Griechenland – die Reise eines Heine-Denkmal von Korfu, über Hamburg und Altona nach Toulon

Heinedenkmal in Toulon
Heinedenkmal in Toulon, Foto: James561, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons

„Die Zahl der deutschen Kriegerdenkmäler zur Zahl der deutschen Heine-Denkmäler verhält sich hierzulande wie die Macht zum Geist.“ Das schrieb Kurt Tucholsky 1929. Da hatte ein Heinedenkmal, das die österreichische Kaiserin Elisabeth errichten ließ, schon eine Reise quer durch Europa hinter sich und war noch lange nicht an ihrem heutigen Standort in Toulon angekommen. Elisabeth („Sisi“) hatte das Denkmal Anfang der 1890er Jahre ursprünglich neben ihrer Villa auf Korfu aufstellen lassen. Elisabeth kannte die Werke Heines bereits in der Kindheit, ihr Vater war ein Heine-Verehrer gewesen. Sie schätzte die Werke Heinrich Heines so sehr, dass sie auf Reisen immer seine gesammelten Werke im Gepäck hatte.

 

Als Kaiserin musste Elisabeth feststellen, dass man am Hof in Wien den jüdischen Dichter Heine keineswegs schätzte, sondern ihn als Revolutionär bezeichnete und als gefährlich betrachtete. Das hielt die Kaiserin, die dem erzkonservativen Hof distanziert und ablehnend gegenüberstand, erst recht an ihrer Liebe zu Heinrich Heine und seinem Werk fest. Sie ließ sich von Heines Werken zu eigenen Gedichten inspirieren. Begegnet ist sie dem Dichter nicht, denn als er 1856 in Paris starb, war sie erst 18 Jahre alt.

 

1887 gab eine Initiative, in Heines Geburtsstadt Düsseldorf ein Denkmal für den Dichter zu errichten. Elisabeth war bereit, mit einem hohen Geldbetrag zur Verwirklichung dieses Vorhabens beizutragen. Aber der Plan scheiterte am massiven antisemitischen Protest nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in anderen Teilen Deutschland. Bismarck schrieb einen offiziellen Protestbrief an den österreichischen Außenminister, in dem er sich über die Förderung des Denkmalsplan für einen „antideutschen Poeten“ durch Kaiserin Elisabeth beschwerte. Auch in Paris, wo Heinrich Heine lange gelebt hatte und gestorben war, verhinderten antisemitische Kräfte die Errichtung eines Denkmals. Kaiserin Elisabeth hätte auch dieses Vorhaben gern gefördert.

  

Das Heinedankmal der Kaiserin Elisabeth

1892 ließ Kaiserin Elisabeth ein persönliches Heinedenkmal neben ihrer Villa auf der griechischen Insel Korfu errichten. Das Marmordenkmal in einem kleinen Tempel hoch über dem Mittelmeer war das Werk des dänischen Bildhauers Louis Hasselriis. Es zeigt einen alten und kranken Heinrich Heine.

 

Nach der Ermordung der Kaiserin im Jahre 1898 erbte ihre Tochter Gisela die Villa mit dem Heine-Denkmal auf Korfu. Sie verkaufte das Anwesen 1907 an den deutschen Kaiser Wilhelm II. Dem missfiel das Heinedenkmal über alle Maßen. Er nannte Heinrich Heine den „größten Schmutzfink im deutschen Dichterwald“. Wilhelm II. ließ das Denkmal umgehend entfernen und im Hofmarschallamt in Berlin einlagern. Dort wurde es von dem Verleger Julius Heinrich Campe erworben. Dessen Vater Julius Campe hatte zu Lebzeiten Heinrich Heines dessen Werke verlegt.

 

Julius Heinrich Campe hätte das Denkmal gern der Stadt Hamburg geschenkt, aber die lehnte brüsk ab. Es war von einem „vaterlandsfeindlichen“ Dichter Heine die Rede. Julius Heinrich Campe starb bald darauf. 1910 blieb nichts anderes übrig, als das Denkmal in einer privaten Grünanlage vor den Verlagsräumen im Kontorhaus Barkhof in der Hamburger Innenstadt aufstellen zu lassen. Dort wurde es nach dem Ersten Weltkrieg zum Hassobjekt antisemitischer Kräfte, die das Denkmal immer wieder beschmierten. Schließlich entschloss man sich, es hinter einem Bretterverschlag verschwinden zu lassen.

  

Das Denkmal in Altona und später in Toulon

1927 sorgten der Oberbürgermeister Max Brauer und der Magistrat des damals noch selbstständigen Altona dafür, dass das Werk im heutigen Heinepark neben der Plangeschen Villa an der Elbchaussee aufgestellt wurde. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten war das Denkmal auch dort nicht mehr sicher und wurde von Olivia Campe, einer Tochter von Julius Heinrich Campe, versteckt. Sie war mit einem Franzosen verheiratet, und beide entschlossen sich 1939, nach Toulon auszuwandern.

 

Sie sorgte dafür, dass das Denkmal mit ihrem Umzugsgut nach Marseille kam. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verzögerte sich der Weitertransport nach Toulon. Dort kam die Transportkiste mit dem Denkmal erst nach dem Krieg an. Die Eigentümerin des Denkmals schenkte der Stadt Toulon. Die beließ es aber zunächst in einer Transportkiste in einem Depot. Auch ein Jahrzehnt nach dem Krieg befand sie sich noch in diesem „Dornröschenschlaf“.

 

Das änderte sich 1956. Die Stadt Hamburg erinnerte sich bei der Vorbereitung von Feierlichkeiten zum 100. Todestag von Heinrich Heine an das Denkmal. Man fragte in Toulon an, ob das Denkmal nach Hamburg zurückkehren könnte. Das lehnte der Bürgermeisten von Toulon ab. Aber die Anfrage sorgte dafür, dass das Denkmal endlich ausgepackt und im Botanischen Garten der Stadt aufgestellt wurde.

Bei der Feier zu Einweihung des Denkmal wehten französische und deutsche Flaggen, keine Selbstverständlichkeit ein Jahrzehnt nach dem Ende des deutschen Terrors während der Besetzung Frankreichs. Der damalige Hamburger Kultursenator hielt anlässlich der Denkmalseinweihung eine Ansprache, in der er sich für eine Versöhnung der früher verfeindeten Völker aussprach.

 

Noch einmal geriet das Denkmal in die Schlagzeilen der Hamburger Medien. Eine Initiative des Schauspielers Christian Quadflieg im Jahre 1997, das Denkmal doch noch zurück nach Hamburg zu holen, hatte keinen Erfolg. Die Stadt Toulon wollte das Geschenk der Tochter des Verlegers Julius Campe nicht zurückgeben.

 

In Hamburg steht dennoch ein Heinedankmal und das prominent auf dem Platz vor dem Rathaus. Es ist eine Nachbildung eines Denkmals von Hugo Lederer, das bis 1933 im Stadtpark stand. Es war eine private Stiftung und wurde bei der Einweihung im Jahre 1926 der Stadt geschenkt. Der von den Nationalsozialisten beherrschte Senat beschloss im August 1933, das Standbild aus dem Stadtpark zu entfernen. Das Bronzedenkmal wurde in der Kunsthalle eingelagert und im Krieg zur Waffenproduktion eingeschmolzen. 1982 schuf der Bildhauer Waldemar Otto eine Neuschöpfung des Denkmals, die auf dem Rathausmarkt zu sehen ist. Die Initiative dafür hatten die Heine-Gesellschaft und der jüdische Schriftsteller Arie Goral ergriffen.

 

Einen Beitrag über Heinrich Heine in Hamburg finden Sie auf dieser Website hier.

  

© Frank Kürschner-Pelkmann