1837 – Carl Woermann, eine Geschichte vom wirtschaftlichen Aufstieg im Afrikahandel

Cover des Buches "Entdeckungsreise durch die Hamburger Geschichte"
Frank Kürschner-Pelkmann: Entdeckungsreise durch die Hamburger Geschichte, 920 Seiten ISBN 978-3-384-05017-5 38 Euro

Aus kleinen Anfängen stieg Carl Woermann zu einem der wichtigsten Hamburger Überseekaufleute und Reeder mit dem Schwerpunkt auf dem Westafrikahandel auf. Geboren wurde er am 11. März 1813 in Bielefeld als Sohn eines Leinenfabrikanten. Er gründete 1837 im Alter von 24 Jahren ein eigenes Im- und Exportunternehmen in Hamburg. Zunächst baute er Handelsverbindungen nach Südamerika, der Karibik, Indien und Australien auf, bevor er das Potenzial des Afrikahandels erkannte.

 

1849 schickte er die „Therese Henriette“, ein kleines Schiff, nach Westafrika, wo der Kapitän versuchte, in Küstenstädten die mitgebrachten Textilien und Eisenwaren gegen „Colonialwaren“ wie Palmöl einzutauschen. Das erwies sich aber als ein sehr zeitraubendes Unternehmen, und so eröffnete Woermann in Liberia seine erste Handelsniederlassung. Jetzt konnten seine Vertreter den Handel kontinuierlich betreiben, während die Schiffe nur noch für den Warentransport von und nach Liberia zum Einsatz kamen.

  

Reichtum durch den Handel mit Gabun und Kamerun

Das Geschäftsmodell funktionierte, jedenfalls für Woermann, während seine Handelspartner in Afrika abhängig blieben und häufig verarmten. Von Liberia aus baute das Unternehmen den Handel in andere westafrikanische Gebiete aus. Anfang der 1870er Jahre waren bereits fünf Woermann-Schiffe ständig zwischen Hamburg und Westafrika unterwegs. Kleinere Schiffe übernahmen die Fahrt entlang der afrikanischen Küste und kauften dort die Waren auf, die dann von den Niederlassungen aus nach Hamburg verschifft wurden. Woermann entsandte in Kamerun und Gabun eigene Händler ins Hinterland, um nicht länger auf die afrikanischen Zwischenhändler angewiesen zu sein.

 

1867 schickte Woermann seinen Angestellten Emil Schulze nach Libreville, der Hauptstadt der französischen Kolonie Gabun. Er war nicht nur geschäftlich erfolgreich, das Unternehmen war schließlich mit über dreißig Niederlassungen im Land vertreten, sondern wurde auch zum deutschen Konsul ernannt. Das war ein Mosaikstein im Bemühen Carl Woermanns, enge Beziehungen zur Regierung in Berlin aufzubauen. Das erleichterte es später dem Sohn Adolph, das Deutsche Reich zu drängen, Kolonialmacht in Afrika zu werden.

 

Wesentlich wichtiger als Gabun wurde für das Handelshaus das Engagement in Kamerun. 1868 diente ein ausgedientes Schiff, das im Kamerunfluss ankerte, als Handelsstation. Bald kaufte das Handelshaus im großen Stil Palmöl, Palmkerne und Elfenbein und hatte später ein Viertel aller Ausfuhren des Landes unter seiner Kontrolle. Woermann exportierte neben Stoffen, Werkzeugen und Gewehren auch billigen Schnaps nach Kamerun, was später heftige Kritik auslöste. Aber zunächst lief der Handel zur Zufriedenheit Carl Woermanns.

  

Ein Geschäftshaus an der Großen Reichenstraße

Carl Woermann leitete nicht nur sein eigenes Unternehmen, sondern gehörte auch zu den Gründern und Direktoren der Reedereien HAPAG und Hamburg-Süd. Bei der Commerz- und Diskontobank (heute Commerzbank AG), die er mitgegründet hatte, leitete er den Verwaltungsrat. Er fand daneben noch Zeit, ein Bürgerschaftsmandat wahrzunehmen. Und wie andere erfolgreiche Hamburger Reeder und Kaufleute besaß Woermann neben einem Geschäftshaus an der Großen Reichenstraße seit 1857 ein Landhaus an der Elbchaussee. Die zehn Kinder aus erster Ehe mit Eleonore Weber und der Sohn aus zweiter Ehe mit Aline Ferber genossen das Leben in dem herrlichen Garten des Anwesens.

 

Der älteste Sohn Carl weigerte sich, das Handelsunternehmen zu leiten und studierter stattdessen Kunstgeschichte. Der Vater war so erbost, dass er seinem Ältesten verbot, weiterhin den Namen Carl zu tragen. Der Sohn wurde als Karl Woermann ein hoch angesehener Kunsthistoriker.

 

Der zweitälteste Sohn Adolph erhielt eine Ausbildung im Handelsunternehmen, stieg 1874 zum Teilhaber und nach dem Tod des Vaters am 25. Juni 1880 zum Chef auf. Adolph Woermann expandierte weiter und trug entscheidend dazu bei, das Deutsche Reich zur Kolonialmacht in Kamerun zu machen. Heute steht der Sohn Adolph stärker als der Vater in der Kritik derer, die die dunklen Kapitel des kolonialen Erbes Hamburgs der Vergessenheit entreißen wollen.

  

 

Auf dem Ohlsdorfer Friedhof ist der sehr große Grabsteinfindling für Carl Woermann nicht zu übersehen. Woermannsweg und Woermannstieg erinnert an seinen Sohn Adolph.

 

 © Frank Kürschner-Pelkmann