
Als der englische Kapitän William Sloman 1791 mit Ehefrau und acht Kindern auf seiner Brigg „The Beaver“ in den Hamburger Hafen einlief, begann eine der erfolgreichsten Hamburger Reeder-Familiengeschichten. Am 1. Juli 1793 gründete William Sloman eine kleine Reederei und betrieb ein „Logierhaus“ für Seeleute. Sein Lebensmotto lautete „Das Glück ist der Begleiter der Tugend“. Das Glück blieb der Familie treu, und das Schifffahrtsunternehmen besteht bis heute als Sloman Neptun Schifffahrts-Aktiengesellschaft.
William Sloman starb bereits im Jahre 1800. Da war sein ältester Sohn Robert Milles (geboren am 23. Oktober 1783) gerade 17 Jahre alt. Immerhin hatte er bereits vier Jahre in der Reederei seines Vaters mitgearbeitet. 1803 verließ er die Hansestadt und verliebte sich in Tönning in die Tochter seines Nachbarn, eines Lotsenkapitäns. 1805 wurde geheiratet. Elf Kinder hatte das Paar, aber mehrere von ihnen starben in jungen Jahren. Robert und Gundalena Sloman lebten zunächst in Hamburg, flüchteten dann aber 1806 vor den französischen Truppen in die Gegend von Itzehoe.
Nach dem Abzug der Franzosen 1814 kehrte die Familie nach Hamburg zurück. Robert M. Sloman erhielt eine Zulassung als Schifffahrtsmakler. Nach den damaligen Hamburger Gesetzen durfte er nicht gleichzeitig Reeder sein, was er zunächst dadurch umging, dass die Kapitäne seiner Schiffe oder Familienangehörige offiziell als Reeder fungierten, bis er dann den Status eines Schiffsmaklers aufgab.
1836 wurde das Hamburger Verbot des Auswanderer-Schiffsverkehrs aufgehoben. Es war erlassen worden, weil der Senat befürchtet hatte, es könnten große Scharen von armen Auswanderungswilligen in die Stadt strömen, denen das Geld zur Überfahrt nach Amerika fehlte und die deshalb die Zahl der Hilfsbedürftigen vergrößern würden. Aber als die Hamburger Obrigkeit sah, wie Bremer Reeder sehr gute Geschäfte mit der Auswanderung von vielen Tausend Menschen machten, wollte man den Bremern dieses Geschäft nicht überlassen. Robert S. Sloman war der erste Hamburger Reeder, der von 1836 an Auswandererschiffe über den Atlantik schickte. Sie beförderten im Linienverkehr gleichzeitig auch Post und Fracht nach New York und bald auch nach New Orleans. Später segelten die Sloman-Schiffe auch in viele andere Häfen der Welt.
Die großen Erfolge der Reederei wurden allerdings durch die Missstände auf ihren Auswandererschiffen überschattet. Angesichts einer wachsenden Konkurrenz von Reedereien und Passagevermittlern waren die Passagepreise niedrig. Dafür bot die Sloman-Reederei eine Überfahrt unter oft primitivsten Bedingungen im sogenannten Zwischendeck an. Dieses Zwischendeck wurde zwischen Deck und Frachtraum eingebaut, und wenn das nicht ausreichte, fügte die Reederei ein ,,Unter-Zwischendeck“ hinzu.
Der New Yorker Einwanderungskommissar Friedrich Kapp hat die Zustände auf dem Slomanschiff „Leibniz“ festgehalten, das dort 1868 eingetroffen war: „lm ganzen war das obere Zwischendeck aber nicht schlechter als durchschnittlich diese Räume in anderen Auswandererschiffen sind. Dagegen ist das untere Zwischendeck eine vollständige Pesthöhle und geradezu darauf angelegt, den gesundesten Menschen zu tödten ... Das bisschen Licht, welches dieses Unter-Zwischendeck erhielt, kam durch eine der Lukengänge vom Oberdeck her ... Der Kapitän selbst erklärte uns, dass die Passagiere sich geweigert, den Unrath auf das Deck zu bringen und dass ‚der Urin und der Koth aus dem oberen Zwischendeck in das untere geflossen sei‘... für die Bequemlichkeit aller Passagiere waren überhaupt nur sechs Aborte vorhanden.“
Fast ein Fünftel der Passagiere war auf der 70-tägigen Überfahrt gestorben. Solche Zustände sprachen sich herum, und Hamburg und Bremen verboten noch 1868 die Beförderung von Passagieren im Unter-Zwischendeck. Hamburg stellte die Verantwortlichen der Reederei Sloman vor Gericht. Trotz etwa 100 Toten kamen sie mit der milden Strafe von 100 Talern davon.
Bereits 1850 setzte Sloman als erste deutsche Reederei ein Dampfschiff auf der Transatlantikroute ein, die mit lediglich 800 BRT vermessene „Helena Sloman“. Für die Passagiere der „ersten Cajüte“ gab es einen eleganten Salon mit „Ameublement von grünem Samet, geschmackvollen Teppichen, schönen Spiegeln in blitzenden Goldrahmen“. Die „zweite Kajüte“ versprach weniger Eleganz, sollte aber laut Reederei „immer noch recht wohnlich bequem“ sein. Das „aufs Beste gelüftete Zwischendeck“ bot 236 Passagieren Platz. Die Reisezeit halbierte sich im Vergleich zu den Segelschiffen.
Aber bereits auf der Rückreise von der zweiten New York-Reise geriet die „Helena Sloman“ vor Neufundland im Sturm in Seenot. Nach elf Tagen vergeblichen Bemühungen, das Schiff zu retten, musste das Schiff aufgegeben werden. Fast alle Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten von einem englischen Schiff gerettet werden. Der Siegeszug der Dampfschiffe setzte sich trotz dieser Katastrophe fort.
Zu den Pionierleistungen der Reederei Sloman gehört der Bau des ersten Trockendocks im Hamburger Hafen im Jahre 1851. Eine andere Pionierleistung war allerdings bereits 1845 gescheitert. Sloman wollte ein großes Segelschiff mit Passagieren um die Welt schicken. Aber der Beginn der Kreuzfahrten musste verschoben werden, denn es meldeten sich nicht genügend zahlungskräftige Interessenten.
Ein weiteres Projekt war 1842 gescheitert. Damals hatte sich Sloman an der Deutschen Colonisation Gesellschaft beteiligt, die die Chatham Inseln vor der Küste Neuseelands kaufen und zur deutschen Siedlungskolonie entwickeln wollte. Die Inseln waren damals im Besitz der britischen New Zealand Company. Der Kaufvertrag war schon fertig aufgesetzt, aber dann wurde die Sache bekannt und stieß auf eine große Opposition in Großbritannien. Königin Viktoria erklärte daraufhin die Inseln zum Teil Neuseelands und damit zum Herrschaftsbereich der Krone. Seriöser und bedeutsamer war die Beteiligung Slomans an der Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger im Jahre 1865.
Robert S. Sloman starb am 2. Januar 1867, kurz nachdem er mit seiner Frau die Diamantene Hochzeit gefeiert hatte. Sechs der elf Kinder waren vor dem Vater gestorben. Der älteste Sohn, Robert Miles Sloman der Jüngere, übernahm die Leitung der Reederei.
Die Slomanstraße erinnert an Robert S. Sloman und die von ihm finanzierte Wohnsiedlung auf der Veddel. Am Firmensitz Slomanhaus am Baumwall ist ein Porträtmedaillon des bekannten Reeders angebracht worden.
