
Er war bestrebt, „nützlich zu werden … zum Vortheil der Gesellschaft“. Das tat er lange Zeit mit Erfolg und wurde dennoch auf brutale Weise hingerichtet. Johann Friedrich Struensee kam am 5. August 1737 in Halle zur Welt. Sein Vater war ein pietistischer Pastors, der ebenso fromm wie streng war. Sicher auch als Gegenreaktion schloss der Sohn sich später der Aufklärungs-Bewegung an.
Schon mit 15 Jahren begann Struensee ein Medizinstudium, das er 1757 im Alter von 20 Jahren mit einer Promotion abschloss. Er nahm die Stelle eines Stadtphysikus und Armenarztes in Altona an, damals die zweitgrößte Stadt im Reich der dänischen Könige. Es gelang ihm, die Gesundheit der Bevölkerung deutlich zu verbessern, vor allem durch die Förderung hygienischer Lebensverhältnisse und durch Pockenimpfungen. Allerdings waren sein Gehalt als Stadtphysikus niedrig und seine Honorareinnahmen als Armenarzt gering. Seine Bitten um Gehaltserhöhungen wurden mehrfach abgelehnt.
Von 1759 an veröffentlichte er die Monatszeitschrift „Zum Nutzen und Vergnügen“. Vergnügen bereitete sie allerdings Ärzten und Adel keineswegs, kritisierte Struensee sie doch in satirischen Beiträgen. Auch in kirchlichen Kreisen rief er Missfallen hervor, und der Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goetze, ein Gegner der Aufklärung, erreichte ein Verbot der Zeitschrift.
Aber als die Not groß war, bat der Adel im Königreich Dänemark den Aufklärer Struensee um Hilfe. Der junge König Christian VII. litt an einer schweren psychischen Erkrankung, die ihn unberechenbar machte und die Zukunft seines Reiches bedrohte. Der Arzt, der sich auch bei der Behandlung psychischer Erkrankungen einen Namen gemacht hatte, sollte den jugendlichen König 1768 als Reisearzt auf einer einjährigen Europareise begleiten. Es gelang Struensee auf der Reise, das Vertrauen des Königs zu gewinnen, sodass dieser ihn bat, mit nach Kopenhagen zu kommen. Dort geschah etwas, womit der Adel und vor allem die Minister nicht gerechnet hatten. Christian VII. verließ sich von nun an ganz auf die Ratschläge Struensees und übertrug ihm immer mehr Aufgaben.
Der König war immer weniger in der Lage, selbst politische Entscheidungen zu treffen, nahm dies selbst wahr und unterschrieb im Juli 1771 eine Generalvollmacht für Struensee, der damit faktisch zum Herrscher des Königreiches wurde. Er entließ die bisherige Regierung und ernannte Minister seines Vertrauens. In nur 16 Monaten erließ er 633 Dekrete, die soziale Reformen ermöglichten. Er erhöhte die Luxussteuern und verzichtete auf die Salzsteuer, die die arme Bevölkerung belastet hatte. Auch halbierte er die Armee, um die Staatsfinanzen zu sanieren. Als Aufklärer führte Strueensee die Pressefreiheit ein. Auch reduzierte er die Zahl der arbeitsfreien offiziellen kirchlichen Feiertage um elf, um die Wirtschaft zu fördern.
Um Struensee zu stürzen, machte der Adel die Liebesbeziehung zwischen ihm und der Königin öffentlich. Der König hatte seine Frau noch vor der Heirat mit der Bemerkung brüskiert, er liebe sie nicht, und nach der Geburt eines Thronfolgers beendete er die sexuellen Beziehungen zu seiner Frau. Der Adel nutzte nun die Pressefreiheit zu einer Diffamierungskampagne und setzte den König unter Druck, Struensee verhaften zu lassen. Er wurde am 17. Januar 1772 festgenommen und anschließend zum Tode verurteilt. Am 28. April köpfte und vierteilte man den großen Reformer.
