Als der Viermaster „Peking“ von der Hamburger Laeisz-Reederei in Dienst gestellt wurde, war die große Zeit der Frachtsegler bereits vorbei. Die Dampfschiffe ermöglichen regelmäßige Liniendienste rund um den Globus und verfügten bald über eine größere Ladekapazität als die segelnde Konkurrenz. Eine der wenigen Nischen, wo die Frachtsegler noch wirtschaftlich mithalten konnten, war der Salpetertransport von Chile nach Hamburg. Hier setzte die Laeisz-Reederei ihre Segelschiffe ein.
Die „Peking“ gehörte zu den „Flying-P-Linern“ der Reederei. Alle diese Schiffe hatten als Anfangsbuchstaben ein „P“, eine Anspielung auf die Frau des Reeders, die in der Familie wegen ihrer krausen Haare liebevoll Pudel genannt wurde. Die „Peking“ war das letzte der „Flying-P-Liner der Laeisz-Reederei und hatte am 25. Februar 1911 ihren Stapellauf bei Blohm & Voss. Das Schiff hat eine Länge von 115 Metern und konnte etwa 5.000 Tonnen Fracht transportieren.
Die „Peking“ unternahm nur wenige Reisen nach Chile, dann wurde das Schiff nach dem Ausbruch des Ersten Kriegs in Valparaiso interniert. Nach dem Krieg erhielt Italien das Schiff als Reparationsleistung. Da man dort keine Verwendung für das Schiff hatte, konnte die Laeisz-Reederei das Schiff zurückkaufen und erneut für Fahrten nach Chile einsetzen. 1926 baute die Reederei die „Peking“ zum kombinierten Fracht- und Schulschiff um, das weiterhin nach Chile fuhr. Es gehörte zu den „Dinosauriern“ der Frachtsegelschiff-Epoche. 1912 hatten noch 108 Segelschiffe den Heimathafen Hamburg, 1929 waren es neun.
Nach 34 Kap-Hoorn-Umrundung verursachte die Weltwirtschaftskrise ein Ende des Einsatzes der „Peking“ als Frachtschiff. Die Reederei verkaufte das Schiff an eine wohltätige Organisation in England, die es umbauen ließ und als Internatsschiff für Kinder und Jugendliche nutzte. Im Zweien Weltkrieg wurde das Schiff von der Königlichen Marine beschlagnahmt und diente als Unterkunft für Soldaten. Nach dem Krieg konnte es erneut als Internat genutzt werden.
1974 erwarb das „South Street Seaport Museum“ in New York die Viermastbark und begann mit der Restaurierung des Museumsschiffs. Dem Museum besaß ein zweites großes Schiff, das ebenfalls renoviert werden musste, und da es nicht über ausreichend Finanzmittel und freiwillige Helfer verfügte, wurden die Arbeiten an der „Peking“ vernachlässigt. Sie war nach Einschätzung von Fachleute nur noch ein Schrotthaufen.
Die „Stiftung Hamburg Maritim“ versuchte von 2001 an, das Schiff zu erwerben und nach Hamburg zu holen. Nach langwierigen Verhandlungen und Finanzierungsbemühungen gelang es 2015, das Schiff zu erwerben. Es war aber marode, dass es nicht mehr über den Atlantik geschleppt werden konnte, sondern auf einem Dockschiff nach Wewelsfleth gebracht wurde. Dort führte eine Werft umfangreiche Restaurierungsarbeiten an Schiffsrumpf und Masten aus.
2020 konnte die „Peking“ nach Hamburg überführt werden, wo die Restaurierung unter Mitwirkung vieler freiwilliger Helfer fortgeführt wurde. Inzwischen kann der „Hamburger Veermaster“ besichtigt werden und ist als Prunkstück für das im Aufbau befindliche Deutsche Hafenmuseum vorgesehen.
© Frank Kürschner-Pelkmann

