
Mehr als 15 Millionen Jahre ist der Tanganjikasee alt. Er bildete sich nach der Entstehung des Ostafrikanischen Grabens. Da er nur wenige Verbindungen zu anderen Fluss- und Seensystemen besitzt, entstand hier eine vielfältige eigenständige Tierwelt. Etwa 95% der mehr als 300 Fischarten sind nur hier zu finden.
Im Tanganjikasee sind insgesamt über 1.500 Tier- und Pflanzenarten gezählt worden. Der See weist eine besonders große Zahl von Buntbarscharten auf. An ihnen lässt sich zeigen, wie die Evolution zu immer neuen Arten führt, die sich optimal einem bestimmten Lebensraum angepasst haben. Die kleinste Buntbarschart im Tanganjikasee ist nur drei Zentimeter lang und findet Schutz in leeren Schneckenhäusern. Die größte Art ist 80 Zentimeter lang und ein gefürchteter Jäger im ganzen See. Jede Art hat eine ökologische Nische besetzt, und so gibt es zum Beispiel Buntbarsche, die Algen fressen, andere, die Schnecken vertilgen, und einige, die Kleinstorganismen aus dem Sand filtern.

Der Tanganjikasee nimmt beim Vergleich mit anderen Seen einen der Spitzenplätze ein. Er ist mit 1.470 Metern weltweit zweittiefste See und hat auch das zeitgrößte Süßwasservolumen aller Seen auf der Welt. In Afrika ist er auf beiden Gebieten konkurrenzlos. Der See ist 676 Kilometer lang, durchschnittlich etwa 50 Kilometer breit und bedeckt eine Fläche von 32.900 Quadratkilometern (etwa die Größe von Nordrhein-Westfalen). Er ist der längste See der Welt.
Drei große Flüsse, der Kalambo-Fluss, der Ruzizi-Fluss und der Malagarasi-Fluus, münden im Tanganjikasee, außerdem eine Reihe kleiner Flüsse und Bäche. Für den Wasserzufuhr im See sind aber zu etwa 90% die Niederschläge verantwortlich. Wasser aus dem See fließt vor allem in der Regenzeit in den Lukuga-Fluss, der in den Kongo mündet. Nur etwa alle 7.000 Jahre erneuert sich das Wasser im Tanganjikasee vollständig, was auch bedeutet, dass Verschmutzungen sich sehr lange negativ auswirken. Die durch die große Verdunstung verursachten hohen Niederschläge sorgen für eine üppige Vegetation an den Ufern des Sees.

Noch immer werden Richard Francis Burton und John Hanning Speke als „Entdecker“ des Tanganjikasees bezeichnet, weil sie 1858 in der später tansanischen Hafenstadt Ujiji als erste Europäer den See erblickten. Aber bei genauer Betrachtung kamen sie etliche Jahrtausende zu spät, denn lange vor ihnen erblickten erstmals Afrikanerinnen und Afrikaner den See. Ein Denkmal in Ujiji erinnert dennoch an die beiden „Entdecker“.

Am 10. November 1871 begegneten sich der Journalist Henry Morton Stanley und der Afrikaforscher David Livingston am Ufer des Sees. Stanley wusste zwar, dass sein Gegenüber der verschollene Afrikaforscher Davidson war, nach dem er gesucht hatte, aber es fehlte ein Europäer, der beide einander nach damaligen britischen Höflichkeitsformen vorgestellt hätte. Der US-amerikanische Journalist Stanley soll dieses Problem durch einen berühmt gewordenen Satz gelöst haben, indem er sagte „Dr. Livingston, I presume“, „Dr. Livingston, wie ich vermute“.
Ob der Satz wirklich gefallen ist oder der Journalist Stanley ihn später erfand, ließ sich nicht mehr feststellen, denn Livingston starb zwei Jahre später in Afrika, ohne noch einmal nach Europa zurückzukehren. Dass diese Begegnung in der tansanischen Hafenstadt Ujiji stattfand, trug wesentlich zu deren Bekanntheit bei – und auch daran erinnert ein Denkmal in der Stadt.
Auch in der Geschichte des Kongo ist diese Begegnung bedeutsam, denn Stanley nutzte seine Berühmtheit, um die Kolonisierung des von ihm auf der Suche nach Livingston durchquerten Kongogebietes zu fördern. Er verbündete sich dafür mit dem belgischen König Leopold II. Stanley half dem belgischen Monarchen, den Kongo zu seiner persönliche Kolonie zu machen. Die Gräuel der Kolonisatoren bei der brutale Ausplünderung dieses Landes sind in die afrikanische Geschichte eingegangen und wurden auch in Europa als „Kongo-Gräuel“ verurteilt.

Der belgische König konnte sein Herrschaftsgebiet im Kongo bis an das Westufer des Tanganjikasees ausweiten. Die Nord- und Ostseite des Sees wurde bei der kolonialen Aufteilung Afrikas zu einem Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika, zu dem neben Tanganjika auch Burundi gehörte. Den südlichen Teil des Sees sicherte sich Großbritannien und machte ihn zum Teil der Kolonie Nordrhodesien, seit der Unabhängigkeit Sambia.
Den Tanganjikasee teilen sich seit den 1960er Jahren vier unabhängige Anrainerstaaten. Der größte Teil der Fläche des Sees gehört zu den Staatsgebieten der Demokratische Republik Kongo (45%) und Tansanias (41%). Kleinere Anteile haben Burundi (8%) und Sambia (6%). In diesen drei Ländern hat der Tourismus eine gewisse Rolle als Wirtschaftsfaktor.
Seit ihrer Unabhängigkeit Anfang der 1960er Jahren wurden der Kongo und Burundi mehrfach von gewaltsamen Auseinandersetzungen erschüttert, wozu besonders im Kongo diverse ausländische Mächte immer wieder beigetragen haben. Der Tanganjikasee war wiederholt Schauplatz von militärischen Auseinandersetzungen der Konfliktparteien im Kongo.
Im September 2017 lieferten sich kongolesische Marine und Boote der Mai-Mai-Rebellenbewegung Gefechte auf dem See. Die Mai-Mai-Bewegung hat ein Schmuggelnetzwerk über den See aufgebaut. Sie kontrolliert eine Reihe von Bergwerken im Osten des Kongo und finanziert ihren Krieg außerdem dadurch, dass sie von der örtlichen kongolesischen Bevölkerung „Steuern“ eintreibt.
In Konkurrenz zur Mai-Mai-Bewegung ist in den letzten Jahren die M23-Bewegung östlich des Tanganjikasees vorgedrungen (vgl. zu diesen beiden Bewegungen den Beitrag über den Eduardsee). Die M23-Bewegung finanziert sich ähnlich wie die Mai-Mai-Bewegung vor allem durch den Verkauf wertvoller Rohstoffe aus eroberten kongolesischen Bergwerken. Die Kämpfe um die Vorherrschaft in dieser Region sind deshalb auch Kämpfe um die Kontrolle der Bergwerke und der Rohstoffexporte, die häufig über den See erfolgen. An den Kämpfen ist selbstverständlich auch die Armee des Kongo beteiligt, die nicht zuletzt die staatliche Kontrolle über den Bergbau sichern bzw. zurückerlangen will.
Die Armee bewaffnet örtliche Selbsthilfegruppen, die bisher vor allem gegen die Mai-Mai-Rebellen kämpfen. Die Rebellenbewegungen kaufen einen Teil ihrer Waffen von korrupten Armeesoldaten und Offizieren, die nicht selten nur unregelmäßig Sold erhalten. Ein Teil der Waffen stammt von desertieren Soldaten der Armee, die ihre Gewehre verkaufen. Vor allem AK-47-Gewehre sind im Überfluss vorhanden und mühelos für 50 bis 80 Dollar zu erwerben, manchmal schon für 30 Dollar.
In den letzten Jahrzehnten sind mehr als 12 Millionen Menschen in den Kämpfen um die Vorherrschaft im Kongo und besonders die Kontrolle über die wertvollen Rohstoffe getötet worden. Die Kämpfe haben sich in den letzten Jahren auf den Osten des Landes konzentriert. Eine Folge in der Region am Tanganjikasee ist, dass eine große Zahl illegaler Waffen vorhanden ist. Ein Teil der Waffen im Osten des Kongo wird inzwischen von Verbrechersyndikaten über den Tanganjikasee nach Tansania geschmuggelt. Dort geraten die Waffen in die Hände von Kriminellen und vergrößern die Gewaltkriminalität im Land. Gleichzeitig werden weiterhin neue Waffen in den Kongo geschmuggelt.

Im Rahmen der UN-Friedensmission im Kongo sind UN-Soldaten im Gebiet der Hafenstadt Uvira stationiert worden. Deren Zahl ist aber aufgrund von Finanzproblemen der UNO vermindert worden. Die UN-Soldaten haben immer weniger Möglichkeiten, ihren Friedensauftrag in einer von Gewalt geprägten Umgebung zu verwirklichen.
So konnten sie nicht verhindern, dass M23-Rebellen im Spätherbst 2025 vorübergehend die Hafenstadt Uvira besetzten. Bis zur Rückeroberung der Stadt durch kongolesische Truppen kam der Schiffsverkehr im kongolesischen Teil des Sees eineinhalb Monate lang zum Erliegen. Die Besetzung der Stadt hatte nicht nur gravierende wirtschaftliche Folgen, sondern veranlasste auch Tausende Einwohner zur Flucht. Manche von ihnen suchten im Nachbarland Burundi Schutz.

Im Becken des Tanganjikasees leben mehr als zehn Millionen Menschen. Der Fischfang zählt in den Städten und Dörfern am See zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Etwa 100.000 Menschen in den Anrainerstaaten sind mit dem Fischfang, der Fischverarbeitung und dem Fischhandel beschäftigt. Zeitweise wurden bis zu 200.000 Tonnen Fische gefangen, aber diese Menge hat sich inzwischen drastisch vermindert.
Ursachen dafür sind die Überfischung, die Zerstörung von Feuchtgebieten an den Ufern des Sees, die Jungfische als Lebensraum dienen, und die Verschlechterung der Wasserqualität im See. Die etwa 45.000 Fischer erleben, dass ihr Fang immer kleiner wird. Manche verwenden nun engere Netze, um (illegalerweise) auch junge Fische zu fangen, aber das bedroht den Fischbestand im See noch stärker.
Es wird geschätzt, dass die Fangmenge in Tansania sich zwischen 2020 und 2024 um fast 20% vermindert hat. Exakte Zahlen fehlen, aber es ist eine tagtägliche Erfahrung der Fischer, dass sie immer weniger Fische fangen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Fisch im Einzugsbereich des Sees allein schon als Folge des Bevölkerungswachstums, aber auch aufgrund des steigenden Einkommens vieler Einwohner.
Die Anrainerstaaten des Sees haben die „Lake Tanganyika Authority“ gegründet, um die wirtschaftliche Entwicklung der Region und den Schutz der natürlichen Ressourcen besser zu koordinieren. In der Praxis erweist es sich als schwierig, zu gemeinsamem Handeln aller vier Staaten am See zu kommen. So werden Schutzmaßnahmen, die den Fischfang einschränken, auch als Gefährdung der Ernährungssicherheit der Bevölkerung angesehen.

Ein Beispiel für solche Probleme war 2023 eine Vereinbarung der Anrainerstaaten im Rahmen der „Lake Tanganyika Authority“, den Fischfang für ein Vierteljahr ganz zu stoppen, damit die Fischbestände sich erholen könnten. Diese Vorhaben führte zu Protesten der Fischer, die fürchten mussten, ihren Lebensunterhalt für ein Vierteljahr zu verlieren.
Burundi, Kongo und Tansania haben daraufhin die Sperre des Fischfangs nicht kontrolliert, was faktisch bedeutete, dass das Moratorium dort ausfiel. Nur Sambia setzte die dreimonatige Sperre durch und hat sie in den folgenden Jahren wiederholt. Aber das Land besitzt wie erwähnt nur 6% der Fläche des Sees. Tansania hat 2024 ein zeitweises Verbot des Fischfang eingeführt, aber die Kontrolle erweist sich in beiden Ländern als schwierig.
Es gibt keine offiziellen Fischereihäfen, sondern die Fischerboote landen ihren Fang entlang der ganzen Küste an und verkaufen ihn häufig direkt auf informellen Märkten. Dass die Fischer während der Monate des Fangverbots, wenn überhaupt, nur geringe Entschädigungszahlungen erhalten haben, hat viele von ihnen in wirtschaftliche Not gebracht und die Ablehnung der Maßnahmen zum Schutz der Fischbestände noch vergrößert.
Die sambischen und tansanischen Fischereibehörden haben erklärt, dass sich die Fischbestände in den jeweils drei Monaten des Fangverbots erholt hätten. Aber das ist schwierig nachweisbar, weil regelmäßige wissenschaftliche Bestandsfeststellungen der Fische im Tanganjikasee fehlen. Inzwischen planen die Anrainerstaaten eine gemeinsame Begutachtung der Fischbestände im See. Sie werden ei diesem Vorhaben von der UN-Welternährungsorganisation FAO unterstützt.
Damit das Fangverbot wirklich eine nachhaltige Wirkung haben kann, ist es erforderlich, den Fischern alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zu eröffnen. Ein Konzept sieht den verstärkten Aufbau von Aquakulturen vor, was auch den Druck auf wilde Fischbestände vermindern könnte. So hat Tansania jenen Fischern, die während des Fangverbots bereit waren, Fischfarmen aufzubauen, Kredite zur Verfügung gestellt. Auch gab es fünftägige Kurse, wie solche Aquakulturen betrieben werden können, was Kritiker als eine viel zu kurze Zeit ansehen. Aber längerfristig ist der Aufbau von Aquakulturen ein überzeugendes Konzept.
Viele Fischer und ihre heranwachsenden Kinder können darauf nicht warten und betätigen sich als Landwirte, Taxifahrer oder Händler, um einen Lebensunterhalt zu bestreiten, was in der Fischerei immer weniger möglich ist.
Etwa 40% der Fische, die in Tansania gefangen werden, kommen aus dem Tanganjikasee. Das Land plant, die Fischverarbeitung am Tanganjikasee systematisch zu verbessern, ebenso die Transportketten zu den städtischen Märkten des Landes. Außerdem soll eine nachhaltige Ausbeutung der Fischbestände erreicht werden. Durch solche Maßnahmen sollen viele neue Arbeitsplätze entstehen.

Der Tanganjikas wurde vom „Global Nature Fund“ zum „Bedrohten See des Jahres 2017“ erklärt. Der See wurde früher von einer üppigen Vegetation gesäumt, aber das ändert sich seit einigen Jahrzehnten. Vor allem als Folge des Bevölkerungswachstum vergrößern sich die Ortschaften am See und gleichzeitig entstehen vielerorts in Ufernähe neue Felder.
Immer mehr ungereinigte Abwässer und Müll aus den Städten und kleineren Ortschaften gelangen in den See, ebenso die Abwässer von Gewerbebetrieben, Industrie und Bergwerken. Ein deutlich sichtbares Zeichen für diese Umweltverschmutzung sind die Berge von Plastikmüll, die tagtäglich in die Zuflüsse des Sees und den See gelangen. Besonders in Ufernähe behindern sie bereits den Fischfang.
Umweltschutz ist in der Region zu einem wichtigen Thema geworden. Zu den Erfolgen zählt eine neue Kläranlage in der burundischen Hauptstadt Bujumbura, in der 40% der Abwässer der Haushalte und der Industrie gereinigt werden.
Die Bodenerosion als Folge einer nicht nachhaltigen Landwirtschaft hat zur Folge, dass immer mehr Sedimente in den See gespült werden. Zur Belastung des Sees trägt auch die Agrarchemie bei. Maßnahmen zum Umweltschutz auf regionaler Ebene werden durch den Bürgerkrieg im Kongo erschwert, der viele Umweltschutzmaßnahmen in die Region westlich des Tanganjikasees verhindert.
Wie an anderen großen Seen im Ostafrikanischen Graben bestehen Pläne, auch am Tanganjikasee nach Öl zu bohren, denn in der Region werden größere Ölvorkommen vermutet. Eine Ölförderung in den Uferregionen des Tanganjikasees würde aber nach aller Erfahrung in anderen Fördergebieten zu einer starken Ölverschmutzung des Sees und seiner Umgebung führen.
Sowohl das Wasser des Tanganjikasees als auch die Atmosphäre im Einzugsbereich des Sees erleben eine deutliche Erhöhung der Durchschnittstemperaturen. Bis 2050 wird ein Anstieg der Temperatur des Wassers im See um bis zu drei Grad erwartet. Das hat komplexe Konsequenzen. So erleben auch die Menschen am Tanganjikasee das, was bei uns als Extremwetterereignisse bezeichnet wird.

Während der Regenzeit kommt es inzwischen häufiger zu so heftigen Niederschlägen, dass besonders in Burundi die Flüsse über ihre Ufer treten. Außerdem erhöht sich der Wasserspiegel des Sees. Wie bereits in den zurückliegenden Jahren wurde Burundi im Juni 2025 von einer Flutkatastrophe heimgesucht. Der gestiegene Wasserstand des Sees hatte zur Folge, dass das Wasser des Ruzizi-Flusses nicht mehr in den See abfließen konnte und große Flächen von Burundi überflutete. Auch Teile der Hauptstadt Bujumbura waren betroffen, was hohe wirtschaftliche Schäden verursachte.
Burundi gehörte schon vorher zu den ärmsten Ländern der Welt. Beim „United Nations Development Index“ steht Burundi auf Platz 187 von 193 Ländern. Das ostafrikanische Land kann aber auf immer weniger Katastrophenhilfe rechnen, seit die USA kaum noch Gelder bereitstellen und zum Beispiel auch die Bundesrepublik die Gelder für humanitäre Hilfe deutlich kürzt.
Nicht nur Flutkatastrophen treffen die Region am Tanganjikasee. Es hat in den zurückliegenden Jahren auch Zeiten gegeben, wo als Folge von Trockenheit der Wasserspiegel des Sees so stark sank, dass größere Schiffe die Häfen wie Bujumbura nicht mehr anlaufen konnten. Hauptursache ist die höhere Verdunstung aufgrund des Klimawandels.
Die großflächige Abholzung von Waldgebieten östlich des See im Kongo hat zu partiell verminderten Niederschlägen beigetragen. Eine Ursache für das zeitweise Sinken des Wasserspiegels des Sees ist auch der desolate Zustand der kongolesischen Staudämme am Lukaga-Fluss. Die Folge ist, dass viel mehr Wasser den See verlässt, als dies in Zeiten eines niedrigen Wasserstandes angebracht wäre. An südlichen Zuflüssen des Sees hat Sambia neue Staudämme gebaut, was ebenfalls die Menge des Wassers im See verändert.
Es sind also vielfältigen Faktoren, die die Niederschläge in der Region um den Tanganjikasee und den Wasserstand des Sees beeinflussen. Dies und die komplexen Prozesse als Folge des Klimawandels machen Prognosen schwierig. Wahrscheinlich ist, dass Extremwetterereignisse zunehmen werden.
Dringend notwendig erscheint der Bau von Deichen in Gebieten, die von Hochwasser bedroht sind. Dazu gehört zum Beispiel der Großraum der burundische Hauptstadt Bujumbura mit einer Bevölkerung von mehr als einer Million Menschen. Deiche sind nicht nur am See selbst erforderlich, sondern auch an einigen größeren Zuflüssen wie dem Ruzizi-Fluss in Burundi, weil das Flusswasser, das sich staut, weil es wegen des dort steigenden Wasserspiegels nicht mehr in den See strömen kann, dann große Flächen im Landesinneren überflutet.
Die Gebiete am Tanganjikasee sind in Sambia und Tansania weit entfernt von den jeweiligen Hauptstädten und Wirtschaftszentren. Im Kongo könnten natürliche Reichtümer wie Kupfer, Gold und Coltan einen Wirtschaftsboom auslösen. Sie haben in den letzten Jahrzehnten aber vor allem immer neue militärische Konflikte ausgelöst und den Krieg von Rebellenbewegungen finanziert.
Burundis Hauptstadt und Wirtschaftszentrum Bujumbura liegt ganz in der Nähe des Tanganjikasees. Eine florierende Wirtschaft in anderen Regionen am See könnte auch Burundi nützen, aber solche Impulse bleiben bisher weitgehend aus.
Großes Wachstumspotenzial besitzen für die ganze Region die vielen wertvollen Bodenschätze besonders im Kongo. Das wäre besonders dann der Fall, wenn die Rohstoffe nicht lediglich exportiert, sondern bereits in der Region verarbeitet werden.

Wichtige Wachstumsimpulse könnten auch vom Tourismus ausgehen. Es gibt vier Nationalparks in der Nähe des Sees, zwei in Tansania und je einer in Burundi und Sambia. Auch der See selbst ist ein attraktives Ziel, etwa für Taucher. Erforderlich ist aber eine bessere Erreichbarkeit des Sees für Touristen.
Bisher konzentriert sich der Tourismus in Tansania auf die Nationalparks im Westen des Landes, auf Dar es Salam, auf die Region um den Kilimandscharo und auf Sansibar. Viele dieser Ziele befinden sich in der Nähe internationaler Flughäfen. Am Tanganjikasee befindet sich ein lediglich kleiner Inlandsflughafen in Kigoma.
Sambia unternimmt Anstrengung, einen Platz unter den beliebten Reiseländern in Afrika zu erobern, kann aber bisher nicht mit Kenia, Tansania und Südafrika konkurrieren. Das gilt noch mehr für Burundi. Der Westen des Kongo besitzt das Potenzial als attraktives Ziel für Reisende, die Afrikas beeindruckende Landschaften und Tierwelt kennenlernen wollen, aber die kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte haben den Tourismus fast auf den Nullpunkt gebracht. Unter verbesserten Bedingungen könnte der Tanganjikasee zum Zentrum einer florierenden länderübergreifenden Tourismusregion werden.


Das Passagier- und Frachtschiff tuckert – mit Unterbrechungen – seit über einem Jahrhundert über den Tanganjikasee. Es ist damit das älteste noch in Dienst befindliche Passagierschiff der Welt. Wenn es erzählen könnte, würden wir viel über die Geschichte und Geschichten am Tanganjikasee erfahren. So aber will ich es übernehmen, etwas aus dieser Geschichte zu erzählen.
Die Geschichte des Schiffes begann 1913 auf der Meyer Werft in Papenburg. Es war für den Transport von Waren und Passagieren auf dem Tanganjikasee im damaligen Deutsch-Ostafrika bestimmt. Das Hindernis war, dass dieser See keine schiffbare Verbindung zu einem Meer aufweist.
Deshalb wurde das Schiff zunächst auf der Werft zusammengeschraubt (ohne Nieten) und gleich darauf wieder in Tausende Teile zerlegt und in 5.000 Holzkisten verpackt. Diese Kisten wurden per Bahn nach Hamburg transportiert und von dort auf drei Überseefrachtschiffen nach Dar es Salam in Ostafrika gebracht. Von dort ging es per Bahn nach Kigoma am Tanganjikasee.
Dort galt es dann vom Februar 1914 an, das Schiff aus Tausenden Einzelteilen erneut zusammenzusetzen. Dabei halfen drei Schiffbauingenieure der Meyer Werft. Die weit über 200 einheimischen Beschäftigten benötigten allein 160.000 Nieten, um aus dem Inhalt der Kisten ein Schiff entstehen zu lassen. Im Mai 1915 war die „Graf Goezen“ fertig. Benannt wurde sie nach einem früheren Gouverneur von Deutsch-Ostafrika.
Inzwischen war allerdings der Erste Weltkrieg ausgebrochen, der auch in Ostafrika ausgefochten wurde. Deshalb bauten die Deutschen den Neubau in ein Kriegsschiff um. Es erhielt einige Kanonen. Die „Graf Goezen“ beherrschte nun den See zusammen mit zwei kleinen Kanonenbooten. Die „Graf Goezen“ wurde unter anderem für Truppentransporte entlang der langen Küste des Sees eingesetzt und eignete sich zur Vorbereitung von Überraschungsangriffen auf britische Armeeeinheiten.
Die Alliierten unternahmen beträchtliche Anstrengungen, um die Beherrschung des Tanganjikasees durch die deutschen Kriegsschiffe zu beenden. Von England aus wurden zwei mit Waffen ausgerüstete Motorboote zur Kongomündung gebracht. Von dort ging die Reise auf dem Fluss, mit der Eisenbahn und auf der Straße bis nach Albertville auf der kongolesischen Seite des Tanganjikasees. Im Dezember 1915 starteten sie Überraschungsangriffe auf die beiden deutschen Kanonenboote „Kingani“ und „Hedwig von Wissmann“ und konnten sie versenken. Damit verblieb nur noch die „Graf Goezen“ von der deutschen Flottille übrig.
Im Juni 1916 griffen belgische Wasserflugzeuge mehrfach die „Graf Goezen“ im Hafen von Kigoma an. Die Schäden am Schiff waren nur gering. Allerdings hatte sich inzwischen an Land die Lage der deutschen Kolonialtruppen so sehr verschlechtert, dass Kigoma aufgegeben werden musste. Deshalb wollte die deutsche Marine das Schiff im Juliselbst im Tanganjikasee durch das Öffnen der Seeventile versenken. Die drei Ingenieuren der Meyer Werft, die geholfen hatten, das Schiff mühsam zusammenzubauen, wurden beauftragt, diese Versenkung vorzunehmen. Sie taten es so, dass ein späteres Heben des Schiffes und seine Restaurierung erleichtert werden würde.
1918 versuchten belgische Ingenieure das Schiff zu heben, was aber letztlich an technischen Problemen und hohen Kosten scheiterte. Nachdem Großbritannien die Kontrolle über Tanganjika übernommen hatte, unternahmen britische Ingenieure einen neuen Versuch, das Schiff zu heben. Das gelang erst 1924, und danach galt es, die Schäden am Schiff zu beseitigen. Diese Arbeiten konnten erst 1927 abgeschlossen werden.
Die „Graf Goezen“ wäre wahrscheinlich auf dem Grund des Tanganjikasees liegengeblieben, wenn der Aufwand nicht so hoch gewesen wäre, ein neues Fracht- und Passagierschiff in Einzelteilen auf dem Landweg nach Kigoma zu bringen und dort zusammenzubauen.

Im Mai 1927 übernahm das Schiff als „Liemba“ seinen Dienst auf dem See. Auch im Zweiten Weltkrieg verband das Schiff ungehindert die Häfen am Tanganjikasee. 1950 bis 1952 erfolgte eine Renovierung der „Liemba“, wobei die Holzbefeuerung durch einen ölbefeuerten Kessel ersetzt wurde. Die Umbauten ermöglichten es, nunmehr als 200 Passagiere und 550 Tonnen Fracht zu transportieren.
Nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft fuhr die „Liemba“ im Dienst des neuen Staates Tanganjika (später Tansania). Als Folge der Bürgerkriege im Kongo und in Burundi transportierte das Schiff im Auftrag der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen UNHCR mehrfach Hunderte Flüchtlinge in Sicherheit und später zurück in ihre Heimat.
1976 bis 1978 wurde die „Liemba“ erneut renoviert, mit Dieselmotoren ausgestattet und so umgebaut, dass nun 480 Passagiere und dafür weniger Fracht befördert werden konnte. 1993 war eine erneute Generalüberholung der „Liemba“ erforderlich, die weiterhin unverzichtbar für den Personen- und Frachtverkehr auf dem See war. Das Schiff verkehrte regelmäßig zwischen Kigoma in Tansania und Mpulungu in Sambia. Auch Bujumbura in Burundi und Uvira im Kongo wurden angelaufen. In den meisten Orten, wo die „Liemba“ regelmäßig stoppte, gab es keine Schiffsanleger, sondern dann, wenn das Schiff gesichtet wurde, machten sich zahlreiche Boote auf den Weg, um Waren und Passagiere zum Schiff zu bringen und andere abzuholen. Nur in Kigoma, Mpulungu und Bujumbura in Burundi gibt es Häfen.

2018 wurde die reparaturbedürftige „Liemba“ vorläufig stillgelegt. Nach einem Jahrhundert schien die Geschichte dieses inzwischen berühmten Schiffes zu Ende zu gehen. Es gab in Deutschland eine Initiative, das Schiff zu zerschneiden und zurück nach Papenburg zu holen, wo es das erste Mal zusammengebaut worden war. Aber die tansanische Regierung beschloss 2022, die Kosten für eine Generalüberholung in Kigoma zu übernehmen. Im Laufe der zweiten Hälfte des Jahres 2026 soll die „Liemba“ wieder ihren Dienst aufnehmen.
Der tansanische Staatssekretär für Transportfragen David Kihenzile besuchte im Februar 2026 Kigoma. Er zeigte sich zufrieden mit dem Fortschritt der Arbeiten und erklärte zur Bedeutung des generalüberholten Schiffes: „Das Schiff ist seit Generationen die Lebensader für die Gemeinschaften am Tanganjikasee. Seine vollständige Restaurierung wird auf bedeutsame Weise die Verbindungsmöglichkeiten zwischen Tansania und seinen Nachbarländern erweitern und Handel, Tourismus und regionale Integration unterstützen.“ Von welchem anderen mehr als ein Jahrhundert alten Schiff lässt sich Ähnliches sagen?

Zum Schluss gilt es, eine hartnäckig verbreitete Legende zu korrigieren. Die „Liemba“ bildet nicht das Vorbild für das deutsche Kriegsschiff in C. S. Foersters Novelle „The African Queen“. Vorbild für die „Königin Luise“ im Roman war ein deutsches Kanonenboot, das tatsächlich im Tanganjikasee versenkt wurde. Das war wie erwähnt das Ergebnis eines Angriffs von zwei britischen bewaffnete Boote und nicht die Tat eines mutigen Paares. Im Film übernahm nicht die „Liemba“ die Rolle des deutschen Kriegsschiffes, sondern der Schlepper „Buganda“ im Viktoriasee. Aber die hartnäckig verbreiteten Legenden über die Rolle der „Liemba“ bzw. „Graf Goezen“ in Novelle und Film hat immerhin dazu beigetragen, dieses Schiff noch bekannter zu machen.
