
„Mir hat es immer sehr wehe gethan, wenn ich in Westindien sah, daß die schwarzen Menschen so barbarisch von den Weißen behandelt wurden.“ Kapitän Jens Jacob Eschels war nicht am Sklavengeschäft in der Karibik beteiligt, sondern beförderte auf seinem Schiff Waren zwischen Altona und der Karibik, damals Westindien genannt. Er war entsetzt darüber, was er dort erlebte. Die versklavten Menschen aus Afrika versteigerte man auf den karibischen Inseln meistbietend und zwang sie zu härtester Arbeit auf den Plantagen.
Kapitän Eschels nahm 1796 die unmenschliche Behandlung der Sklaven in der Karibik nicht schweigend hin: „Ich stritt eines Tages in Rio Demirare mit einem deutschen Plantagenaufseher über die Behandlung der schwarzen Neger; er sagte, es sind Tiere und müssen hart behandelt werden, sonst arbeiten sie nicht gut.“ Eschels ließ das so nicht stehen. Catharina Lüden hat in ihr Buch „Sklavenfahrten mit Seeleuten aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck im 18. Jahrhundert“ aufgenommen, was Kapitän Eschels dem Plantagenaufseher antwortete: „Ich sagte, ich hätte unter den Schwarzen viele gute Menschen und treue Diener gefunden, auch, wenn die Neger gut behandelt würden, wären sie gehorsam und fleißig in ihrer Arbeit ohne Prügel … Selbst wenn sie, wie er behauptete, Bestien wären, so martere und plage ein guter Mensch nie ein lebendiges Geschöpf.“
Der Kapitän behandelte die Sklaven, die sein Schiff „Henricus de Vierde“ ent- und beluden, gut, und sie zeigten sich dankbar dafür. Er ließ ihnen Geld zukommen und gutes Essen geben, woraufhin sie ihre Arbeit noch williger und froher taten. Er besuchte auch die Plantagen der Herrnhuter auf St. Thomas, also von Missionaren der Herrnhuter Brüdergemeine in der dänischen Kolonie. Dort, schrieb Kapitän Eschels, „wo die Negersklaven gut behandelt wurden, habe ich selbst gesehen, wie friedlich und still sie ihre Arbeit ohne Schläge und Peitschenhiebe verrichten.“ Auch mit anderen Sklavenbesitzern und -aufsehern scheute Kapitän Eschels nicht die Auseinandersetzung, wenn er erlebte, dass sie die Sklaven unmenschlich behandelten. Aber dieser Kapitän war eine große Ausnahme.
Jens Jacob Eschels, der 1757 geboren wurde, stammte aus einer armen Familie aus Nieblum auf Föhr und musste nach dem frühen Tod seines Vaters schon mit elf Jahren als Schiffsjunge auf einem holländischen Walfänger anheuern. Mehrmals gingen seine Schiffe auf den gefahrvollen Fahrten durchs Nordmeer verloren, aber er kehrte immer unversehrt in seine nordfriesische Heimat zurück. Im Winter, wenn er zu Hause war, lernte er fleißig die „Steuermannskunst“, also das Navigieren. Deshalb konnte er 1778 zur weniger gefährlichen Handelsschifffahrt wechseln. Zunächst war er auf den europäischen Meeren unterwegs, aber 1781 segelte er das erste Mal in die Karibik. Er stieg zum Unter-Steuermann und Steuermann auf.
Als der Kapitän der Hamburger Bark „Henricus de Vierde“ in Haiti erkrankte und starb, wurde er 1782 Kapitän und führte das Schiff bis 1798 auf zahlreichen Reisen von Altona in die Karibik und in andere Fahrtgebiete. Die Kriege und Blockaden der napoleonischen Zeit bedeuteten für Kapitän Eschels das Ende seiner Fahrenszeit. Er ließ sich in Altona nieder und nutzte sein kleines Vermögen, um als Tabakfabrikant und Reeder tätig zu werden.
1833 schloss er seine Autobiografie ab und ließ sie auf eigene Kosten unter dem Titel „Lebensbeschreibung eines alten Seemannes, von ihm selbst und zunächst für seine Familie geschrieben“ drucken. Dieses spannende Buch mit einem Umfang von 380 Seiten ist seit 1995 in einer Neuauflage verfügbar. Es gilt als die früheste Autobiografie eines deutschen Kapitäns. Der fromme Kapitän Eschels, der am 7. Juni 1842 auf einer Seereise nach Batavia starb, schrieb in diesem Buch für seine Kinder und sicher nicht nur für sie: „Also, lieben Kinder, wo ihr auch in der Welt seid, behandelt alle Menschen liebreich, sei er weiß oder schwarz; dieses ist nicht allein Gott angenehm (denn der liebe Gott hat uns Alle geschaffen), sondern es schafft euch auch hier auf Erden Nutzen.“
Seit 1950 gibt es einen Eschelsweg in Altona. Auf dem ehemaligen Friedhof Norderreihe in Altona, heute als Wohlers Park bekannt, ist der Grabstein des Kapitäns, ein etwa einen Meter hohe Sandsteinblock, erhalten geblieben.
Aus: Frank Kürschner-Pelkmann: Entdeckungsreise durch die Hamburger Geschichte
