„Das Unternehmen versteht sich als verantwortungsvoller Arbeitgeber, setzt sich für den Schutz der natürlichen Wasservorkommen ein und gestaltet Hamburg als klimaresistente Stadt mit. In einer Branche mit hohem Energiebedarf und wachsenden Anforderungen an Klimaresilienz setzt HAMBURG WASSER neue Maßstäbe – durch die konsequente Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauchs sowie die Umsetzung innovativer Kreislaufkonzepte.“
Das steht nicht in einer Hochglanzbroschüre des Hamburger Wasserversorgungs- und -entsorgungsunternehmens. So hat eine Jury im Dezember 2025 begründet, warum HAMBURG WASSER mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025“ ausgezeichnet wurde. Als ein innovatives Vorhaben wird der Bau der größten Abwasserwärmepumpe Deutschlands erwähnt. Seit mehreren Jahrzehnten arbeitet das Unternehmen intensiv daran, die eigene Energieeffizienz zu steigern und die Wasserwirtschaft mit der Energieversorgung zu verknüpfen. 2024 erzeugte HAMBURG WASSER 74% seines Stromverbrauchs selbst. Angestrebt wird eine vollständige Eigenversorgung mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Das Unternehmen steht allerdings vor großen Herausforderungen, wie in diesem Beitrag dargestellt werden wird. Zu nennen sind hier nicht zuletzt die Folgen des Klimawandels.
„Die Berner Au, sonst ein munter fließender Bach – jetzt hat die Dauerhitze sie fast ausgetrocknet. Muscheln und Flusskrebse mussten sich in die vereinzelten Wasserlachen zurückziehen, viele sind verendet. Durch die hohen Temperaturen der letzten Tage ist das Wasser des Flusslaufes zum größten Teil verdunstet … Auch die Wandse in Rahlstedt ist abschnittsweise fast völlig ausgetrocknet – und so sieht es mit den meisten Hamburger Gewässern aus.“ Diese Zeilen stammen nicht aus einem Roman zu Umweltproblemen im Jahr 2050, sondern aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 9. August 2003. Es herrschte „gutes Wetter“ in Hamburg, aber der Sonnenschein brachte ans Licht, wie prekär die Situation vieler Gewässer der Stadt mittlerweile ist.

Das ist kein Einzelfall. Das nebenstehende Foto zeigt den Bach Rahlau im März 2011 - genauer gesagt zeigt es, dass das Flussbett der Rahlau ausgetrocknet war und offenbar schon längere Zeit kaum Wasser geführt hatte. Dabei entstand Hamburg an den sumpfigen Ufern von Elbe, Bille und Alster. Die Landschaft wurde bestimmt durch zahlreiche Bäche und Feuchtgebiete.
An viele Bäche und Brunnen erinnern heute nur noch Straßennamen, und aus Sümpfen und feuchten Wiesen sind bevorzugte Wohngebiete geworden. Schon 1190 erfolgte ein erster entscheidender Eingriff in die Natur. Ein Müller erhielt die Genehmigung, den Fluss Alster aufzustauen und eine Wassermühle zu betreiben. Auf diese Weise entstand im Norden des damals noch kleinen Ortes ein See, der später geteilt wurde und heute als Binnen- und Außenalster das Bild der Innenstadt prägt.
Der Unterlauf der Alster und die Elbe wurden so umgestaltet, wie es für die wachsende Wirtschaft erforderlich erschien. Zum Beispiel wurde mehr Flusswasser in den nördlichen Arm der Elbe geleitet, damit die Schiffe immer genug Wasser unter dem Kiel hatten. Das Stadtzentrum wurde von kanalisierten Alsterarmen durchzogen, auf denen Boote und kleinere Schiffe die Waren direkt zu den Kaufmannshäusern bringen konnten. Hamburg wurde durch seine Lage an Flüssen reich, und Hamburger Schiffe verkehrten bald in großer Zahl auf Nord- und Ostsee und dann auch auf den Weltmeeren.

Hamburg ist seit dem Mittelalter eine selbstständige Stadt, deren Geschicke Jahrhunderte lang wirtschaftlich und politisch von reichen Kaufmannsfamilien bestimmt wurden. Diese hatten das Interesse, ihre Steuerbelastung niedrig zu halten und staatliche Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken. Deshalb war die Wasserversorgung bis Mitte des 19. Jahrhunderts Privatangelegenheit. Bereits 1370 schlossen sich reiche Bürger zu einer „Feldbrunnen-Interessentschaft“ zusammen. Sie erhielten ihr Wasser von einer Quelle außerhalb der Stadtwälle mittels einer Rohrleitung aus Holz. Die ärmere Stadtbevölkerung schöpfte ihr Trinkwasser vor allem aus den Fleeten, also den Alsterarmen und Kanälen, die die Stadt durchzogen. Diese Fleete dienten allerdings auch für die Entsorgung der Abwässer. Dass mit diesem Wasser auch das seit dem Mittelalter berühmte Hamburger Bier gebraut wurde, erklärt vielleicht seine vielgelobte Würze.
Mit wachsender Bevölkerung stiegen hygienische Probleme und Wasserbedarf. Für die Reichen und Wohlhabenden der Stadt wurde daher die private Wasserversorgung ausgebaut, wofür auch Wasser aus dem aufgestauten Alstersee genutzt wurde. Das Alsterwasser wurde allerdings auch immer schlechter, seit sich im 19. Jahrhundert an dem Hamburger Binnensee und den Zuflüssen Fabriken ansiedelten, vor allem eine große Kattunfabrik. Den Ärmeren blieben die Fleete oder der Kauf von Wasser von Wasserträgern, die es von den Quellen oder – wenn sie bequem waren – aus den Fleeten holten. Das berühmte Stadtoriginal Hummel war einer dieser Wasserträger (siehe Abschnitt Wasserträger).
Wasser bedeutete auch Gefahr, vor allem durch hohe Fluten, die besonders die Bewohner der Elbinseln immer wieder trafen. Deshalb wurde der Deichbau schon früh zu einer wichtigen städtischen Aufgabe und ist es bis heute geblieben. Mittelalterliche Sturmfluten verliefen gemessen an den heutigen Fluten oft harmloser, weil das Elbtal bei Hamburg und bis zur Nordsee breit war und das Wasser sich über große Flächen verteilen konnte.

Das hat sich durch die Eindeichungen und Elbvertiefungen der letzten Jahrhunderte und besonders der letzten Jahrzehnte stark geändert. Das erklärt zu einem wesentlichen Teil, warum die Sturmfluten von 1962 und 1976 sich so katastrophal auswirkten. Hamburg liegt in dem Bereich der Elbe, in den kein Meerwasser mehr vordringt, wo aber das Nordseewasser bei Flut in den Unterlauf des Stroms eindringt und das Flusswasser stoppt. Es gibt deshalb in Hamburg, etwa 80 Kilometer von der Elbmündung entfernt, einen deutlichen Tidenhub, also einen großen Unterschied zwischen dem Wasserstand bei Ebbe und bei Flut.
Vor der Sturmflut von 1962 hatte es mehr als ein Jahrhundert lang keine verheerende Sturmflut gegeben. Deshalb waren die Deiche vernachlässigt worden, und es gab auch keine wirkungsvollen Pläne, was im Falle einer neuen Sturmflut zu tun war. Hinzu kam, dass die zuständigen Hamburger Behörden die Warnungen vor einer drohenden Sturmflut nicht ernst genug nahmen.
Das hatte in der Nacht vom 16. zum 17. Februar 1962 katastrophale Folgen. Die Bewohner von Finkenwerder, Neuenfelde und Wilhelmsburg waren völlig unvorbereitet, als mitten in der Nacht die Deiche an 01mehr als 60 Stellen brachen und die Wohngebiete hinter den Deichen binnen kürzester Zeit in den Wassermassen versanken. Die Rettungsmaßnahmen liefen nur langsam an, bis der damalige Innensenator Helmut Schmidt entschlossen die Hilfe koordinierte und zum Beispiel Rettungshubschrauber der Bundeswehr anforderte.
Es waren 315 Todesopfer in Hamburg zu beklagen. Zeitweise war fast ein Sechstel de Stadtfläche der Hansestadt überflutet, darunter der größte Teil des Hafens. 6.000 Gebäude wurden zerstört. Der Schock saß tief und hat dazu geführt, dass das gesamte Deichsystem erneuert und die Deiche erhöht wurden.

Das zahlte sich 1976 aus. Dieses Mal wurde die Bevölkerung rechtzeitig vor der drohenden Sturmflut in der Nacht vom 2. zum 3. Januar gewarnt und die Deichverteidigungs-Maßnahmen aktiviert. Der Pegel war 70 cm höher als bei der Flut 1962, aber diesmal hielten die Deiche der Flut stand. Es entstanden allerdings große Schäden bei den Hafenbetrieben wie den Containerterminals, die nicht durch Deiche geschützt sind.
Die Erfahrungen bei dieser Flut haben zu einem noch einmal verstärkten Schutz der Stadt vor Sturmfluten geführt. Eine Maßnahme war die weitere Erhöhung der als 100 km Elbdeiche. 1962 hatten sie erst eine Höhe von etwa 5,70 Meter, inzwischen sind des 2,50 Meter mehr. In den letzten Jahren ist das das Bewusstsein dafür gewachsen, dass auch diese Deichhöhe angesichts der kaum noch abzuwendenden Folgen des Klimawandels nicht ausreichen wird. Bis 2050 soll ein "Bauprogramm für den Hochwasserschutz" dazu führen, dass Hamburg besser auf die dann zu erwartenden Extremwetterereignisse vorbereitet ist. Gleichzeitig kann kein Zweifel daran bestehen, dass nur entschlossene Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels auch die Risken wirksam vermindern können, die die Menschen und ihre Umwelt bedrohen.

Erst nach dem Großen Brand von 1842, der weite Teile der Stadt in Schutt und Asche legte, wurde auf Initiative des britischen Ingenieurs William Lindley eine zentrale Wasserversorgung geplant. Es gab heftige öffentliche Debatten darüber, ob diese Versorgung privat bleiben oder von der Stadt wahrgenommen werden sollte. Lindley und die anderen Verfechter der öffentlichen Versorgung konnten sich durchsetzen. Die Argumente des englischen Ingenieurs sind bis heute aktuell geblieben. Es gelte eine Versorgung sicherzustellen, „die Rücksicht auf die unvermögenden Classen der Bevölkerung“ nimmt. Lindley fügte hinzu: „Es bedarf bei dem letztgenannten Punkte keiner Auseinandersetzung der wohlthätigen Folgen, welche eine reichliche Wasserversorgung auf die Gesundheit äußert, wohl aber eine Hervorstellung des Unterschiedes zwischen einer Überlassung des Wassers an die Unvermögenden entweder durch den Staat oder durch eine Interessentenschaft.“ Lindley schlug vor, die Armen kostenlos mit Wasser zu versorgen, aber diese Idee nahmen die politisch Verantwortlichen in der Kaufmannsstadt Hamburg nicht auf. Immerhin wurde eine Wasserversorgung in kommunaler Trägerschaft aufgebaut.
Es wurden die Stadt-Wasserkunst in Rothenburgsort an der Elbe und ein Leitungsnetz gebaut. 1848 nahm die Stadt-Wasserkunst die Versorgung auf. Daraus sind später die Hamburger Wasserwerke geworden. Es entstand eines der modernsten Versorgungssysteme Europas, nur in England gab es Vergleichbares. Das Elbwasser wurde in große Becken geleitet, wo Schwebstoffe sich absetzen konnten. Nach jeweils drei Tagen pumpte man das Wasser in den Wasserturm im Wasserwerk Rothenburgsort und verteilte es über das Leitungsnetz.
Aus Kostengründen verzichtete man allerdings auf eine Filterung des Wassers, wie es Lindley vorgeschlagen hatte. So blieben zahllose Mikroorganismen wie Bakterien im Wasser. Die Filterung war dem Senat der Stadt zu teuer. Dass der Wasserversorger den Kunden empfahl, das Wasser vor dem Verbrauch abzukochen, macht deutlich, dass die gesundheitlichen Risiken durch den Verzicht auf eine Klärung des Wassers durchaus bekannt war. Im damals selbstständigen Altona war man nicht so sparsam und filterte das Wasser, bevor man es an die Haushalte lieferte.
Die Kosteneinsparung in Hamburg wirkte sich fatal aus. Zwar lag das Wasserwerk oberhalb der Stadt, aber bei Flut wurde das Elbwasser einschließlich der städtischen Abwässer flussaufwärts gedrückt und gelangte so auch in das Trinkwasser. Das gab der Cholera-Epidemie von 1892 erst ihre katastrophalen Ausmaße. Zwar hatte man zu diesem Zeitpunkt mit dem Bau eines Wasserwerks mit Filteranlagen begonnen, aber es wurden nicht mehr rechtzeitig fertig, um die Katastrophe zu verhindern. Mehr als 8.600 Menschen starben an der Cholera.
Dass sich die Krankheit so rasch ausbreitete, lag auch daran, dass noch Ende des 19. Jahrhunderts unbeschreibliche hygienische Verhältnisse in den ausgedehnten Armenvierteln der Stadt herrschten. In nur fünfzig Jahren hatte sich die Bevölkerung Hamburgs verdreifacht. Die Stadt hatte nun mehr als 600.000 Einwohner. Wie in den heutigen Metropolen im Süden der Welt lebten viele Menschen in Slums, die man in Hamburg Gängeviertel nannte. Baufällige, feuchte Häuser standen dicht zusammen, und zwischen ihnen blieben nur schmale Gänge, in die selten ein Sonnenstrahl drang.

Das Leben in diesen Vierteln war hart, gefährlich und ungesund. Bis hierhin reichte die öffentliche Wasserversorgung nicht, sodass viele Bewohner sich in Eimern das Wasser aus den Fleeten holten. Diese Wohnquartiere sollten abgerissen werden, galten sie doch als Schandfleck der Stadt.
Nachdem er die Zustände in den armen Wohnquartieren der Stadt kennengelernt hatte, erklärte der berühmte Arzt Robert Koch: „Ich vergesse, dass ich mich in Europa befinde.“ Und er fügte hinzu: „Ich habe noch nie solche ungesunde Wohnungen, Pesthöhlen und Brutstätten für jeden Ansteckungskeim angetroffen wie in den Gängevierteln …“ Aber auch das Trinkwasser aus der Leitung war von zweifelhafter Qualität, sodass ein Zoologe 1885 eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema „Die Fauna der Hamburger Wasserleitung“ veröffentlichen konnte.

Die Cholera-Epidemie bedeutete für die Stadt auch einen großen wirtschaftlichen Schaden, weil eine Quarantäne verhängt wurde und der Außenhandel völlig zum Erliegen kam. Deshalb wurden die Filteranlagen für das Trinkwasser auf der Elbinsel Kaltehofe nun rasch fertiggestellt. In den 22 offenen Becken sickerte das Wasser durch Schichten von Sand und Kies. Durch die Filterung des Wassers, indem es durch Sandschichten geleitet wurde, ermöglichte eine Verminderung der Belastung durch Bakterien um 99,7 bis 99,9%.
In Kaltehofe richtete man auch eine Außenstelle des Hygieneinstituts ein, um die Wasserqualität ständig zu überwachen. Für die Laboratorien und die Büros des Instituts wurde die "Villa Kaltehof" gebaut. Dort befanden sich auch die Büros der Betriebsleitung des Wasserwerks. Einige Beschäftigte wohnten im Obergeschoss und im Dachgeschoss des Hauses.
Da sich immer mehr Industrieunternehmen am Ober- und Mittellauf der Elbe ansiedelten und die rasch wachsenden Städte große Mengen ungeklärten Abwassers in den Fluss einleiteten, sank die Wasserqualität ständig. Deshalb wurde 1905 das erste Grundwasserwerk in Billbrook eröffnet, um schrittweise die Unabhängigkeit vom Elbwasser für die Wasserversorgung Hamburgs zu erreichen. Es wurden systematisch neue Grundwasserwerke gebaut, aber erst von 1964 an wurde kein Elbwasser und anderes Oberflächenwasser mehr für die Trinkwasserversorgung genutzt.

1990 ging auch die Ära des Wasserwerks Kaltehofe zu Ende. Das frühere Wasserwerk ist seit 2011 ein Lernort zur Geschichte der Wasserversorgung. Für das Museum errichtete man neben der Villa zusätzlich einen Neubau. Die früheren Absetzbecken bilden das Zentrum eines Naturparks.

Bis ins 19. Jahrhundert gelangte das meiste Abwasser der wachsenden Stadt in die Fleete, also die Wasserwege, die Binnenalster und Elbe miteinander verbinden. Bei Ebbe floss das Wasser aus den Fleeten in die Elbe, allerdings nicht vollständig.
1801 schrie J. J. Rombach in seiner physisch-medizinischen Beschreibung Hamburgs über die Nutzung der Fleete: „Die Fleete nehmen aus Gassen und Häusern eine Menge Unreinigkeiten auf, die teils nicht ganz von der Ebbe fortgerissen werden können, teils bei anhaltend niedrigem Wasser liegen bleiben und die Luft verderben. Wer an einem Fleet wohnt, darf es ungescheut zum Rezipienten seiner tierischen Ausscheidungen machen, und das tut auch jeder. Außerdem werden noch von den Brücken in jeder Nacht eine Menge von Nachteimern ausgeleert und noch dazu mit einer solchen Sorglosigkeit, dass ein großer Teil ihres ekelhaften Inhaltes auf der Brücke selbst liegen bleibt.“
Erwähnt werden muss noch, dass auch die Abwässer der Gewerbebetriebe in die Alster oder direkt in die Fleete flossen. Es waren deshalb alle gut dran, die ihr Trinkwasser aus Brunnen und Quellen bezogen. Erst nach dem Großen Brand von 1842 gab die Stadt diese gesundheitlich überaus gefährlichen Verhältnisse auf und beauftragte den britischen Ingenieur William Lindley, neben einer modernen Wasserversorgung auch eine Kanalisation zu planen und zu bauen. Am 1. September wurde der Wiederaufbauplan vom Senat genehmigt, und noch im November 1842 erfolgte der erste Spatenstich. Es gab damals in ganz Europa lediglich in London ein vergleichbares Kanalisationssystem.
Unterirdische Kanäle, die in Hamburg Siele genannt werden, leiteten die Abwässer bei der Hafenstraße ungeklärt in die Elbe. Es wurden lediglich mit einem großen Rechen die Feststoffe aus dem Abwasser entfernt. Die gemauerten Siele hatten eine Breite von bis zu 4,70 Meter und wurden für Reinigungszwecke mit Booten befahren.
Es entstand zunächst ein Sielnetz von 943 Kilometern. Von diesen ursprünglichen gemauerten Sielen sind bis heute noch etwa 250 Kilometer erhalten geblieben, die für die Abwasserentsorgung der Stadt weiterhin von Bedeutung sind und saniert werden.
Diese Form der Abwasserentsorgung wurde damals als so beeindruckend empfunden, dass sogar Kaiser Wilhelm II. die Siele besichtigen wollte. 1904 wurde deshalb am Baumwall ein kleines Eingangsgebäude zu den Sielen gebaut. Für den Kaiser bezog man einen mit glasierten Fliesen verkleideter Umkleideraum in das Bauwerk ein. So vor Schmutz geschützt, soll der Kaiser in einem Boot durch ein breites Siel gefahren worden sein. Historisch nachweisbar ist diese Bootsfahrt nicht. Auf jeden Fall hat der spätere Kaiser die Siele 1877 als Kronprinz befahren. Darüber berichtete damals die populäre Zeitschrift "Die Gartenlaube". Auch Ingenieure aus dem In- und Ausland nutzten Bootsfahrten, um sich über das innovative unterirdische Sielsystem in Hamburg zu informieren.

Die wichtigste Aufgabe der Hamburger Stadtentwässerung (HSE) ist die umweltgerechte und wirtschaftliche Abwasserableitung und -behandlung in Hamburg. Jedes Jahr werden 145 Mio. qm Schmutz- und Niederschlagswasser in der Kläranlage behandelt. Die Gewährleistung einer sicheren und zuverlässigen Abwasserentsorgung wird als grundlegende Voraussetzungen für hohe Lebensqualität verstanden. Die HSE entsorgt das Abwasser von mehr als 2,2 Millionen Menschen in Hamburg und im Umland über ein Sielnetz von etwa 60 km. Daneben betreibt die HSE vier weitere kleinere Kläranlagen in der Metropolregion Hamburg. Zu den Aufgaben gehört außerdem die Förderung einer nachhaltigen, dezentralen Regenwasserbewirtschaftung.
Die Rohre und Kanäle des Sielnetzes dienen auch zur Entsorgung von Regenwasser. Regenwasser fließt in 90.000 Straßenabläufe, Trummer genannt. Möglichst viel Regenwasser wird durch getrennte Siele in die Gewässer der Umgebung geleitet. Anderes Regenwasser wird in Abwassersiele geleitet. Bei starken Niederschlägen, wenn das Abwassernetz überlastet ist, wird Mischwasser in unterirdischen Rückhaltebecken gesammelt, bevor es über Siele in Gewässer oder wenn erforderlich zum Klärwerk geleitet wird.
Das Abwasser der Stadtteile nördlich der Elbe wird durch eine Druckleitung unter dem Fluss zum Klärwerk geleitet. Es ist Deutschlands größte kommunale Kläranlage, in der in jeder Sekunde umgerechnet etwa 33 Badewannen Abwasser ankommen. Jeden Tag sind es etwa 410.000 Kubikmeter. Im Klärwerk werden zunächst mit großen Rechen die groben Feststoffe aus dem Abwasser entfernt. Das sind jedes Jahr etwa 6.500 Tonnen Rechengut. Im nächsten Schritt wird das Abwasser mit niedriger Geschwindigkeit durch einen „Sandfang“ geleitet. Hier lagern sich Sand, Kies und organische Stoffe am Boden ab. Von dort aus geht es für das Abwasser in Vorklärbecken, wo sich feine Stoffe am Boden ablagen und abgeschöpft werden.
In einer zweiten Phase erfolgt eine biologische Reinigung des Abwassers. Mikroorganismen nehmen organische Stoffe als Nahrung auf und binden dabei auch Schadstoffe. In der dritten Reinigungsstufe werden chemische Stoffe vom übrigen Abwasser getrennt.
Etwa 4.000 Klärschlamm täglich werden anschließend in die zehn Faultürme befördert, während das gereinigte Wasser in den Köhlbrand fließt. Die Klärschlammverwertungsanlage VERA mit den Faultürmen ist die bundesweit größte Anlage dieser Art und gewinnt unter anderem Phosphor zurück. Unter Luftabschluss fault der Klärschlamm in den Faultürmen aus. Bakterien verwandeln etwa die Hälfte des Klärschlamms vor allem in Faulgas, das zum Teil in Strom umgewandelt wird, der dem Betrieb des Klärwerkes dient. Das übrige Gas wird in das Hamburger Gasnetz eingespeist. Der übrig gebliebene Klärschlamm wird in der VERA-Verbrennungsanlage zur Stromerzeugung genutzt.
Im Rahmen von VERA II entsteht eine weitere Verbrennungsanlage. Damit besitzt Hamburg dann die größte deutsche Verbrennungsanlage von Klärschlamm. Die Kosten für VERA II sind allerdings so stark gestiegen. Statt etwa 200 Millionen Euro werden es mehr als 300 Millionen sein. Das war 2025 ein Grund dafür, dass die Führungsspitze von HAMBURG WASSER ausgetauscht wurde.
Dadurch, dass das Hamburger Klärwerk nicht nur Abwasser reinigt, leistet es auch einen bedeutenden Beitrag für eine nachhaltige Energieversorgung Hamburgs. Mit vier Großwämepumpen am Ablauf der Kläranlage wird die Wärme des Wasser genutzt, um klimafreundlich Wärme für bis zu 39.000 Haushalte zu erzeugen. Auch zwei Windkrafträder auf dem Gelände das Klärwerks dienen der Energieerzeugung. Bis 2030 soll die Hamburger Stadtentwässerung so viel Energie erzeugen und Einsparungspotenziale nutzen, dass sie energieautark wird,

Stadtentwässerung ist heute nur unter Einsatz moderner Fahrzeuge wie dem "Vakuummaster" und computergestützten Technologien möglich. Die heutigen Herausforderungen zeigen sich zum Beispiel daran, dass Klärwerke mit rasch wachsenden Belastungen durch Medikamentenrückstände, Mikroplastik und winzigen Teilen anderer Chemikalien konfrontiert sind, die sich durch die bisher drei Stufen von Kläranlagen nicht zuverlässig entfernen lassen. Deshalb wird in einer neuen EU-Abwasserrichtlinie gefordert, eine vierte Reinigungsstufe aufzubauen, damit wenige Spurenelemente in die Gewässer gelangen. Zutreffend wird in einem Beitrag auf der Website des Unternehmens festgestellt: "Wichtig bleibt: Schadstoffe, die gar nicht erst in den Umlauf gelangen, müssen nicht aufwendig herausgefischt werden." Ein Beitrag, den jeder und jede dazu selbst leisten kann, besteht darin, Medikamentenreste nicht in die Toilette oder den Abfluss zu schütten, sondern mit dem Hausmüll zu entsorgen oder in der Apotheke abzugeben.
Im Hamburg waren Wasserversorgung und Abwasserentsorgung bisher auf zwei selbstständige Betriebe aufgeteilt, die Hamburger Wasserwerke und die Hamburger Stadtentwässerung. Anfang des Jahrhunderts bestand die Gefahr, dass die Wasserversorgung der Stadt privatisiert würde, so wie es in verschiedenen größeren deutschen Städten bereits geschehen war. Im August 2004 forderten mehr als 140.000 Hamburgerinnen und Hamburger in einem Volksbegehren, dass die Wasserversorgung der Stadt nicht privatisiert werden darf. Das bedeutete das Ende jeglicher Privatisierungspläne und die Wasserwerke blieben dauerhaft im kommunalen Eigentum.

Wasserwerke und Stadtentwässerung sind 2006 zum Unternehmen „Hamburg Wasser“ zusammengeschlossen worden, zu dem auch mehrere Tochterunternehmen gehören. Das Stadtentwässerungsunternehmen ist juristisch weiterhin eine Anstalt öffentlichen Rechts, aber in der praktischen Arbeit in den Konzern integriert. HAMBURG WASSER versorgt neben der Hansestadt mehr als zwei Dutzend Gemeinden im Umland mit Trinkwasser. HAMBURG WASSER wurde zum größten kommunal betriebenen Wasserunternehmen in Deutschland, nachdem die Berliner Wasserbetriebe 1999 teilprivatisiert worden waren. Inzwischen wurde die Wasserversorgung in Berlin rekommunalisiert, nachdem die Privatisierung ausgesprochen enttäuschende Ergebnisse zeitigte.

HAMBURG WASSER betreibt 17 Grundwasserwerke, von denen einige in Schleswig-Holstein und Niedersachsen liegen. Es gibt etwa 450 Förderbrunnen mit einer Tiefe von bis zu etwa 430 Metern, aus denen jährlich etwa 120 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert werden. HAMBURG WASSER hat einschließlich des Abwasserbereichs etwa 2.400 Beschäftigte, davon etwa 1.000 in der Wasserversorgung. Vor einigen Jahren waren es noch deutlich mehr.
Das Unternehmen ist stolz darauf, ausschließlich Grundwasser für die Trinkwasserversorgung heranzuziehen. Um die Trinkwasserqualität langfristig zu sichern, sind in Hamburg zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden. Dabei wirkt sich die enge Zusammenarbeit des kommunalem Wasserunternehmen mit der Umweltbehörde sehr positiv aus. Eine wichtige Maßnahme ist der Schutz der Trinkwasserschutzgebiete, in deren Umgebung landwirtschaftliche und gewerbliche Tätigkeiten nur eingeschränkt erlaubt sind. HAMBURG WASSER hat landwirtschaftliche Flächen in seinem Eigentum im Nordosten Hamburgs bewusst an einen ökologisch wirtschaftenden Landwirt verpachtet, um sicherzustellen, dass es zu keinem Einsatz von Pestiziden etc. kommt.
Anlässlich seiner Jahrespressekonferenz am 11. Juni 2018 hat HAMBURG WASSER einen besseren Schutz des Trinkwassers gefordert. Grund sind die erwähnen Mikroverunreinigungen: Düngemittel, Pestizide und Medikamentenrückstände sowie Spuren aus der Industrie wie Mikroplastik und Süßstoffe könnten langfristig die Grundwasserqualität beeinträchtigen. Der städtische Versorger hat deshalb zum Umdenken beim Umgang mit Schadstoffen aufgefordert.
Ingo Hannemann, technischer Geschäftsführer von HAMBURG WSSER; warnte: „Zwar ist unser Grundwasser in Hamburg sehr gut geschützt, dennoch müssen wir alles daransetzen, Einträge von Spurenstoffen zu verhindern, damit sich diese nicht irgendwann in unserem Grundwasser anreichern.“ Gelinge das nicht, werde sich die Qualität des Grundwassers verschlechtern. Steigende Kosten bei der Wasseraufbereitung wären nur eine der negativen Folgen.
Nathalie Leroy, die Sprecherin der Geschäftsführung, hob hervor: „Wasserwerke und Kläranlagen sind kein Reparaturbetrieb für gesellschaftliches und wirtschaftliches Fehlverhalten. Damit Spurenstoffe nicht zu einem ernsthaften Problem werden, müssen strengere Gesetze zum Schutz des Wassers her. Gleichsam müssen die Verursacher stärker in die Pflicht genommen werden.“ Leroy konkretisierte: „Wir fordern strengere Regeln für den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und mehr Fördermittel für die Erforschung biologisch abbaubarer Arzneistoffe. Vor allem wünschen wir uns aber ein Verbot von Stoffen, die nicht biologisch abbaubar sind und keinen gesellschaftlichen Nutzen haben.“

Ein großes Problem stellen in der Industriestadt Hamburg seit Jahren die Bodenbelastungen mit Schadstoffen dar. Dies betrifft sowohl Deponien als auch die Flächen, die von Industriebetrieben genutzt werden oder wurden. In der Deponie Georgswerder in der Nähe eines damaligen Wasserwerkes wurden 1984 große Mengen Schwermetalle entdeckt. Danach konnte nur unter Einsatz von Millionenbeträgen verhindert werden, dass die zahlreichen giftigen Stoffe, die unter den Hausmüll gemischt worden waren, in das Grundwasser eintraten. Dieses technisch aufwendige Sanierungsprojekt hat Modellcharakter in Deutschland. Insgesamt gibt es in Hamburg aber mehr als 2.000 Flächen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie mit industriellen Altlasten die Umwelt und besonders das Trinkwasser gefährden.
Trotz solcher Gefahren hat sich die Gewässerqualität in Hamburg in den letzten Jahren deutlich verbessert. Ein wichtiger Grund ist, dass in Tschechien und den neuen Bundesländern große Investitionen zur Verminderung der schädlichen Einleitungen in die Elbe getätigt wurden. Aber auch die Industriebetriebe in Hamburg selbst erfüllen inzwischen höhere Umweltanforderungen. Sämtliche Einleitungen in die Elbe und ihre Nebenflüsse wurden auf Hamburger Gebiet entweder gestoppt oder werden regelmäßig auf ihre Inhalte geprüft.

Seit einigen Jahren gibt es verstärkte Bemühungen, die Hamburger Gewässer stärker zu schützen und möglichst in ihren natürlichen Zustand zurückzuversetzen. Das betrifft auch die Außenalster als besonders bekanntes und geschätztes Gewässer mitten in der Stadt.
In ihren ursprünglichen Zustand lässt sich dieses 164 Hektar große Gewässer allerdings nicht zurückversetzen. Es war nämlich seit der Aufstauung im Mittelalter in Höhe des heutigen Jungfernstiegs ein großes Sumpfgebiet, zu dem auch Flächen heutiger Stadtteile wie Uhlenhorst gehörten.
Seine heutige Gestalt erhielt die Außenalster erst im 19. Jahrhundert, als die Ufer befestigt und die Sumpfgebiete durch eine Absenkung des Wasserspiegels des Gewässers und Aufschüttungen in teure Villengrundstücke verwandelt wurden. Die Wasserqualität der Außenalster litt im 19. Jahrhundert darunter, dass am Oberlauf der Alster und vor allem an den Zuflüssen und Kanälen eine größere Zahl von Gewerbebetrieben entstanden, deren Abwässer vielfach in die Alster geleitet wurden.
Es ist inzwischen gelungen, diese Einleitung weitgehend zu unterbinden, sodass sich die Wasserqualität in der Außenalster deutlich verbessert hat. Auch entstanden an den Ufern der Außenalster große Parkflächen mit einer vielfältigen Bepflanzung. Große Defizite gab es bisher bei der Schaffung und Bewahrung einer natürlichen Vegetation in den Flachwasserzonen.
Das will die Initiative "Lebendige Alster" ändern, an der die Hamburger Umweltverbände BUND und NABU sowie die Aktion Fischotterschutz beteiligt sind.
„Lebendige Alster“ hat bereits eine ganze Reihe von Maßnahmen verwirklicht wie schwimmende Vegetationsinseln als Rückzugorte für Tiere. Im März 2026 veröffentliche die Initiative nun eine Machbarkeitsstudie dazu, wie sich die Außenalster ökologisch verbessern lässt. Die Studie entstand im Austausch mit Wassersportvereinen, Behörden und weiteren Akteuren, um eine breite Basis für die Umsetzung der zukünftigen Maßnahmen zu erreichen.
Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Wiederherstellung naturnaher Ufer und Flachwasserzonen an der Außenalster. Sie sind wichtige Kinderstuben für Fische und Lebensräume für Insekten und andere Wasserorganismen. In den offenen Wasserflächen fehlen vielerorts natürliche Strukturen wie versunkene Äste, Wurzeln und Steine. Sie können Schutz und Lebensraum für viele Arten bieten. Neue Strukturen sollen unter Steganlagen entstehen, zum Beispiel mit Naturmaterial gefüllte Körbe, die zusätzliche Rückzugsorte schaffen. Die Studie zeigt Wege, wie Naturschutz und die Nutzung der Außenalster durch die Menschen miteinander verbunden werden können.
„Die Außenalster ist für viele Hamburgerinnen und Hamburger der erste Ort, an dem sie Natur in der Stadt erleben – Vögel beobachten, Fische sehen, Röhricht rauschen hören“, sagt Lukas Mörchen, Geschäftsführer des BUND Hamburg. „Dass dieser Lebensraum unter massivem Druck steht, ist vielen nicht bewusst. Die Studie macht dies sichtbar und zeigt zugleich: Eine naturnähere Außenalster ist keine Utopie, sondern mit gezielten Maßnahmen erreichbar.“
Es gehört zu den großen Erfolgen der Hamburger Behörden, der Wasserwerke, der Industrie und der Haushalte, dass die Wasserförderung seit den 1980er Jahren deutlich reduziert werden konnte. Viele Industrieunternehmen haben wassersparende Produktionsverfahren eingeführt und betriebsinterne Wasserkreisläufe aufgebaut, um das Wasser mehrfach zu nutzen. Diese Einsparungen haben den Effekt gehabt, dass die Grundwasserstände in vielen Stadtteilen wieder merklich zugenommen haben.
Auch der verminderte private Trinkwasserverbrauch hat diesen Erfolg ermöglicht. Betrug er in Hamburg 1992 pro Kopf und Tag noch 136 Liter, inzwischen sind es etwa 107 Liter. Der Verbrauch liegt damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Dazu haben die Initiativen der Wasserwerke zur Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit wesentlich beigetragen. Eine weitere erfolgreiche Maßnahme zur Verminderung des Wasserverbrauchs war die Bestimmung, dass alle Häuser und Wohnungen mit Wasserzählern ausgestattet werden mussten. So wird nicht nur für Hauseigentümer, sondern auch für alle Mieterinnen und Mieter ein finanzieller Anreiz geschaffen, Wasser zu sparen.
Dass der Wasserverbrauch in Hamburg trotzdem leicht zunimmt, liegt an der wachsenden Bevölkerung der Stadt. 2024 betrug die abgesetzte Wassermenge 115,7 Millionen Kubikmeter. Der Konzern (mit Trinkwasserversorgung und Stadtentwässerung) erreichte 2024 einen Umsatz von 673,5 Millionen Euro.
HAMBURG WASSER berechnet ab dem 1. Dezember 2025 einen Preis von 2,19 Euro für einen Kubikmeter Trinkwasser, pro Liter also 0.002 Euro. Der Wasserpreis liegt damit im Vergleich der 15 größten Städten im unteren Drittel. Nur in Berlin, München und Köln sind die Wasserpreise niedriger.
Die Effizienz der Wasserversorgung wird auch dadurch belegt, dass im mehr als 5.500 Kilometer langen Leitungsnetz nur 3,6% (2020) des Wassers nicht bei den Kunden ankommen, also durch Leckagen verloren gehen. Damit liegt Hamburg deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 6,1% Der Vergleich mit dem privatisierten Londoner Wasserunternehmen Thames Water, das zwischenzeitlich zum RWE-Konzern gehörte, ist eindeutig. Dort summierten sich die Wasserverluste zeitweise auf mindestens 30 Prozent.
Dass in Hamburg weiterhin Trinkwasser umsichtig verbraucht werden muss, wird dadurch belegt, dass größere Mengen des kostbaren Nasses aus der Nordheide nach Hamburg gepumpt werden. 300.000 Menschen in Hamburg werden mit Wasser aus de Nordheide beliefert. Zu den Auswirkungen der Wasserentnahme in der Nordheide gibt es diametral entgegengesetzte Bewertungen. HAMBURG WASSER stuft die Entnahme als ökologisch unbedenklich ein. Auf der Website des Wasserversorgers ist zu lesen: "Der Schutz unseres Grundwassers ist als öffentlicher Grundwasserversorger für uns extrem wichtig. Die Nordheide gehört daher zu den deutschlandweit am besten überwachten Gebieten. Unsere Experten und unabhängige Gutachter kommen dabei alle zum selben Schluss: Die Förderung ist nachhaltig und umweltkonform."
Die Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide (IGN) berichtet hingegen, dass der Wasserspiegel in der Umgebung der Wasserentnahme sinkt und die Gewässer beeinträchtigt werden. Die Interessengemeinschaft wurde 1997 gegründet und klagt seit Jahren gegen die Wasserförderung von HAMBURG WASSER in der Nordheide im bisherigen Umfang. Auf der IGN-Website ist zu lesen: "Konflikte im Zuge von Grundwasserentnahmen gibt es vor allem in der Nähe von Metropolregionen schon seit mehr als 40 Jahren. Das Loisachtal bei München, das Hessische Ried bei Frankfurt, das Fuhrberger Feld bei Hannover und die Nordheide bei Hamburg kämpfen mit ähnlichen Problemen. Die städtischen Wasserversorger entnehmen im Umland große Mengen Grundwasser und senken den Grundwasserspiegel flächendeckend ab. In der Folge trocknen Moore und Bäche aus, Wälder verlieren ihren Grundwasseranschluss und vereinzelt treten Setzungsschäden an Gebäuden auf ... Hauptverursacher der Probleme in der Nordheide sind die Hamburger Wasserwerke. Sie können den größten Beitrag zur Problemlösung leisten. Umweltverträglich wird die Trinkwassergewinnung erst, wenn die Grundwasserfördermengen reduziert werden."

Die gute Nachricht: Durch den Klimawandel hat sich die jährliche Regenmenge bisher nicht verändert. Die schlechte Nachricht: Starkregen auf der einen Seite und lange Trockenperioden auf der anderen Seite haben signifikant zugenommen. Das zeigt sich seit 2024 besonders deutlich. Im hydrologischen Jahr 2024/25 (1. November bis 31. Oktober) betrugen die Niederschläge insgesamt 770 mm. Das war in etwa der Durchschnittswert. Aber 394 mm wurden in nur 3 Monaten gemessen. Allein im Juli fielen 148 mm Niederschläge, im ganzen Februar waren es lediglich 5 mm. Eine solche Polarisierung von Nässe und Trockenheit hat es seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 in Hamburg noch nie gegeben.
Für die Wasserwerke besonders beunruhigend ist, dass das Winterhalbjahr um 20% trockener war als in früheren Jahren. Die Niederschläge im Winter tragen aber maßgeblich zur Bildung neuen Grundwassers bei.
HAMBURG WASSER steht inzwischen jedes Jahr vor einer doppelten Herausforderung. Bei Starkregenfall muss versucht werden, das Regenwasser möglichst schonend abzuleiten, also vor allem Überschwemmungen vorzubeugen. In langen Trockenperioden nimmt der Wasserverbrauch signifikant zu und es muss eine größere Menge Trinkwasser bereitgestellt werden. Das Trinkwassersystem wird momentan so ausgebaut. dass die maximale Tageskapazität von 460.000 qm auf 500.000 qm erhöht wird.
