Maria im Dienst des Antijudaismus

Obwohl Maria ohne jeden Zweifel gläubige Jüdin war und ihr Leben lang blieb, wurde die Jesusmutter schon früh für den christlichen Antijudaismus und Angriffe auf die jüdische Bevölkerung instrumentalisiert. Dazu schrieb Professor Rainer Kampling, der Biblische Theologie/Neues Testament lehrt, 2019 in der Zeitschrift „Welt und Umwelt der Bibel“:

 

„In dem Maße, in dem die Marienfrömmigkeit wuchs, nahmen auch antijüdische Legenden zu, die meist von der Schändung eines Marienheiligtums, eines Bildes der Gottesmutter oder dergleichen erzählten und zum festen Bestand mittelalterliche Marienfrömmigkeit wurden. Dass sich diese Vorstellung auch politisch und räuberisch nutzen ließ, zeigt der Fall der angeblichen Schändung eines Marienbildes in Mantua im Jahre 1495; nachdem man einen Juden seines Besitzes und Vermögens beraubt hatte, wurde damit der Bau der Kirche Santa Maria della Vittoria finanziert.“

 

Das war kein Einzelfall: „Die Verbindung von Pogromen, Ermordung und Ausplünderungen von Juden und von Kirchen, die Maria geweiht waren, stellt ein eigenes Feld der Judenfeindlichkeit vom 14. Jh. bis zum 16. Jh. dar, so u. a. in Nürnberg (Frauenkirche), Regensburg (Frauenkirche) und Bam­berg. Der Ablauf war fast immer gleich: Um an das gesamte Eigentum, einschließlich Häuser und Grundstücke, der jüdischen Bewohner zu kommen, inszenierte man mittels irgendwelcher Verleumdungen und zumeist auch der Zusicherung eines materiellen Gewinns ein Pogrom und eignete sich nach der Ermordung und/oder Vertreibung der Juden deren Besitz an. Die Synagogen wurden abgerissen und an ihrer Stelle Marienkirchen errichtet oder die Synagogen wurde in Marienkirchen umgewandelt (Bamberg).“

 

 

Hier ist eine Ergänzung für die evangelischen Leserinnen und Leser dieses Buches erforderlich. Man darf sich nicht zurücklehnen und sagen, dass das die Katholiken waren und nicht die Protestanten. Bis zur Reformation gab es in Deutschland eine gemeinsame Kirche, und die Protestanten sollten den Versuch aufgeben, sich aus dieser Geschichte davonzustehlen. Dass ist nicht nur ahistorisch, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes unverantwortlich. Was die evangelische Kirchengeschichte betrifft, stimmt es, dass man nach der Reformation in evangelischen Herrschaftsgebieten die Marienfrömmigkeit zurückgedrängt hat und folglich kaum oder gar nicht für antijüdische Attacken genutzt wurde. Aber die Evangelischen fanden genügend andere Vorwände für einen noch immer erschreckenden Antijudaismus und Antisemitismus – und das bis ins 20. Jahrhundert. 

 

© Frank Kürschner-Pelkmann

 

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Die Weihnachtsgeschichte - Fakten, Legenden und tiefere Bedeutung 

 

Viele haben sich im Weihnachtsgottesdienst schon gefragt, ob die Geschichten von  der Geburt und Kindheit Jesu Legenden sind, vielleicht sogar Märchen. In diesem Buch wird fundiert und anschaulich dargestellt,  was heute über das damalige Geschehen bekannt. Es wird deutlich, dass viele legendarische Texte die Glaubensüberzeugungen der Jesusbewegung zum Ausdruck bringen und auch heute noch eine religiöse Orientierung bieten. Ausführlich wird das damalige Leben in Palästina unter der Herrschaft des römischen Imperiums dargestellt. Es hatte überraschende Ähnlichkeiten mit heutigen Imperien. Der Autor stellt außerdem ausführlich dar, was es bedeutet,  dass Jesus, seine Familie und die meisten Menschen, die in den ersten Kapiteln der Evangelien Juden waren.

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