gott zu bestärken und sie dazu zu veranlassen, etwas zur Verbesserung ihrer Lebenssituation zu tun. Aber das sei unbedeutend im Vergleich zu den häretischen Behauptungen, ein luxuriöses und extravagantes Leben wäre das Recht gläubiger Christen. "Noch beunruhigender ist es, wenn bei der Darstellung des Wohlstandsevangeliums ausgeführt wird, Jesus Christus habe aus eigenem Entschluss einen materialistischen Lebensstil gelebt." Zur Begründung, dass Jesus ein reicher Mann gewesen sei, werde behauptet, Jesus habe Designerkleidung getragen, heiße es doch in der Bibel, dass sein Gewand makellos war. Und der Esel, auf dem er in Jerusalem einzog, sei das luxuriöseste Verkehrsmittel der damaligen Zeit gewesen.
J. Kwabena Asamoah-Gyadu sieht ein weiteres Problem: "Es ist theologisch fragwürdig, wenn die Zahlung des Zehnten und von Spenden eine magische Berechtigungsformel enthalten sollen, die Gott zum Handeln veranlassen, unabhängig von seinem Willen." Der ghanaische Theologe diagnostiziert: "Ein sorgfältiges Studium des Wohlstandsevangeliums zeigt, dass es die Bibel und den Lebensstil ihrer Exponenten nutzt, um Macht und Stolz, Popularität und Erfolg sowie Wohlstand und Habgier zu vergöttlichen." Christliche Gaben müssten aber als Teil des Gottesdienstes verstanden werden. "Wir wenden uns im Gottesdienst an Gott und danken für das, was er in Christus für uns getan hat. Wir vertrauen auf seine Gnade. Gaben dürfen nicht in magischer Weise behandelt werden, durch die wir Gottes Willen an den Willen Anderer binden wollen."
Bei der Antwort auf das Wohlstandsevangelium sollten Wohlstand und materieller Segen aber nicht dämonisiert werden. "Es gibt Gemeinschaften in Afrika, die, nachdem sie zu Christus gefunden hatten, dabei unterstützt wurden, Geld für konstruktive Zwecke zu sparen. Familien wurden erneuert und Ressourcen nicht länger für ein wildes Leben verschwendet. Es ist der Materialismus, der verurteilt werden muss und nicht der materielle Segen, den man durch harte Arbeit erlangt hat."
Ein weiterer Kritiker des "Wohlstandsevangeliums" ist der baptistische Pastor Conrad Mbewe in Sambia. Er promovierte in Missionswissenschaft an der Universität von Pretoria in Südafrika und war Gründungskanzler der "African Christian University in Zambia". Conrad Mbewe vergleicht das Vorgehen der Prediger des "Wohlstandsevangeliums" mit dem Ablasshandel im Mittelalter: "Die Parallele zum Ablasshandel ist unübersehbar." Die Prediger damals und heute bereicherten sich vor allem selbst. "Es gab damals keinen Ablass in der Bibel, und des gibt heute keinen einzigen Vers, der besagt: Wenn Du einem Prediger Geld gibst, wird Gott es vervielfachen."
Die Prediger des "Wohlstandevangeliums" hätten inzwischen in den Kirchen große Macht, und viele Pastoren würden sich nicht trauen, sie zu kritisieren. Conrad Mbewe hofft, dass sich trotzdem viele Pastoren finden werden, die den "modernen Ablasshandel" kritisieren, so wie Martin Luther es in seiner Zeit in Bezug auf den damaligen Ablasshandel getan hat. Inzwischen sind viele Gläubige, die Geld gespendet haben, enttäuscht: "Viele Menschen sind verbittert, weil sie das wenige Geld, das sie besaßen, abgegeben haben, es sich aber nicht vermehrt hat. Und jetzt schimpfen sie auf Gott."
Es gibt auch Wissenschaftler, die neben negativen Wirkungen des "Wohlstandsevangeliums" in Afrika auch positive Dimensionen wahrnehmen. Als Beispiel soll hier der Ökonom Philipp Öhlmann erwähnt werden, der an der Humboldt-Universität Berlin im Forschungsbereich "Religiöse Gemeinschaften und nachhaltige Entwicklung" arbeitet. Er hat 2023 den Beitrag "So bereichert das Prosperity Gospel Menschen in Afrika. Armut ist nicht gottgewollt" in der katholischen Zeitschrift "Herder Korrespondenz" veröffentlicht. Der Beitrag ist für Nicht-Abonnenten gegen Bezahlung als pdf-Datei verfügbar.
Er schreibt u. a.: "Auf der einen Seite kann kritisch gefragt werden, ob Prosperity-Gospel-Kirchen zuweilen primär den materiellen Wohlstand nur der Leitungspersonen mehren .. Auf der anderen Seite geht das Prosperity Gospel aber oft mit einem großen Engagement in sozialen Diensten und Entwicklungsarbeit einher. Der Erfolg der Mitglieder sowie die Förderung ökonomischen Erfolgs, unternehmerischen Handelns und von Bildung erschöpfen sich nicht in frommen Segenssprüchen, sondern gehen in den allermeisten Fällen einher mit immensem institutionellen Handeln ... Insbesondere die Förderung ökonomischer Selbstständigkeit nimmt einen hohen Stellenwert ein."
Es werde die Bedeutung eigenen Handelns und besonders unternehmerischen Handelns hervorgehoben. Außerdem werde Bildung hoch bewertet und gefördert. Die Überwindung von Armut werde auch durch eine Ethik der Lebensführung gefördert, wozu ein Verbot von Alkohol-, Tabak- und Drogenkonsum gehört. Bedeutsam sei zudem, dass im Rahmen des afrikanischen Prosperity Gospel die Armut nicht als gottgewollt verkündet wird, sondern dass jede und jeder sein Leben meistern kann. "Das Prosperity Gospel kann auf diese Weise Motivationskräfte freisetzen, neue Selbstverständnisse befördern und den Selbstwert und die Initiative der Menschen bekräftigen."
Die Voten in diesem Abschnitt machen deutlich, dass die afrikanischen Versionen des "Wohlstandsevangeliums" nicht einfach Kopien der US-amerikanischen Formen dieses "Evangeliums" sind. Pauschale Kritik wird dieser Situation nicht gerecht, aber ebenso wenig ein Verschließen der Augen vor negativen Dimensionen auch des afrikanischen "Wohlstandsevangeliums".
Für sehr viele Prediger des „Wohlstandsevangeliums“ gilt das Verdikt des US-amerikanischen Theologieprofessors W. Ward Gasque: „Es ist traurig, dass vielen armen Menschen, die häufig zum Publikum von Wohlstandsevangelisten gehören, falsche ökonomische Hoffnungen angeboten werden … Ich frage mich, wie viele Menschen sich von Gott abgewandt haben, nachdem jene finanziellen Träume sich nicht erfüllt hatten, die Reichtums-Prediger ihnen in den Kopf gesetzt hatten.“
Die US-amerikanische Theologin Susan E. Davies, die der "United Church of Christ" angehört, hat 2005 in der Zeitschrift "Reformed Church" die Theologie der Wohlstandsprediger pointiert angegriffen: "Wohlstandstheologie korrumpiert das biblische Verständnis von Gerechtigkeit, wenn sie erklärt, dass Gott jene belohnt, die durch eigene Beharrlichkeit und durch Großzügigkeit gegenüber der Kirche für sich persönlichen und finanziellen Erfolg beanspruchen. Gott belohne diejenigen, die auf rechte Weise glauben, mit schönen Häusern und Autos und einer liebenden Familie. Gott bestrafe diejenige, die nicht reichlich geben und nicht voll und ganz glauben mit Armut, Krankheit und Tod." Die Theologin sieht diese Theologie als Instrument des Kapitalismus.
Diese Auffassung teilt die südafrikanische Theologin Puleng LenkaBula, die von der amerikanischen Theologin Susan E. Davies mit diesen Aussagen zitiert wird: "Prosperity Churches sind enthusiastische Unterstützer der ökonomischen Globalisierung und behaupten häufig, dass die Armen arm sind, weil sie nicht hart genug arbeiten oder weil sie Sünder sind. Die Wohlstandstheologie überbewertet die biblische Lehre von den Segnungen Gottes. Sie bestärkt und vergewissert die Reichen, ohne systematisch zu analysieren, warum manche in Südafrika reich und viele andere arm sind. Diese individualistische und selbstbezogene Verfälschung der Theologie besänftigt das Gewissen der Menschen, die im Überfluss leben, aber stellt radikale Herausforderungen für die Verkündung von sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit dar."
In dem "Bekenntnis von Accra" hat der Reformierte Weltbund 2004 erklärt: "Wir weisen jede Lehre zurück, die zur Rechtfertigung jener dient, die einer solchen Ideologie im Namen des Evangeliums das Wort reden oder ihr nicht widerstehen." In dem Bekenntnis wird außerdem festgestellt:
"Wir glauben, dass Gott uns dazu aufruft, die Schreie der Armen und das Stöhnen der Schöpfung zu hören, und dem missionarischen Auftrag Jesu zu folgen, der gekommen ist, damit alle Leben haben, und es in Fülle haben (Joh 10,10). Jesus bringt den Unterdrückten Gerechtigkeit und den Hungernden Brot; er befreit die Gefangenen und gibt den Blinden das Augenlicht (Lk 4,18); er unterstützt und schützt die Bedrängten, die Fremdlinge, die Waisen und die Witwen. Darum sagen wir Nein zu jeder kirchlichen Praxis oder Lehre, die die Armen und die Bewahrung der Schöpfung in ihrer Missionsarbeit nicht berücksichtigt, die deshalb denen, die 'zu stehlen, zu schlachten und umzubringen' (Joh 10,10) kommen, Beistand leisten, statt dem „guten Hirten“ zu folgen, der für das Leben aller gekommen ist (Joh 10,11). Wir glauben, dass Gott alle Männer, Frauen und Kinder von überall her zusammenruft, sowohl Reiche wie Arme, um die Einheit der Kirche und deren Mission aufrechtzuerhalten, damit die Versöhnung, zu der Jesus uns beruft, sichtbar werden kann."
Immer wieder wird das "Wohlstandsevangelium" von der römisch-katholischen Kirche verurteilt. Es wird als "Erfolgstheologie" bezeichnet, die sich nicht in Übereinstimmung mit der kirchlichen Lehre und besonders der katholischen Soziallehre befindet. Besonders Papst Franziskus hat immer wieder vor dieser Lehre gewarnt.
Der bereits erwähnte costarikanische Theologe Arturo Piedra kommt zum Ergebnis, „die religiöse Weltanschauung der ‚Wohlstandstheologie‘, insbesondere ihre Vorstellung von Reichtum und Macht, ist vollkommen bedenkenlos und unkritisch gegenüber dem neoliberale Vorhaben, das gegenwärtig die Welt beherrscht“.
Auf der Website des RedaktionsNetzwerkes Deutschland erschien am 20.4.2025 ein Beitrag über das "Wohlstandsevangelium" unter dem Titel "Sieben Wunder für 1000 Dollar: Sonderangebot zu Ostern von Trumps Glaubensberaterin". In dem Beitrag kommt Michael Hochgeschwender, Professor am Amerika-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München, zu Wort. Er sieht inzwischen einen globalen Trend Richtung Wohlstandsevangelium: „Der Gospel of Prosperity findet nicht nur in den USA, sondern ebenso in Afrika, Lateinamerika und Teilen Asiens eine wachsende Anhängerschaft, schon weil er als modern und sozial aufstiegsorientiert gilt. Es ist der zur Religion gewordene, individualistische Kapitalismus. Damit hebt er sich ab von anderen, traditionellen Varianten des Christentums mit ihrer Konzentration auf Leid, Armut, Opfer und Hingabe, insbesondere vom Katholizismus.”
In Deutschland gibt es bisher wenig öffentliche Unterstützung für ein "Wohlstandsevangelium". Da es mit skandalumwitterten Fernsehpredigern sowie Donald Trump und seiner geistlichen Beraterin Paula White assoziiert wird, will kaum jemand mit diesem "Evangelium" in Verbindung gebracht werden. Evangelikale Medien berichten immer wieder kritisch über die Verfechter des "Wohlstandsevangeliums" in den USA.
Verbindungen zu Fernsehpredigern und zum "Wohlstandsevangelium" lassen sich bei der deutschen charismatischen "Wort-des-Glaubens-Bewegung" wahrnehmen. Diese Bewegung unterhält Beziehungen zur US-amerikanischen "Word-of-Faith-Bewegung", der Fernsehprediger wie Kenneth Copeland und Creflo Dollar angehören. Wie in den USA wird das Bild von der Aussaat und Ernte verwendet. Wenn Gläubige zu Wohlstand und Reichtum kommen, wird das als Zeichen gedeutet, wie gut Gott zu gläubigen Christen ist. Gottes Zuwendung zu den Menschen zeige sich auch dann, wenn in Heilungsgottesdiensten Menschen wieder gesund würden.
Die "Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen" in Berlin schreibt über den Glauben dieser Bewegung: "Ein biblisches Schlüsselwort, auf das sich die Glaubensbewegung beruft, ist Röm 10,8. Ein wesentlicher Grundsatz ist die vorausgesetzte Gesetzmäßigkeit von „Glauben, Proklamieren und Besitzen“. Es ist die Überzeugung der Vertreter dieser Bewegung, dass Realität durch die Vorstellungskraft des Geistes und das ausgesprochene Bekenntnis geschaffen wird. Durch das Proklamieren von Gesundheit und Wohlstand könne man Krankheit und Armut überwinden und seine Lebenssituation grundlegend verändern. Von der Erneuerung des menschlichen Geistes ausgehend, sieht man eine umfassende – auch körperliche – Heilung des Menschen als möglich an. "
Die "Wort-des-Glaubens-Bewegung ist auch in charismatischen und pfingstlerischen Kreisen umstritten. Ihr Einfluss auf die hiesige Christenheit ist insgesamt sehr begrenzt. Wenn man über den Einfluss des "Wohlstandsevangeliums" in Deutschland nachdenkt, stellt sich vor allem die Frage, in welchem Umfang deren Botschaften in hiesigen Gemeinden Fuß gefasst haben, ohne dass sie als Teil dieser Glaubenswelt sichtbar werden. Das gründlich zu analysieren, übersteigt den Rahmen dieses Beitrags.

Aus der Sicht der promintenten Führungspersonen des „Wohlstandsevangeliums“ und ebenso ihrer lokalen Prediger besteht ein großer Vorzug dieser Theologie darin, dass sie sich durch die Spenden der Gläubigen bereichern können, ohne dass ihnen das von den Spendern vorgeworfen wird. Im Gegenteil. Im Rahmen der Überzeugungen von einem „Wohlstandsevangelium“ sind ein teures Auto, eine prächtige Villa und sogar ein Privatjet überzeugende Beweise dafür, dass Gottes Segen auf diesem Geistlichen ruht.
Ein kleines Repertoire an Bibelversen reicht aus, um diese Bereicherung zulasten der oft armen Spender zu begründen und zu rechtfertigen. Beliebt zur biblischen Untermauerung des „Wohlstandsevangeliums“ ist die Speisung der Israeliten, die murrten, weil sie nach der Flucht aus Ägypten auf dem Weg durch die Wüste hungerten und sich zu den Fleischtöpfen Ägyptens zurücksehnten. Gott reagierte so: „Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin.“ (2. Mose 16,12)
Und tatsächlich stellte Gott nach dieser biblischen Überlieferung Wachteln und Brot für alle bereit. Gott „lieferte“ also, und das tut er auch heute, verkünden die Prediger des „Wohlstandsevangeliums“. Gott stellte allerdings, so die biblische Geschichte, lediglich Lebensnotwendiges bereit, und es mag bezweifelt werden, ob er heute Luxusautos und Prachtvillen herabregnen lassen wird.
Beliebt sind in der "Wohlstandstheologie auch die ersten Verse des 3. Johannesbriefes, in dem der Briefeschreiber dem Empfänger Wohlergehen wünscht. In der Lutherübersetzung lesen wir: „Der Älteste an den lieben Gaius, den ich lieb habe in der Wahrheit. Mein Lieber, ich wünsche, dass es dir in allen Stücken gut gehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gut geht.“ In der Einheitsübersetzung der Bibel taucht das Wort Wohlergehen auf: „Der Älteste an den geliebten Gaius, den ich in Wahrheit liebe. Geliebter, ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.“
In der Tat können wir diesem Briefanfang entnehmen, dass der Briefeschreiber seinem Freund ein umfassendes, also auch materielles Wohlergehen wünscht. Aber es sind Zweifel angebracht, ob damit ein Freibrief für persönliche Raffgier abzuleiten ist, wenn wir die Verse im Gesamtkontext des Neuen Testaments lesen. Eindeutig ist, dass der Gott der Bibel den Menschen kein Leben in Not und Elend verheißt, aber eben auch kein Leben in grenzenlosem Reichtum, während anderen Menschen das Lebensnotwendige fehlt. Ein Leben in Fülle ist kein Leben in Völlerei und großem Reichtum, der zu nichts verpflichtet.
Wie es auf den Kontext eines Bibeltextes ankommt, zeigt sich an diesem Vers, der bei Anhängern des „Wohlstandsevangeliums“ ebenfalls beliebt ist: „Wollt ihr mir gehorchen, so sollt ihr des Landes Gut genießen.“ (Jesaja 1,19) Der Vers scheint zu bestätigen, dass man Reichtum genießen soll. Er ist für die Prediger des neuen „Evangeliums“ zudem ein Anlass, den Gläubigen zu verkünden, dass zum Gehorsam gegenüber Gott das Spenden für die Prediger gehört. Wer gehorsam spendet, der werde auch am Gut des Landes reichlich teilhaben.
Der Gehorsam, den Gott in diesem Jesaja-Kapitel fordert, hat aber nichts mit dem materiellen Wohlergehen und Reichtum heutiger Wohlstands-Predigers zu tun: „Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen. Lasst ab vom Bösen, lernt Gutes tun! Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!“ (Jesaja 1,16-17). Hier kommt der Gott zu Wort, der Gerechtigkeit fordert und sich auf die Seite der Armen und Unterdrückten stellt.
Mit der Bibel lässt sich fast alles rechtfertigen, jedenfalls dann, wenn man sie verkürzt und verzerrt auslegt. Dagegen hilft eine mündige Christenheit, die die Bibel kennt und immun gegenüber einer selektiven Nutzung einzelner Bibelverse ist.
Längst hat das „Wohlstandsevangelium“ auch die etablierten christlichen Kirchen in aller Welt erreicht. Ich habe Anfang der 1990er Jahre an einem Gottesdienst der „Kirche Christi in Thailand“, der großen evangelischen Kirche des Landes, in der Nähe von Chiang Mai teilgenommen. Der Gottesdienst fand auf einer Wiese vor der beeindruckend großen Villa einer örtlichen christlichen Familie statt, und der Höhepunkt war ein persönliches Zeugnis der Hausbesitzerin. Sie schilderte, wie sie vor einigen Jahren aus vollem Herzen zu Gott gebetet habe, er möge sie und ihren Mann reich machen. Und Gott habe dieses Gebet erhört, sodass sie reich wurden und sich kürzlich die schöne Villa leisten konnten. Das sei der Beweis dafür, dass Gott für die Gläubigen sorgt und ihnen zu Reichtum verhilft.
Das „Wohlstandsevangelium“ wird in manchen Fällen die Gläubigen in wirtschaftlich armen Ländern dazu motivieren, sich zielstrebig um einen ökonomischen Aufstieg zu bemühen und sogar Erfolg zu haben. Aber für sehr viele Arme ist es schlicht nicht möglich, unter den Rahmenbedingungen ihrer Gesellschaft ökonomisch zu reüssieren. Sie müssen sich nach ihrem Scheitern fragen, ob sie nicht fest genug geglaubt und nicht inbrünstig genug gebetet haben. Sie sind nicht nur um die Spenden ärmer, die sie dem Prediger in der Hoffnung übereignet haben, bald ein Vielfaches zu verdienen. Sie werden auch noch mehr überzeugt sein, dass sie gescheiterte Menschen sind, die es nicht einmal geschafft haben, die Verheißungen der Bibel für ein Leben in Reichtum auskosten zu können.
Nicht nur von den USA aus, sondern auch von Südkorea aus wird das „Wohlstandsevangeliums“ in alle Teile der Welt verbreitet. Die koreanische Variante dieser Theologie nimmt für sich in Anspruch, so analysiert Arturo Piedra in seinem erwähnten Zeitschriftenbeitrag, im Gegensatz zur nordamerikanischen Variante dafür einzutreten, dass der neu gewonnene Reichtum nicht lediglich für den persönlichen Luxuskonsum genutzt werden soll, sondern auch zum Aufbau des Reiches Gottes beitragen muss. Die Skandale um verschiedene US-Fernsehprediger haben die leitenden Vertreter der koreanischen Version des "Wohlstandsevangeliums" darin bestärkt, dass sie auf dem richtigen Weg sind und die US-Vertreter dieses Evangeliums kein Vorbild für sie sein können.
Diese koreanischen Theologen predigen, dass das Reich Gottes schon mitten in dieser Welt entsteht. Wie auch andere Vertreter des „Wohlstandsevangeliums“ lehnen sie es ab, die Gläubigen nur auf ein herrliches Leben nach dem Tod zu vertrösten und die bestehende Welt als abgrundtief böse zu verdammen. Das leuchtet natürlich ein, weil der eigene Reichtum schon zu Lebzeiten angehäuft und genossen werden soll.
Ein Vorwurf der koreanischen Wohlstandsprediger lautet, dass prominenten US-Vertreter des „Wohlstandsevangeliums“ in den USA diesen Reichtum rein materiell verstehen. Demgegenüber zählen in Korea auch sozialer Status, das Wohlergehen der Kinder und andere immaterielle Werte.
Einige koreanische Theologen aus dem Kreis der Vertreter des „Wohlstandsevangeliums“ sind nach dem gründlichen Studium der Bibel zur Überzeugung gekommen, dass es eine notwendige Verbindung zwischen Reichtum und der Hilfe für Arme und Schwache gibt. Auch die Thematik der sozialen Gerechtigkeit wird aufgegriffen. Allerdings, solche Einsichten werden von einem großen Teil der koreanischen Anhänger des „Wohlstandsevangeliums“ nicht geteilt.

Die "Yoido Full Gospel Church" gilt mit deutlich mehr als einer halben Million Mitgliedern als die größte Megagemeinde der Welt. Die Pfingstkirche hat unter Leitung von Pastor Yonggi Cho die koreanische Version des "Wohlstandsevangeliums" mit geformt und wuchs in Zeiten des wirtschaftlichen Aufstieg Südkorea und des zunehmenden Wohlstands großer Teile der Bevölkerung rasch. Yonggi Cho versprach den Gläubigen Gesundheit und Wohlstand, "eine Befreiung vom Fluch der Armut".
Interessanterweise war es dem deutschen Theologieprofessor Jürgen Moltmann, der mit Yonggi Chon befreundet war, in beträchtlichem Maße zu verdanken, dass die Theologie der Kirche sich verändert hat. Sie betont jetzt stärker die Gnade Gottes und ein tugendhaftes Leben, um Gesundheit und Wohlstand zu erlangen. Die Kirche engagiert sich in sozialen Projekten und - wie eine ganze Reihe anderer koreanischer Kirchen - in der Missionsarbeit in anderen Teilen der Welt.
Eine Delegation von deutschen kirchlichen Fachleuten für Weltanschauungsfragen besuchte 2019 Korea. Die Teilnehmer nahmen an einem Gottesdienst der "Yoido Full Gospel Church" teil und schrieben in ihrem Bericht: "In den Fürbitten wurde zunächst für die eigene Gemeinde gebetet, dann für die Nation, die Wiedervereinigung Koreas, Gesundheit für alle, das Wachsen der Wirtschaft etc. Die Fürbitten richteten sich tatsächlich an Gott. Es waren keine Proklamationen."
Die Predigt erinnerte zunähst an evangelikale Gottesdienste, bevor pfingstlerisch-charismatische Themen angesprochen wurden. Der Prediger habe betont: "Gott heile auch durch Ärzte, aber manche Krankheiten könnten nur durch Gott geheilt werden ... Beim späteren Gebet um Heilung wurden die Gottesdienstbesucher zwar gebeten, die Hand auf kranke Stellen zu legen, sofortige wunderhafte Heilung wurde aber nicht suggeriert." Die Unterschiede zu amerikanischen Wohlstandpredigern sind nicht zu übersehen.

Jeden Sonntag versammeln sich Tausende Gläubige in der riesigen Kirche der "Hillsong Church" in Sydney und in zahlreichen anderen Kirchen dieser Religionsgemeinschaft in Australien und in Metropolen der Welt. Darunter sind viele junge Leute. Es herrscht oft eine fröhliche Stimmung, wozu auch die vielen modernen Lieder dieser Kirche beitragen.
Entstanden ist diese Kirche erst 1983 und zwar ganz bescheiden in einer Schulaula mit 70 Gottesdienstbesuchern. Geleitet wurden die Gottesdienste des "Hills Christian Life Centre" von Brian Houston und seiner Frau Bobbie. Bis 2018 gehörte die Gemeinde zum australischen Zweig der US-amerikanischen Pfingstkirche "Assemblies of God". 1997 konnte in Sydney ein riesiges Megachurch-Gebäude eröffnet werden. Es folgten weitere große Megachurch-Gebäude in anderen großen Städten. 2019 hatte die Kirche nach eigenen Angaben 130.000 Mitglieder in 14 Ländern.
Der Aufstieg zur Megachurch mit zahlreichen Gemeinden in aller Welt gelang vor allem durch zeitgemäße Gottesdienstmusik, die zahlreiche junge Leute attraktiv fanden und finden. Die Musik wurde weit über die eigene Kirche hinaus populär. Dazu trug die Qualität dieser Musik ebenso bei wie ein professionelles internationales Marketing durch das Tochterunternehmen der Kirche "Hillsong Music". Mittlerweile international bekannte Musiker haben ihre Karriere in den Gottesdiensten dieser Kirche begonnen.
In US-Kirchen sind die Songs inzwischen in zahllosen evangelikalen und charismatischen Kirchen fester Bestandteil der Gottesdienste. Auch hat das religiöse Tanzen unter dem Einfluss der "Hillsong"-Musik einen festen Platz in manchen dieser Gottesdienste erhalten. Die Musik ist so populär, dass sich die Kirche umbenannt hat in "Hillsong Church".
Auch eine Reihe weiterer Tochtergesellschaften gehören zur "Hillsong Church", zum Beispiel Kinder- und Jugendorganisationen und eine Gesellschaft zur Produktion von christlichen Fernsehprogrammen. Der internationalen Erfolg der Kirche hat bereits 2013 der "Religion News Service" so beschrieben: "Indem sie christlichen Rock, charismatische Energie und australischen Akzent miteinander verknüpfte, hat die Hillsong Church eine einnehmende Kombination gefunden, die das christliche Leben in großen Städten rund um den Globus formt."
Die Predigten spiegeln die Pfingstkirchen-Tradition der Kirche wider. Es lassen sich aber auch evangelikale und charismatische Einflüsse erkennen. Die Kirche engagiert sich gegen Abtreibungen und für den Kreationismus, der nach ihrem Wunsch in Schulen gelehrt werden sollte.
Die Kirche ist wegen ihrer Nähe zum "Wohlstandevangelium" kritisiert worden, besonders die Ankündigungen, dass Spender anschließend finanziell erfolgreich sein würden. Brian Houston wurde für die Betonung irdischen Reichtums in seinem Buch "You Need Nore Money" kritisiert. Auch gab es Kritik an der luxuriösen Lebensweise einiger leitender Personen der Kirche.
Das hat die Leitung der Kirche wahrscheinlich dazu veranlasst, zurückhaltender dabei zu sein, in den Predigten Botschaften zu verbreiten, die dem "Wohlstandsevangelium" entstammen. Auch wird Wohlstand stärker als Teil eines gesegneten Lebens verstanden. Unter den Gottesdienstbesuchern sind sehr viele, die ihre Spenden nicht mit der Erwartung eigenen Reichtums verbinden, sondern die soziale Projekte und die Evangelisationsarbeit der "Hillsong Church" unterstützen wollen.
Die "Hillsong Church" hat in Australien und einigen anderen Ländern vielfältige Programme zur Unterstützung von armen und benachteiligten Menschen gestartet. Außerdem werden internationale christliche Hilfsorganisationen wie "World Vision" unterstützt.
Der Aufstieg der Kirche war begleitet von einer ganzen Reihe von Skandalen und schweren Vorwürfen. Dabei ging es vor allem um Vorwürfe von sexuellen Verfehlungen leitender Personen der Kirche. Unter denen, die von ihren Ämtern zurücktreten mussten, war auch der Kirchengründer Brian Houston.
Es gab und gibt auch Vorwürfe hinsichtlich des Umgangs mit Finanzen einschließlich der Art und Weise der Verwendung von Zuschüssen der Regierung. Auch umstrittene Maßnahmen zur Verminderung der Steuerlast und schwer durchschaubare Immobiliengeschäfte lösten Kritik aus. Frühere Mitglieder erheben den Vorwurf der unzureichenden Rechenschaftslegung über die Verwendung von Geldern. Eine Reihe von Gemeinden hat sich in den letzten Jahren von der "Hillsong Church" losgesagt.
Letztlich hat die finanzielle Reputation der "Hillsong Church" beträchtlich darunter gelitten, dass eine komplexe Struktur von diversen gemeinnützigen und kommerziellen Organisationen und Unternehmen unter dem Dach der Kirche entstanden ist, deren Interaktionen und Finanzgebaren zumindest von außen kaum durchschaubar sind.
Die Hoffnung für die Zukunft dieser Kirche ruht auf den vielen Gläubigen, die nichts mit dem "Wohlstandsevangelium" zu tun haben, sowie auf den Menschen, die sich in den karitativen Programmen der Kirche engagieren.
Informationen über das Selbstverständnis und die Arbeit der Kirche finden Sie auf der Website der "Hillsong Church". Auf YouTube kann man einen Gottesdienst der "Hillsong Church" in Sydney ansehen, wobei bei dieser Aufnahme die Songs weitgehend fehlen. Einen Eindruck von der "Hillsong"-Gottesdienstmusik gibt zum Beispiel das Video "Good News - Live" auf de Website der Kirche.
"Ehre den Herrn mit dem Besten, was du hast, schenke ihm das Beste deiner Ernte." Mit Aufforderungen wie dieser will Paula White gläubige Christinnen und Christen dazu motivieren, Spenden auf das Konto ihrer Organisation zu überweisen. Wer ihrer Organisation "Paula White Ministry" Geld schickt, schenkt es Gott, lautet die Logik dieser Fernsehpredigerin. Wie viel Geld davon auf Paula Whites Privatkonto gelangt, ist nicht bekannt, es sollen Millionenbeträge sein.
Paula White, inzwischen geistliche Begleiterin von Präsident Trump, wurde 1966 in Tuelo/Mississippi geboren. Auf ihrer Website "Paula White Ministry" erfährt man über ihre Kindheit und Jugend: "Geboren in Mississippi und aufgewachsen inmitten von Tragödie und Turbulenz. Paulas Reise begann in Gebrochenheit. Der Selbstmord ihres Vaters, als sie fünf Jahre alt war, stürzte ihre Familie in Chaos, Instabilität und Armut. Sie ertrug Missbrauch, Ablehnung und Verlust - aber mit 18 Jahren fand sie Jesus und begann ein lebenslange Streben nach Gottes Gegenwart und Sinngebung."
Gradlinig verlief ihr Aufstieg zur erfolgreichen Fernsehpredigern und Beraterin des US-Präsidenten auch nach ihrem Erweckungserlebnis 1984 nicht. Ein Jahr später heiratete sie den Musiker Dean Knight. Sie ließ sich bereits 1989 von ihm scheiden. Mit ihrem zweiten Ehemann Randy White gründete sie 1991 das "Tampa Christian Centre" in Florida. Der Erfolg des Evangelisationszentrums war allerdings zunächst sehr bescheiden. In den ersten drei Jahren reichten die Einnahmen nicht einmal aus, um dem Gründerehepaar ein Gehalt zu zahlen. Nach mehreren Umzügen und der Umbenennung in "Without Walls International Church" stieg nach eigenen Angaben die Zahl der wöchentlichen Gottesdienstbesucher auf 5.000 im Jahre 1999 an.
Im Jahr 2004 gab es 20.000 Gemeindemitglieder. Als Randy White 2009 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Pastor fungierte, übernahm Paula White diese Aufgabe, auch wenn sie kein Theologiestudium absolviert hatte. Die Kirche geriet allerdings später in finanzielle Probleme. Sie musste 2014 ihren Bankrott erklären. Paula White hatte sich bereits 2011 aus dieser Kirche zurückgezogen, sich scheiden lassen und war zum "New Destiny Christian Centre" gewechselt. Hier setzte sie ihren Aufstieg zur erfolgreichen Fernsehpredigerin fort. Bald waren ihre Programm überall im Land zu sehen. Sie wurde zur bekannten Predigerin der charismatischen Bewegung. 2015 heiratete sie den Rockmusiker Jonathan Cains.
Auf ihrer Website kann man ein Video mit einem ihrer aktuellen Fernsehprogramme ansehen: "Watch Live Service".
Bereits 2002 hatte Paula White den Immobilienmagnaten Donald Trump kennengelernt und war zu seiner religiösen Begleiterin geworden. Beide verbindet der Glaube an das "Wohlstandsevangelium". Im Wahlkampf 2016 nahm Trump sie in seinen "Evangelical Advisory Board" auf, das gegründet worden war, um evangelikale Gläubige dafür zu gewinnen, Trump zu wählen. Tatsächlich verdankte Trump seine Wahl zum US-Präsidenten ganz wesentlich den evangelikalen Wählern. 80% von ihnen stimmten für diesen Kandidaten.
Nach Trumps Wahlsieg durfte die Predigerin 2017 als erste Frau in der amerikanischen Geschichte bei seiner feierlichen Amtseinführung die Invokation sprechen, das Gebet zu Gott für den berufenen Präsidenten. Donald Trump berief anschließend die Fernsehpredigerin offiziell zur Beraterin der "Faith and Opportunity Initiative" des Präsidenten. Die Anhängerin des „Wohlstandsevangeliums“ schaffte es im Gegensatz zu vielen anderen Beratern Trumps, ihren Platz im Weißen Haus über seine ganze Amtszeit von vier Jahren zu behaupten. Sie nahm nach eigener Aussage diese Aufgabe im göttlichen Auftrag wahr. Sie verkündete, Präsident Trump sei ein „Gottgesandter“ und dass ein Nein zu Trump ein Nein zu Gott wäre.
In seinem Wahlkampf 2020 wurde Trump intensiv von Paula White unterstützt. In einem Gebet während der Kampagne sprach sie Gott so an: "Vater, Du hast Präsident Trump erhoben für eine Zeit wie diese." Anschließend forderte sie Gott auf: "Lass jedes dämonische Netzwerk, das sich gegen dieses Vorhaben gebildet hat, gegen die Berufung von Präsident Trump, lass es zerbrechen, lass es zerfetzen im Namen Jesu. Ich verkünde, dass Präsident Trump alle Strategien aus der Hölle und alle Strategien des Feindes überwältigen wird. Er wird seine Berufung und Vorsehung erfüllen."
Es ist bemerkenswert, dass Paula White ganz wesentlich dazu beitrug, Donald Trump zur christlichen Heilsgestalt zu stilisieren, obwohl er - ebenso wie White selbst - bereits zwei Mal geschieden war und in dritter Ehe lebte. Auch Trumps übrige Lebensweise entsprach so gar nicht den Glaubensvorstellungen der US-Evangelikalen. Aber nun erschien er als von Gott gesandter Mensch, der evangelikale Themen wie die strikte Ablehnung von Abtreibungen und von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder Ehen teilte.
Das „Wohlstandevangelium“ ist für Paula White ein probate Lehre, um den göttlichen Segen für den Multimillionär zu belegen. Paula White: „Donald Trumps ökonomischer Erfolg ist der beste Beweis dafür, dass Gott ihn segnet.“ Sie selbst kann ebenfalls – nach eigener Überzeugung - beweisen, dass Gott sie segnet, ist sie doch so reich, dass sie sich eine 3,5-Millionen-Dollar-Wohnung im Trump Tower in New York leisten konnte.
Mit dem "Wohlstandsevangelium" gelang es, auch Millionen armer US-Bürger dafür zu gewinnen, den Milliardär Trump zu wählen. Als erfolgreiche Fernsehpredigerin versteht Paula White es, die Zuschauer für ein Evangelium zu begeistern, bei dem Jesus an der Seite der Gewinner in der Gesellschaft steht. Die Wohlhabenden und Reichen könnten sicher sein, dass Gottes Segen auf ihnen ruht. Und jeder wirklich Glaubende habe die Aussicht, bald ebenfalls zu diesen Reichen zu gehören.
Um Gottes Segen zu erhalten, seien Spenden für die Tätigkeit der Fernsehpredigerin erforderlich. Gern zitiert sie dafür einen Bibelvers: „Ehre den HERRN mit deinem Gut und mit den Erstlingen all deines Einkommens, so werden deine Scheunen voll werden und deine Kelter von Wein überlaufen.“ (Sprüche 3,9-10). Gespendet werden kann online, und die Ehre des Herrn und das Konto der Fernsehpredigerin verschmelzen dabei auf wundersame Weise. Paula White: „Je mehr du gibst, umso mehr bekommst du zurück.“
Mit ihren radikalen Botschaften und ihrer Huldigung Trumps hat Paula White zahlreiche kritische Reaktionen ausgelöst. Besonders deutlich ist die Kritik von David Robertson, einem Pastor der presbyterianischen Kirche "Free Church of Scotland". Er schrieb 2019 in einem Kommentar in der Zeitung "Christian Today": "Das Wohlstandsevangelium von Paula White passt besser zum Gold des Trump Towers als zum Evangelium von Jesus Christus. Für mich taucht das Dämonische viel eher bei all der Manipulation und Lügen im Wohlstandsevangelium auf als in Intrigen derer, die Trump ablehnen." (vgl. den Kommentar "The Demonic and the President")
Anfang 2018 machte James Macintyre in "Christian Today" auf ein Video auf der Website von Paula White aufmerksam, in dem die Predigerin die Gläubigen aufforderte, eine Neujahrspende für ihre Organisation "Paula White Ministry" zu machen, idealerweise ihr ganzes Januargehalt, oder mit göttlichen Konsequenzen konfrontiert zu sein. Sie fand für diese Aufforderung auch einen biblischen Bezug. Gott gehöre die "erste Frucht" heißt es in der Bibel und Paula White erläuterte, dies gelte für die erste Ernte und das erste Monatsgehalt der Menschen. "Ich möchte, dass ihr jetzt sofort auf den Button klickt, und ich möchte, das ihr Gott ehrt mit den ersten Früchten."
Wer das erste Gehalt stiften würde, käme dem Prinzip nach, die "ersten Früchte" Gott zu geben. Ihm oder ihr wurde verheißen: "Wenn du diesem Prinzip nachkommst, bildet das die Grundlage und Struktur von Gottes Segen und Versprechen für dein Leben. Es gibt tiefe Dimensionen spiritueller Wahrheiten frei und verwandelt dein Leben im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn du danach handelst, geschieht alles in göttlicher Übereinstimmung mit seinen Plänen und Versprechen für dich. Aber wenn du dem nicht nachkommst, sei es aus Ignoranz oder direktem Ungehorsam, dann hat das Konsequenzen."
Den vollständigen Beitrag "Trump Adviser Paula White says send money to her for Blessings - or face divine consequences" ist auf der Website von "Christian Today" zu finden.
Ein anderes Video Whites sorgte 2019 für Empörung. Die Predigerin sagte: "Wo auch immer ich hingehe, dort regiert Gott. Wenn ich zum Weißen Haus gehe, geht Gott dort hin. Ich habe die Autorität zu sagen: Das Weiße Haus ist heiliger Boden, denn ich stand dort. Wo ich stehe, ist heiliger Boden." Angesichts solcher Botschaften überrascht es nicht, dass nicht nur ökumenisch orientierte Gläubige entsetzt darüber waren und sind, sondern auch viele Evangelikale, wer im Weißen Haus verantwortlich für Glaubensfragen ist.
Das gesamte "Wohlstandsevangelium" ist in evangelikalen Kreisen in den USA ohnehin umstritten. Viele Evangelikale beharren darauf, dass Jesus den Armen das Himmelreich verheißen hat und dass man das Evangelium nicht so umdeuten darf, als wäre Jesus ein reicher Mann gewesen, der gepredigt hätte, dass Gottes Zuwendung zu einem Menschen sich daran zeigen würde, dass sie zu großem Reichtum kämen. Paula White weist immerhin auch auf die Liebe Gottes zu den Armen hin, und ihre Organisation unterstützt humanitäre Projekte, auch wenn sich nicht überprüfen lässt, in welchem Umfang das tatsächlich geschieht. Auf jeden Fall haben Prediger wie Paula White erkannt, dass sich für humanitäre Projekte viel Spendengeld einsammeln lässt.
Dass Donald Trump die Präsidentschaftswahlen 2020 verlor, wollte Paula White wie Trump selbst nicht anerkennen und sprachen von Wahlbetrug. Am 6. Januar 2021 versammelten sich Trump-Anhänger im Präsidentenpark in Washington. Trump verkündete ein weiteres Mal sein Märchen vom Wahlbetrug. Paula White betete bei der Veranstaltung für die Trump-Anhänger, die kurz darauf den Kongress stürmten: "Herr, schenke ihnen heilige Kühnheit." Nach dem gewaltsamen Sturm auf den Kongress blieb Paula White bei ihrer uneingeschränkten Unterstützung Trumps: "Wer gegen Trump stimmt, wird sich eines Tages vor Gott verantworten müssen."
Nachdem Joe Biden Präsident geworden war, wurde es etwas ruhiger um Paula White. Aber rechtzeitig vor den nächsten Präsidentschaftswahl 2024 betrieb sie erneut Werbung für Donald Trump und trug zu seinem Wahlsieg bei. Trump machte seine Unterstützerin Paula White zur Leiterin seines Glaubensbüros im Weißen Haus. Sie organisiert nun zum Beispiel die jährlichen Treffen evangelikaler Führungspersönlichkeiten, die sich um den Präsidenten versammeln und für ihn beten.
Bei dem Treffen am 5. März 2026 beteten Religionsführer auch für einen Sieg im Krieg gegen den Iran. Paula White selbst ist eine vorbehaltlose Unterstützerin der israelischen Regierung, befürwortet deren aktive Rolle im Krieg gegen den Iran - und nutzt die aktuelle politische Lage, um Spenden zu sammeln, die für humanitäre Hilfe für Israel bestimmt sein sollen. Sie forderte aus diesem Anlass die Gläubigen auf, ein Zehntel ihres jährlichen Bruttoeinkommens an ihre Organisation zu überweisen, plus eine "freiwillige" Kollekte nach eigenem Ermessen.
Was von den Spenden in Israel ankommt, lässt sich angesichts der stark eingeschränkten Überprüfung des Finanzgebarens von Kirchen und kirchlichen Organisationen durch US-Finanzbehörden kaum überprüfen. Es besteht keine Pflicht zur öffentlichen Rechenschaftslegung, und das wird sich unter Präsident Trump sehr wahrscheinlich auch nicht ändern. Es ist um so problematischer, dass Paula White eine kirchliche Organisation leitet und für sie Spenden einwirbt und sich dieses Engagement nicht trennen lässt von ihren Auftritten als Leiterin des Religionsbüros im Weißen Haus.
Paula White äußerte sich bei dem erwähnten Treffen mit evangelikalen Führungspersonen auch zur öffentlichen Diskussion über die Gründe, warum Trump zum Präsidenten gewählt worden war. Sie sagte dem Präsidenten: "Die Wahrheit ist, dass Sie hier sind aufgrund Gottes und aufgrund von Ihnen."
Sie ging noch weiter, als sie einen Zusammenhang zwischen der Auferstehung Christi und Trump herstellte. "Jesus lehrte uns so viele Lektionen durch seinen Tod, seine Grablegung und seine Auferstehung. Er zeigte uns mit seiner großen Führung, dass große Transformationen große Opfer erfordern. Und Herr Präsident, niemand hat den Preis dafür bezahlt, wie Sie den Preis bezahlt haben." Sie fuhr fort: "Es hat Sie fast das Leben gekostet. Sie wurde betrogen und verhaftet und fälschlicherweise beschuldigt. Es ist das bekannte Muster, das unser Herr und Retter uns vorgelebt hat. Aber es endete dort nicht für Ihn und es endet dort nicht für Sie. Gott hat immer einen Plan gehabt. Am dritten Tag ist Er auferstanden. Er hat das Böse besiegt, Er besiegte Tod, Hölle und das Grab. Und weil er auferstanden ist, wissen wir alle, dass wir auferstehen können. Und Sir, wegen seiner Auferstehung sind Sie auferstanden. Weil Er siegreich war, sind Sie siegreich gewesen. Und ich bin überzeugt, dass der Herr gesagt hat, dass Ihnen gesagt werden soll, dass Sie wegen Seines Sieges siegreich sein werden bei allem, was Sie in Ihre Hand nehmen. "
Erschreckend ist, wie Paula White und Donald Trump im Gleichklang die religiöse Überhöhung des Präsidenten vorantreiben. Ein Tiefpunkt war erreicht, als Donald Trump in den Sozialen Medien ein Bild verbreitete, dass ihn gebeugt über einen Kranken im Bett zeigte. Auf dem künstlich erzeugte Bild wurde der Präsident so dargestellt, dass er an den heilenden Jesus erinnerte. Das löste auch bei vielen evangelikalen Gläubigen Entsetzen aus, und Trump sah sich veranlasst, das Bild zu löschen. Aber die Öffentlichkeit erinnerte sich auch an ein Bild aus dem Vorjahr, auf dem Trump gekleidet wie ein Papst dargestellt wurde.
Bei dem schon erwähnten Treffen im Weißen Haus erklärte Donald Trump den Gästen: "Jesus zog in Jerusalem ein und die Leute nannten ihn König. Jetzt nennen sie mich König, könnt ihr das glauben?" In der gleichen Ansprache sagte er: "Wenn ich König wäre, würde ich viel mehr tun. Ich tue zwar schon viel, aber als König könnte ich noch viel mehr tun." Auf dem Video, das das Weiße Haus verbreitete, ist zu sehen, dass die Zuhörer an dieser Stelle lachten. Vielen anderen Menschen ist angesichts solcher Aussagen des Präsidenten das Lachen vergangen.
Paula White ist ein herausragendes Bespiel dafür, wie fundamentalistische christliche Botschaften, politischer Einfluss, das Wohlstandevangelium und persönliche Bereicherung zusammen die Grundlage für ein "Erfolgskonzept" bilden. Dafür ein letztes Beispiel. Vor dem Osterfest 2025 bot Paula White den Gläubigen für 1.000 Dollar ein "beautiful" Kristallkreuz und "sieben österliche Wunder" an. Ob Jesus ein teures "beautiful" Schmuckkreuz angesichts seines Leidens angemessen fände, darf bezweifelt werden. Und die "österlichen Segnungen"? Die Predigerin versprach: "Gott wird dir einen Engel zur Seite stellen, er wird deinen Feinden ein Feind sein, er wird dir Wohlstand schenken, er wird Krankheit von dir nehmen, er wird dir ein langes Leben schenken, er wird dir eine Vermehrung deines Erbes bringen und er wird ein besonderes Segensjahr bringen."
Wer glaubt, dass all das eintritt, wenn man das Paket erwirbt, zu dem auch noch Bücher gehörten, könnte 1.000 Dollar als sehr günstigen Preis ansehen, zumal das Geld auch zur Förderung humanitärer Projekte in 190 Ländern beitragen soll - das wird zumindest behauptet. Alle anderen werden sich kirchlichen Kritikern dieses Oster-Angebots anschließen, die von Scharlatanerie und Blasphemie sprechen.
Bei der Vermarktung dieses Angebots nutzte Paula White ihre Bekanntheit als Fernsehpredigerin und als Leiterin des Glaubensbüros im Weißen Haus. Andere Fernsehprediger können von so viel kostenloser Medienpräsenz nur träumen.
Das Nationale Gebetsfrühstück in Washington findet seit 1953 jedes Jahr am ersten Donnerstag im Februar in Washington statt. Es geht auf eine Initiative der "Fellowship Foundation" zurück. Initiator der zunächst in Seattle durchgeführten regionalen Gebetsfrühstücke war 1935 der methodistische Wanderprediger Abraham Vereide. Die Treffen waren von Anfang an hoch politisch. Gemeinsam mit einflussreichen Geschäftsleuten lehnte Vereide den "New Deal" von Präsident Roosevelt ab. Sie sahen das Reformprogramm als sozialistisch, wenn nicht kommunistisch an.
Streiks in Seattle und San Franzisko bestärkten die Teilnehmer der Gebetsfrühstücke in ihrer Ablehnung von Gewerkschaften. Auch hegten sie Zweifel an einem demokratischen politischen System, in dem alle wählen dürfen. Der Glaube an die freie Marktwirtschaft wurde biblisch begründet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die "Fellowship Foundation" dafür ein, die USA zu einem christlichen Land zu erklären, das gelang nicht. Ein Führungsmitglied der Stiftung konnte immerhin Mitte der 1950er Jahre im Kongress durchsetzen, dass seither auf allen Dollarscheinen der Satz zu lesen ist "In God We Trust". Auch gelang es Abraham Veride und dem bekannten Prediger Billy Graham, Präsident Eisenhower dafür zu gewinnen, jährlich ein Nationales Gebetsfrühstück durchzuführen.
In Deutschland entstand unter Mitwirkung von Abraham Veride die Organisation "Christen in Verantwortung". Wie in dem Wikipedia-Beitrag "The Fellowship Foundation" im Detail nachzulesen ist, hatten diverse Mitglieder dieser Organisation, die Gebetsfrühstücke organisierte, bedeutende Posten im Naziregime innegehabt. Die Organisation besteht nicht mehr.
Im Mittelpunkt des Nationalen Gebetsfrühstück 2026 im Hilton-Hotel in Washington stand eine 75 Minuten lange Rede von Präsident Trump. Zur Einstimmung auf diese Rede sprach vorher seine Geistliche Beraterin Paula White. Was sie und dann Präsident Trump verkündeten, kann man einem ausführlichen Beitrag von Jörn Schumacher auf der Website des evangelikalen Medienmagazins PRO nachlesen. Der Beitrag hat die Überschrift: "Lästereien und Selbstlob: Trumps Rede zum Nationalen Gebetsfrühstück".
Paula White wird in dem Beitrag so zitiert: "'Kein Präsident in der modernen Geschichte oder vielleicht sogar in der ganzen Geschichte' habe mehr für die Religion getan, so White." Die Trump-Beraterin erklärte außerdem: "Trump bringt uns Frieden durch Stärke." Das Lob steigerte sie noch. Trump sei der "Greatest of all Time", der Größte aller Zeiten. Jörn Schumacher hat während der White-Ansprache beobachtet: "Widerspruch gab es beim Gebetsfrühstück gegenüber White keinen, sie erhielt in ihrer Rede immer wieder Applaus."
Besonders aufmerksam wurde in der Rede von Trump beobachtet, was er zu den Ende des Jahres bevorstehenden Wahlen sagen würde. Kurz vorher hatte er vorgeschlagen, dass republikanische Beamte die Wahlen in 15 Bundesstaaten übernehmen und sie "nationalisieren" sollten, um die Republikanische Partei vor einer Wahlniederlage zu bewahren. In seiner Rede beim Gebetsfrühstück lästerte Trump über das Konzept von "Mehrheiten in der Politik". Er kündigte an: "Wir werden eine massive Mehrheit haben." Was er damit meint, hat er nicht erläutert. Aber nach dieser Rede ist die Sorge weiter gewachsen, ob es freie und faire Kongresswahlen geben wird.
In der Rede folgten die schon üblichen Diffamierungen seiner politischen Gegner und eine maßlos übertriebene Darstellung seiner Erfolge. Die reichen Unterstützer des "Wohlstandsevangelium" werden gern gehört haben, dass Trump sich selbst lobte, er habe die "größten Steuersenkungen aller Zeiten gemacht". Als eines seiner weiteren Verdienste erwähnte Trump: "Wir sind das Johnson Amendment losgeworden!" Diese Bestimmung des Steuergesetzes untersagte es steuerbefreiten Organisationen wie Kirchen, politische Kandidaten zu unterstützen oder sich gegen sie auszusprechen.
Jörn Schumacher schrieb darüber, wie Trump diese Änderung begrüßte: "Endlich können Pastoren wieder die Wahrheit sagen! Man kann wieder sagen, was man will. Außer wenn man etwas Schlechtes über Trump sagt, dann überlege ich es mir noch einmal, und ich schaue mir Ihre Steuerfestsetzung sofort genauer an." Sollte das ein Scherz sein oder eine Drohung. Wie so oft weiß man das bei Donald Trump nicht.
Etwa 3.000 Gäste nahmen am Nationalen Gebetsfrühstück 2026 teil, darunter viele einflussreiche Unternehmer und Manager. Es wurden Gäste aus mehr als 100 Ländern eingeladen. Einer der deutschen Teilnehmer war der AfD-Bundestagsabgeordnete Volker Münz, der kirchenpolitische Sprecher seiner Fraktion.
Der evangelikale Pressedienst IDEA veröffentlichte am 7. Februar eine bemerkenswert kritische Bewertung von Trumps Auftreten beim Gebetsfrühstück. Johann Matthies, Politikbeauftragter der evangelikalen "Evangelischen Allianz in Deutschland", schrieb über die Rede des Präsidenten: "Sein Stil war, wie so oft, provozierend und irritierend, häufig auch herabwürdigend. Hanebüchene Übertreibungen gehörten ebenso dazu wie einzelne Momente von Selbstironie. Hielt er sich an sein Skript, waren ermutigende Geschichten dabei. Ein positives Wort über Europa fiel nicht.
Er sprach zu einem religiös geprägten Publikum, ohne sich selbst als Teil dieser Gemeinschaft zu verstehen. Mehrfach sprach er von den Religiösen und meinte damit die Menschen im Saal ... Bemerkenswert offen erklärte Trump, dass er die Bibel nicht lese und sie auch nie gelesen habe. In diesem Punkt war er ehrlicher als manche seiner Apologeten, etwa Paula White, die selbstbewusste Leiterin des neu eingerichteten Faith Office, die ihn zuvor als den wohl geistlichsten Präsidenten der Geschichte vorgestellt hatte. Trump formulierte es selbst so: 'Ich bin nicht perfekt, aber ich kann viel für euch Perfekte tun.'“
Dass das "Wohlstandsevangelium" in Deutschland bisher relativ wenige Anhänger findet, die sich zu ihm bekennen, ist erfreulich. Aber das sollte die Kirchen nicht beruhigen. Die Ablehnung Präsident Trumps und seiner religiösen Begleiterin Paula White liegt auch, aber natürlich nicht nur, an ihrem nicht selten bizarren Verständnis der biblischen Botschaft. Das gleiche gilt für die Fernsehprediger, die das "Wohlstandsevangelium" verkünden. Nur wenige gläubige Christinnen und Christen bei uns verstehen die biblische Heilsbotschaft so, dass großer Reichtum als überzeugender Beweis dafür angesehen werden kann, dass ein Mensch gläubig ist.
Die meisten hiesigen gläubigen Christinnen und Christen wissen, dass Jesus sich für die Armen eingesetzt hat und ihnen das Himmelreich verheißt. Die Behauptung, Jesus sei ein Millionär gewesen und habe den Weg zu großem materiellen Reichtum gewiesen, stößt allenfalls auf ein Kopfschütteln. Kirchliche Leitungspersonen, die durch ihre Evangelisationsarbeit zu großem Reichtum gekommen sind, gibt es bei uns nicht und sie würden auf schroffe Ablehnung bei den meisten Christinnen und Christen stoßen.
Auch die nicht zu übersehende stark individualistische und egozentrische Ausrichtung des "Wohlstandevangeliums" spricht Menschen nicht an, die "Gemeinschaft der Heiligen" im Vaterunser als Orientierungspunkt für ihr religiöses Leben ansehen. Gewiss gibt es auch Gemeinschaftserfahrungen bei den Anhängern des "Wohlstandsevangeliums", aber letztlich kommt es darauf an, dass ich reich und gesund werde und bleibe.
Es gibt ein Aber im Blick auf die Zukunft des "Wohlstandsevangeliums" bei uns - und das in mehrfacher Hinsicht. Hohe Kirchenaustrittszahlen zeigen, dass viele bisherige Mitglieder erhebliche bis große Vorbehalte gegenüber der Institution Kirche haben. Die Kirchen - einschließlich der Freikirchen - waren aber bisher so etwas wie ein Bollwerk gegen eine große Verbreitung des "Wohlstandsevangeliums" durch Fernsehprediger und selbsternannte Evangelisten, die zum eigenen Vorteil ihr Verständnis der Bibel verbreiteten.
Es ist wichtig, dass im Religionsunterricht, im Konfirmandenunterricht und in der kirchlichen Verkündigung ein solides Wissen darüber vermittelt wird, was Jesus gelehrt und vorgelebt hat und warum es falsch ist, die biblische Botschaft auf einige wenige Verse und Abschnitte zu reduzieren, die vermeintlich das "Wohlstandevangelium" als göttliche Botschaft erscheinen lassen. Wenn Menschen die christliche Botschaft ablehnen, ist das zu achten, aber eine solche Entscheidung sollte nicht aufgrund eines Zerrbildes dieser Botschaft erfolgen.
Leider klafft oft eine große Kluft zwischen den theologischen Erkenntnissen der Neuzeit und dem, was sonntags in vielen Kirchen gepredigt wird. Die Kirchengebäude werden nicht einstürzen, wenn man klar und deutlich sagt, dass viele biblische Geschichten Legenden sind, Legenden mit tieferer Bedeutung, die zu einem vertieften Glauben führen können.
Der Schwerpunkt meines Beitrag liegt auf dem Verhältnis des "Wohlstandevangeliums" zu Wohlstand, Reichtum und Armut. Ein zweiter thematischer Schwerpunkt vieler Prediger dieses "Evangeliums" liegt auf dem Gebiet Gesundheit. Extreme Positionen wie die Behauptung, wer nur richtig intensiv glaube und dazu noch kräftig spende, werde gesund oder gar nicht erst krank, wird hierzulande allenfalls Anhänger christlicher Sekten überzeugen. Aber dennoch sind manche eher obskure Heilungsgottesdienste gut besucht.
Es erweist sich, dass die hiesigen Kirchen das Thema Gesundheit und Heilung zu stark an kirchliche Krankenhäuser und andere diakonische Einrichtungen delegiert haben. Es gibt viele erfreuliche Beispiele für das Engagement von Kirchengemeinden für Kranke, aber insgesamt scheint mir, dass mehr getan werden muss, um das Themenfeld Heil und Heilung nicht fundamentalistischen Sekten und Fernsehpredigern zu überlassen.
Jesu Botschaft vom kommenden und in dieser Welt schon aufleuchtenden Reich Gottes ist eine radikale Botschaft. Sie ist gar zu oft von den Kirchen "domestiziert" worden, um die Gläubigen nicht zu erschrecken und die politisch und wirtschaftlich Mächtigen nicht zu verärgern. Im Gegenüber zum "Wohlstandsevangelium" wird es aber darauf ankommen, zu vermitteln und danach zu leben, dass der biblische Gott ein Gott ist, der Gerechtigkeit, ein Engagement an der Seite der Armen und die Bewahrung der Schöpfung fordert. Diese Botschaft zu verbreiten, macht Prediger nicht zu Millionären wie das "Wohlstandevangelium" in manchen Fällen, aber sie kann Hoffnung und Lebensperspektiven jenseits des Ziels einer individuellen Bereicherung wachsen lassen.
