
Die Geschichte des heutigen 5-Sterne-Hotels Louis C. Jacob begann mit zwei dramatischen, lautstarken Ereignissen. Das eine fand 1789 in Paris statt, der Sturm auf die Bastille, der Ausgangspunkt der Französischen Revolution. Tausende wohlhabende und mit dem Königshof verbundene Französinnen und Franzosen ergriffen daraufhin die Flucht, so auch der königliche Landschaftsgärtner Daniel Louis Jacques. Er machte sich wie viele seiner Landsleute auf den Weg ins reiche und relativ weltoffene Hamburg. Und das zweite lautstarke Ereignis fand einige Meilen elbabwärts des Hamburger Hafens statt. Es war der gewaltige Knall durch die Explosion einer Kanone.
Die Kanone gehörte dem Zuckerbäcker Nicolaus Paridom Burmester. Seine Bäckerei an einem exponiert gelegenen Platz oberhalb der Elbe war sehr beliebt und offenbar so erfolgreich, dass er sich ein aufwendiges Hobby als Pyrotechniker leisten konnte: die Begrüßung und Verabschiedung aller größeren Schiffe mit drei Böllerschüssen aus seiner Kanone. Das war so etwas wie der Vorläufer der heutigen Schiffsbegrüßungsanlage Willkommhöft.
Aber am 18. Juni 1790 verschätzte sich Burmester mit der Menge des Pulvers, die er in das Kanonenrohr schob. Das Ergebnis ist im Sterberegister des Kirchenbuches von Nienstedten nachzulesen: „Am 18. Junius kam Nicolaus Paridom Burmester, Gastwirth zu Nienstedten, ums Leben, da eine abgefeuerte Kanone zersprang und ihn zerfetzte.“
Seine Witwe Maria Elisabeth führte die Bäckerei allein fort, lernte aber bald Daniel Louis Jacques kennen, der als Gestalter von Landhausgärten an der Elbchaussee rasch zu Geld gekommen war. Maria Elisabeth, hieß es damals, war „durch Wuchs und Wohlstand gleichermaßen begehrenswert“.
Die beiden heirateten bereits einige Monate nach der Kanonenexplosion und bauten die Bäckerei an der Elbchaussee in ein Wein- und Speiselokal um. Das Restaurant wurde am 1. April 1791 eröffnet. Da hatte der französische Einwanderer seinen Nachnamen bereits in Jacob geändert.
Das Restaurant sollte eine kulinarische Institution werden, die alle Wirren der kommenden zwei Jahrhunderte überstand. Aber aller Anfang war auch hier schwer. Das Haus besaß zwar einen herrlichen Ausblick auf die Elbe, war aber erst nach einigen Stunden Fußmarsch von Hamburg aus zu erreichen. Besonders im Winter zögerten die Hamburger, einen so langen Weg auf sich zu nehmen. Dennoch sprach sich herum, dass man bei Jacob die französische Küche genießen konnte. Offenbar war Jacob ein ebenso talentierter Koch wie Gärtner.
Aber die Franzosenzeit in Hamburg Anfang des 19. Jahrhunderts, die sich wirtschaftlich katastrophal auf die Stadt auswirkte, brachte auch einen Rückschlag für das Restaurant. An den vier Sonntagen des November 1809 kamen insgesamt nur fünf Gäste. Voll war das Haus 1814, aber das geschah nicht freiwillig. Russische Offiziere, die mit ihren Truppen das französisch besetzte Hamburg belagerten, quartierten sich bei Jacob ein. Das Gastronomenpaar versorgte auch die Truppen, wobei es aber kaum etwas verdiente.
Um danach wieder mehr Gäste in das Lokal zu locken, bot man „billige Speisungen“ an, die man heute wohl Sonderangebote nennen würde. Darauf konnten Jacob und seine Frau von den 1830er Jahren an verzichten, weil sie genügend wohlhabende Gäste in ihrem Restaurant begrüßen durften. Inzwischen war das Restaurant mehrfach erweitert worden und bewirtete nun auch größere Gesellschaften bei Banketten.
Kurt Grobecker bilanzierte in seinem Buch „Daniel C. Jacob“: „So hatte Daniel Louis Jacob, der Begründer einer fünf Generationen lang erfolgreichen Gastronomen-Dynastie, in seiner Wahlheimat einen Start, mit dem er zufrieden sein konnte.“ Er gehörte „zu den vielen Emigranten, die den Hamburgern wenigstens einen Abglanz französischer Lebensart vermittelten“.
Zu diesem Erfolg hat seine Frau Maria Elisabeth wesentlich beigetragen. Trotz ihrer Belastungen mit vielen Kindern aus erster und zweiter Ehe arbeitete sie unermüdlich am Ausbau des Weinrestaurants mit und besaß eine große Geschäftstüchtigkeit. Sie starb 1824, ihr Mann sechs Jahre später.
Aus: Frank Kürschner-Pelkmann: Entdeckungsreise durch die Hamburger Geschichte
